Der Einfluss der Demographie auf die Unternehmensnachfolge

Wie der Rückgang der "Generation Babyboomer" sich bemerkbar macht

Die angespannte Situation der mittelständischen Unternehmen in Deutschland wird in der neuen Studie "Nachfolgemonitor 2019" detailliert beschrieben.

Demographie und Unternehmensnachfolge

Jüngste Statistiken machen immer wieder deutlich, dass die Zahl der Übernahmen von kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland, kontinuierlich ansteigt. Auch im Bereich Unternehmensfinanzierung lässt sich dieser Trend ablesen, denn im vergangenen Jahr flossen ca. 52% der Fördermittel für Gründungen von deutschen Bürgschaftsbanken in Unternehmensnachfolgen. Dementsprechend gingen nur ca. 48% an Unternehmensneugründungen. Der demografische Wandel macht sich diesbezüglich auch an den wachsenden Fallzahlen und dem Gesamtvolumen der Finanzierungen deutlich. In diesem Panorama ist das größte Problem, das immer höher werden Durchschnittsalter der Seniorcheffinnen und -chefs, die kurz vor einer Übergabe ihrer Unternehmen stehen und in diesem Zusammenhang, mittlerweile immer weniger geeignete Kandidaten für die Unternehmensübernahme finden.

Sinkendes Umsatzniveau steigt weiter an

Bekanntlich verlaufen Unternehmensnachfolgen meistens äußerst positiv und zufriedenstellend, sowohl für Verkäufer als auch für Nachfolger. Doch, dass es keine Erfolgsgarantie gibt, macht sich auch am aktuellen Niveau der Gewinne vor Zinsen und Steuern (EBIT) bemerkbar. Dem "Nachfolgemonitor 2019" zufolge, sind diese nämlich in ca. 56% der Unternehmensübernahmen unter das bisherige Niveau gesunken. Dies soll u. a. aber auch an den Übernahmekonditionen liegen.

Auffälligkeiten in puncto Investitionsstau konnten bei ca. 46% der Unternehmen beobachtet werden, die bereit für eine Übernahme waren. Diese und weitere relevante Daten und Statistiken stehen dem Leser jetzt im "Nachfolgemonitor 2019" zur Verfügung, welcher vom Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB), Creditreform Rating und die FOM Hochschule für Oekonomie & Management zusammen erstellt wurde. Als Basis für diese Studie dienten ca. 6400 Betriebe, die im Zeitraum von 2013 bis 2018 analysiert wurden.

Unternehmensnachfolger werden dringend benötigt

Der demographische Wandel und seine Konsequenzen werden auf dem Markt des deutschen Mittelstands zunehmend spürbarer. Die Seniorcheffinnen und -chefs aus der Generation der "Babyboomer" stehen derzeit aus Altersgründen vor dem Rücktritt. Laut dem wissenschaftlichen Leiter dieser Studie, Prof. Dr. Holger Wassermann von der FOM Hochschule, wird "der Bedarf an Lösungen für Unternehmensnachfolgen weiter deutlich ansteigen", denn "eine überproportional große Anzahl der aktuell tätigen Unternehmerinnen und Unternehmer ist bereits 60 Jahre und älter." Den Ergebnissen zufolge gab es viele Unternehmensverkäufer, die zum Zeitpunkt der Transaktion zwischen 64 und 66 Jahre alt waren. In 10% der Fälle waren sie sogar 70 Jahre oder älter. Die meisten Nachfolger waren zwischen 30 und 40 Jahre alt (Fast 40% aller Nachfolger). Die Gruppe der 40 bis 49-jährigen Nachfolger machten ca. 33% aus.

Auswirkungen auf die Arbeitsplätze

Die Stärke des Mittelstands wird in der Regel darauf zurückgeführt, dass das Eigentum und die Leitung in einer Hand liegen. Dementsprechend (und unter den Bedingungen, die durch den demografischen Wandel hervorgerufen wurden) ist es nicht verwunderlich, dass die größte strategische Herausforderung aller mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die Suche nach einen geeigneten Nachfolger bildet. Es geht hierbei nämlich vor allem darum, dass nicht einfach nur eine neue Geschäftsführung gefunden werden muss, sondern vielmehr eine neue Unternehmerin bzw. ein neuer Unternehmer. Dr. Michael Munsch, Vorstand der Creditreform Rating AG, kommentiert die kritische Situation der Arbeitsplätze in diesem Kontext wie folgt: "Durch den enorm hohen Anteil von Unternehmen kleinster, kleiner und mittlerer Größe an der Gesamtzahl aller Unternehmen hängt in Deutschland die Mehrzahl der Arbeitsplätze vom Erfolg der Übergabe des Betriebs an die nächste Generation ab".

Weiterhin weniger Nachfolgerinnen als Nachfolger

„Die Anzahl der Nachfolgerinnen liegt mit nur 23% leider deutlich unter dem bundesweiten Anteil weiblicher Führungskräfte“, wie Stephan Jansen, Geschäftsführer des VDB, in der Studie erwähnt. Bei näherer Betrachtung, fällt auf, dass die Differenzen in Bezug auf die Übernehmenden je nach Branche variieren können. So deckte die Studie beispielsweise auf, dass der Anteil der Nachfolgerinnen in den folgenden Branchen, deutlich unter 10% liegt: 9,8% im Verarbeitenden Gewerbe, 5,7% im Baugewerbe und nur 2,4% im Finanz- und Versicherungsgewerbe. Demgegenüber ändert sich das Bild in anderen Branchen wie folgt: 51,1% im Bereich Gesundheits- und Soziales, 29,6% im Gastgewerbe und 27,9% im Grundstücks- und Wohnungswesen. Auch in Bereichen der Kunst, Unterhaltung und der Erziehung/Pädagogik, fallen die Ergebnisse ähnlich aus.

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