Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 25.01.2017

Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!

Besonders eine Nation geht in Deutschland auf Einkaufstour: China. Das Verhalten der Investoren aus Asien hat sich dabei in den letzten Jahren kräftig geändert.

China geht einkaufen. In großem Stil erwerben Firmen des Riesenreichs Unternehmen im Ausland. Besonders im Blickpunkt: Deutschland. Mit immer neuen Rekordniveaus übernommener Firmen sorgt China hierzulande für Furore. Der aktuelle Stand: Investoren aus China und Hongkong haben im Zeitraum von Januar und Ende Oktober 2016 insgesamt 58 deutsche Firmen - 19 mehr als im Gesamtjahr 2015 gekauft. Das hat die Unternehmensberatung EY ermittelt.

Zum Vergleich: Damit liegen die chinesischen Investoren derzeit auf Platz vier einer Rangliste, die die Unternehmensberatung PwC aufgestellt hat. Die meisten Deals in Deutschland vollzogen wie auch in den Vorjahren Käufer aus den USA - 136 waren es bis Mitte November. Der Trend ist allerdings rückläufig: Ihr Anteil sank von 25 Prozent auf 18 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Schweiz und Frankreich.

Experten erwarten, dass der Anteil chinesischer Übernahmen – im Gegensatz zu dem anderer Nationen - weiter stark steigen wird. Dabei schrecken die Chinesen auch nicht davor zurück, gelegentlich Mondpreise zu zahlen.

Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions, weiß: „Die Aufschläge sind jetzt hoch, höher als die marktüblichen 40 Prozent auf den Stand-alone-Wert.“ Lucks erklärt dies damit, dass sich die Chinesen im Bieterkampf durchsetzen wollen und dass sie den deutschen Targets gute Perspektiven bieten, in Form von Marktöffnung nach China und in den globalen Markt.

Betrachtet man das Ganze aus chinesischem Blickwinkel, erfährt man: Die Investitionen sind Ausfluss einer Kapitalflucht. So flossen allein im Jahr 2015 laut dem amerikanischen Institute of International Finance rund 606 Milliarden Euro Kapital aus dem Reich der Mitte ins Ausland. Das ist sieben Mal mehr als im Jahr zuvor. Begründet wird die Kapitalflucht mit dem geringen Vertrauen in den Yuan und in die Regierung des Landes, die Wirtschaft nachhaltig zu stabilisieren. Nicht wenige chinesischen Firmeneigentümer, die nach der wirtschaftlichen Öffnung in den Siebzigerjahren reich geworden sind, fürchten mittlerweile um ihr Geld.

Diese Nachfrage trifft nicht nur bei deutschen Familienunternehmer auf offene Ohren. In Europa und auch gerade in Deutschland wollen sich derzeit viele Private-Equity-Gesellschaften von Beteiligungen trennen. Häufig gehen die Kaufsummen von chinesischen Käufen in Deutschland in die Milliarden. Der Augsburger Industrieroboterhersteller Kuka wurde für 4,6 Milliarden Euro gekauft. Der Münchner Maschinenbauer KraussMaffei wurde für eine glatte Milliarde Euro erworben und EEW, einem Hersteller von Müllverbrennungsunterlagen kostete eben so viel.

Häufig nicht unmittelbar im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Auch kleinere Unternehmen gehen vermehrt in das Eigentum von chinesischen Firmen über. Ein Beispiel ist hier Smaato. Das Hamburger IT-Unternehmen mit 210 Mitarbeitern aus 30 Nationen wurde vor einigen Monaten für 148 Millionen Dollar vom chinesischen Investor Spearhead übernommen.

Allerdings analysieren auch chinesische Unternehmer mittlerweile genauer die Objekte ihrer Begierde. „Das Verhalten der Chinesen hat sich in den letzten Jahren stark geändert: die Chinesen schauen jetzt viel mehr auf gut rentierliche Unternehmen und auf schlüssige Strategien. Vormals wurde vor allem ‚billig‘ eingekauft. Das ist vorbei“, sagt M&A-Profi Lucks. Hinzu kommt: Die chinesischen Übernehmer müssen dem Handelsministerium des Landes, Mofcom, gegenüber Rechenschaft ablegen, dass sich das Investment rentiert, insofern sind da auch Grenzen gesetzt. „Das motiviert sie aber auch, dass gute Zahlen erwirtschaftet werden.“, sagt Lucks.

Laut Experte Lucks dürfte in den nächsten Jahren die Angst vor den Chinesen weiter abgebaut werden. Der schlechte Ruf, der ihnen heute noch teilweise anhängt, stammt noch aus der Zeit der Übernahmen Anfang des neuen Jahrtausends. Damals kauften die Chinesen notleidende Firmen billig ein und verlagerten die Fertigungen. „Bei den Übernahmen der letzten Jahre haben sie sich ausgesprochen fair verhalten, den Unternehmen ihre Wertschöpfung in Deutschland und das finanzielle Kapital zum Geschäftsausbau belassen“, sagt Lucks.

Einzig das Thema Intellectual Property ist heute noch in China ein Problem. Insofern fürchten Unternehmer das Risiko, dass ihre chinesischen Übernehmer Technologien abkupfern und in China nachbauen. „Bei den Übernahmen deutscher Unternehmen in den letzten 5 Jahren habe ich das aber nicht beobachtet“, sagt Lucks.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Online Workshop Unternehmenskauf

    Wie Sie ein Unternehmen, eine Firma bzw. einen Betrieb kaufen - und erfolgreich den Kaufpreis finanzieren. Der nächste Workshop startet am 8. Februar 2018. Gebührenfrei für alle Teilnehmer.

  • Event-Tipp: Unternehmensnachfolge in der Bio-Branche

    Im Rahmen der BIOFACH 2018 in Nürnberg wird am 14. Februar 2018 referriert und diskutiert - Wie sieht die optimale Planung der Nachfolge für einen Biobetrieb aus? Hier erfahren Sie mehr.

  • Master Franchise International

    Lesen Sie hier mehr über internationales Franchising und die Vergabe von Masterlizenzen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Forschungsprojekt zur Unternehmensnachfolge

    Bei der Übergabe stehen meist die aktuellen Probleme im Mittelpunkt, Pläne für die Zukunft kommen zu kurz. Ein Forschungsprojekt der Universität Bremen will das mit einer neuartigen Methode ändern.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

  • Seit 2012 Blockchain-User

    Estland ist digital ganz vorn dabei. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.

  • Bessere Entscheidungen

    Über 600 Millionen Euro an ausgezahlten Krediten – auxmoney ist ein führender Kreditmarktplatz in Kontinentaleuropa. CEO Raffael Johnen über die Digitalisierung des Kreditmarkts.

  • Erfolgsrezept: Loslassen lernen

    Ein pragmatischer Ansatz zur Umsetzung eines Nachfolgeprojektes bei einem Mittelstandsunternehmen in der metallverarbeitenden Industrie.

  • Unternehmensbewertung: Das müssen Sie beachten!

    Unternehmen zu bewerten ist alles andere als trivial. Es kommen verschiedene Methoden infrage. Wie sich ein Preis für ein Unternehmen ermitteln lässt, zeigt unsere Übersicht.

  • 20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich absprechen zu müssen – das sind nur einige der Vorteile. Doch viele unterschätzen den Aufwand und die neue Verantwortung.

  • Deutsche Unternehmen zögerlich beim Kauf von Startups

    Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchen Unternehmen Innovationen. Startups zu übernehmen, ist aber nicht an der Tagesordnung.

  • Das sind die wichtigsten Kommunikationsregeln bei einer M&A Transaktion

    Wenn eine Firma die andere kauft, dann kann viel schiefgehen. Eine laienhafte Kommunikation ist eine große Gefahr für eine M&A Transaktion.

  • Wie läuft die Systemintegration ab?

    Eine Hauptleistungspflicht des Franchisegebers ist es, den Franchisenehmer in das Franchisesystem zu integrieren. Erfahren Sie mehr über den Ablauf und die Inhalte der Systemintegration.

  • Stressfrei studieren

    Studieren gleicht einem Fulltime-Job. Klausuren, Hausarbeiten und knappe Deadlines treiben den Adrenalinspiegel deutlich in die Höhe. Was dagegen hilft.

  • CEO-Interview: Dynamischer Prozess

    Künstliche Intelligenz avanciert zum Treiber des digitalen Wandels. Im DUB UNTERNEHMER-Magazin geben CEOs und führende Manager exklusive Einblicke in die Transformationsprozesse ihrer Unternehmen.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • So sieht eine ideale Digital Due Diligence aus

    Ob ein Unternehmen fit für die digitale Zukunft ist, lässt sich mit der Digital Due Diligence überprüfen. Ein Teil davon ist die IT Due Diligence.

  • Welches Konzept passt zu mir?

    Ein Franchisesystem, das universeller Erfolgsgarant für jedermann ist, gibt es nicht. Das Konzept sollte Ihnen ein solides Einkommen bieten - da ist sorgfältiges Selektieren angesagt.

  • Judoka ist „Sport-Stipendiat des Jahres 2017“

    Theresa Stoll, EM-Zweite und Medizin-Studentin, ist „Sport-Stipendiat des Jahrs 2017“– eine Auszeichnung von Deutscher Bank und Deutscher Sporthilfe.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick