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Bei Übernahmen schwinden die Kräfte

Nach einem Rekord bei Firmenkäufen stellen sich die Investmentbanker nun auf ein schwächeres Jahr ein.

Verpatzter Auftakt: Das neue Jahr beginnt mit einem Fehlstart bei Fusionen und Übernahmen. Im Januar schreckten die Unternehmen angesichts der Unsicherheiten an den Märkten und eines schwierigen Finanzierungsumfelds vor neuen Deals zurück.

Das Volumen an Transaktionen, in der Fachsprache M & A genannt, brach im Januar weltweit um rund ein Drittel auf 183,8 Milliarden Dollar ein. In Europa fiel das Minus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit knapp 56 Prozent auf 24,4 Milliarden Dollar noch heftiger aus. In Deutschland sank der Wert sogar um drei Viertel auf ein Volumen von nur noch 2,3 Milliarden Dollar. Das hat es seit der Jahrtausendwende nur einmal gegeben.

Für den erfahrenen Mark Shafir, weltweiter Co-Chef für M & A bei der Citi, steht schon jetzt fest: Das Rekordvolumen aus dem vergangenen Jahr mit 5,05 Billionen Dollar werde man 2016 nicht erreichen. "Wenn wir zwischen vier und 4,5 Billionen landen, ist das immer noch ein gutes Ergebnis." Die fallenden Rohstoffpreise, vor allem der Ölpreis, drückten auf die Stimmung. Und Sorgen über die gebremsten Wachstumszahlen in China belasteten den Markt zusätzlich. Dazu kommen geopolitische Risiken wie der Bürgerkrieg in Syrien. Dieses Umfeld erschwert große Deals, die das vergangene Jahr prägten.

2015 war das Jahr der Mega-Transaktionen. Insgesamt 69 zweistellige Milliarden-Transaktionen über zusammen 1,9 Billionen Dollar wurden angekündigt. Darunter die Übernahme des Botox-Herstellers Allergan durch Pfizer. Mit dem Kauf wird nicht nur der weltgrößte Pharmahersteller geformt, ein Gigant mit einem Jahresumsatz von 63,5 Milliarden Dollar und 110 000 Mitarbeitern, der an dem bisherigen Marktführer Johnson & Johnson vorbeizieht. Mit einem Deal-Volumen von 160 Milliarden Dollar handelt es sich auch um die zweitgrößte Übernahme in der Geschichte. Einen so großen Deal gab es bislang nur einmal: der Kauf von Mannesmann durch den britischen Telekomanbieter Vodafone für 180 Milliarden Euro im Jahr 2000.

Derart viele Mega-Transaktionen wird es in diesem Jahr nicht noch einmal geben. Da sind sich Investmentbanker sicher. "Der Markt lief vergangenes Jahr wirklich rund auf allen Zylindern", sagt Shafir. Es könnte aber besser laufen, ergänzt er vorsichtig. Das unglaubliche Jahr 2015 stützte sich insbesondere auf die M & A-Welle in Amerika. "Die USA hatten in den vergangenen Jahren eine Sonderkonjunktur", analysiert Dirk Albersmeier, Co-Chef M & A bei JP Morgan in Europa. Der stark gesunkene Ölpreis angesichts des geförderten Schieferöls habe bei US-Unternehmen die Kosten gedrückt. "Und die wiedergewonnene Wettbewerbsstärke wurde gezielt genutzt, um sich durch Übernahmen weiter zu verstärken", betont der Investmentbanker. Inzwischen habe sich das aber normalisiert.

Schwer haben es derzeit auch die Finanzinvestoren, die in normalen Jahren für ein Fünftel der M & A-Transaktionen stehen. Shafir räumt ein, dass die Lage bei der Finanzierung derzeit nicht rosig aussieht für Private Equity, nachdem der Third-Avenue-Fonds für Hochzinsanleihen im Dezember pleitegegangen ist und die Renditeaufschläge gegenüber Staatsanleihen auf sechs Prozentpunkte stiegen. Hochzinsanleihen werden aber von Portfoliounternehmen von Private-Equity-Firmen zur Refinanzierung genutzt. Gerade Emittenten mit schlechten Bonitätsnoten bekämen Probleme, urteilt der Citibanker. Aber es gebe auch Transaktionen, die Ende 2015 eingefädelt worden seien und deren Abschluss im ersten Halbjahr erwartet werde. "Das könnte zur Aufhellung des Stimmungsbildes beitragen", hofft Shafir.

Auch bei aktivistischen Investoren, die Vorstände etwa zu Unternehmensverkäufen zwingen wollen, sieht er ruhigere Zeiten anbrechen, da "viele sich im vergangenen Jahr blutige Nasen geholt haben und Verluste in ihren Portfolios hinnehmen mussten". Dazu gehört Bill Ackman mit seinem Hedgefonds Pershing Square, der sich beim Pharmaunternehmen Valeant verspekulierte und einen Verlust von über 20 Prozent erlitt.

Doch Investmentbanker bleiben Optimisten - trotz des missglückten Starts. Ein Rekord, gewiss, sei nicht zu erwarten. Allerdings blieben wesentliche M & A-Treiber intakt. "Die Konzerne haben hohe Cash-Bestände, und die Finanzierungskosten für Zukäufe sind unverändert günstig", sagt Carsten Laux, M & A-Profi bei der Deutschen Bank, stellvertretend für die Branche. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Im Rückwärtsgang

Zahl und Volumen von Firmenfusionen und Übernahmen, jeweils im Januar des Jahres:
Bei Übernahmen schwinden die Kräfte

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