Aus zwei mach vier

Nachfolge Familienunternehmen:
Beispiel Bugatti

Bugatti holt die nächste Generation in die Führung, um sich im schwierigen Modemarkt zu behaupten.


Generationenwechsel bei Bugatti: v.l. Klaus Brinkmann, Julius Brinkmann, Markus Brinkmann, Wolfgang Brinkmann (Foto: Franz Bischof)

Es ist ein symbolträchtiges Bild. Oben spritzen meterhohe Wellen gegen einen Leuchtturm. Vor dem auf die Wand projizierten Foto präsentiert sich die neue Führung der Bugatti-Gruppe: in der Mitte die beiden Senioren Wolfgang (65) und Klaus Brinkmann (63) und links und rechts außen ihre jeweiligen Söhne Markus (35) und Julius Brinkmann (32).

Die stürmische See steht für den schwierigen Modemarkt. Und das neue Führungsquartett, das seit Dezember das Unternehmen leitet, will zeigen: Wir sind auf schwierigere Zeiten im Modegeschäft vorbereitet, denn wir haben den Generationswechsel begonnen. "Aus zwei mach vier", wie Klaus Brinkmann in der Herforder Zentrale sagt.

Das Geschäft ist derzeit schwierig. "Die Wirtschaftskrise in Russland, die Dollar-Kurs-Problematik und das Wetter haben der Bekleidungsindustrie im vergangenen Jahr das Leben schwer gemacht", sagt Wolfgang Brinkmann. Doch man habe sich "erfolgreich behauptet". Das Familienunternehmen, zu dem Marken wie Eduard Dressler oder Wilvorst gehören, hat den Umsatz leicht um knapp ein Prozent auf 222 Millionen Euro gesteigert.

Viele deutsche Modeunternehmen wie Gerry Weber müssen sparen. Das einst erfolgreiche Unternehmen aus Halle Westfalen will am kommenden Freitag verkünden, wie es seine Wachstumskrise überwinden will. Probleme bereitet nach wie vor das Russland-Geschäft. 2015 ist es wie bei vielen anderen mittelständischen Unternehmen der Textilbranche wegen der dortigen Wirtschaftskrise und der Sanktionen der EU eingebrochen - bei Bugatti um rund 30 Prozent.

Klaus Brinkmann hatte zwar noch im Januar gehofft, dass es in diesem Jahr etwas besser laufen könnte und "wir die Talsohle erreichen". Doch nach den letzten Ordern aus Russland rechnet er "noch einmal mit einem kleinen Minus, hoffentlich nicht zweistellig". Bereits 2014 waren die deutschen Bekleidungsexporte nach Russland nach Berechnungen des Gesamtverbands Textil +Mode um zehn Prozent gesunken. Für das vergangene Jahr erwartet der Verband nochmals ein Minus von 20 Prozent.

Das hinterlässt auch Spuren beim soliden westfälischen Mittelständler Bugatti. "Der Gewinn war im vergangenen Jahr rückläufig", räumt Wolfgang Brinkmann ein, der jetzt zusammen mit seinem Sohn Markus für Finanzen, Produktion und IT zuständig ist. "Aber wir sind noch zufrieden." Auch das laufende Jahr bleibt schwierig. Auf ein Umsatzplus will er sich nicht festlegen. "Ich erwarte aber mindestens einen ähnlichen Umsatz wie im vergangenen Jahr." Sein Bruder Klaus bestätigt dies. So bleibt für die Youngster trotz der Vorarbeit ihrer Väter, die das Unternehmen als geschäftsführende Gesellschafter seit 1986 geführt haben, noch einiges zu tun. Julius Brinkmann, der den Bereich Vertrieb, Produktmanagement und Marketing zusammen mit Vater Klaus steuert, will das Geschäft in den USA ausbauen.

Und er setzt stark auf das Onlinegeschäft. "Das macht erst rund ein Prozent vom Umsatz aus", sagt er. Aber mit einem neuen Markenshop bei Zalando und Amazon und demnächst auch bei Otto soll das anders werden. Das gilt nicht nur für den Umsatz, sondern auch für die Rendite. Denn das "Onlinegeschäft ist noch in den roten Zahlen", wie Onkel Wolfgang erklärt.

Zum Interview mit den neuen Bugatti-Geschäftsführern Markus und Julius Brinkmann


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