Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Rechtsanwälte tun sich schwer mit dem Kanzleiverkauf

Der zunehmende Wettbewerbsdruck unter den mittlerweile 126. 000 deutschen Rechtsanwälten führt nicht nur dazu, dass die Einkommen der Advokaten signifikant sinken - auch die erzielbaren Erlöse aus einem Kanzlei- oder Sozietätsanteilsverkauf schmelzen dahin.

Der Grund: Potenzielle Erwerber schauen angesichts des immer schwieriger werdenden Beratungsgeschäftes äußerst kritisch auf die betriebswirtschaftlichen Zahlen. Zu tief sitzt die Angst, eine mehr oder weniger wertlose Kanzlei zu erwerben und dafür noch Jahrzehnte lang Bankkredite abtragen zu müssen.

Im Unterschied zu den Anwälten erzielen Steuerberater einen wesentlich höheren Kaufpreis für ihre Praxis - zwischen 100 und 200 % des Umsatzes. Der Grund: Steuerberater profitieren vor allem davon, dass der Anteil ihrer Dauermandate wesentlich höher liegt. "Anwälte haben zwar etwas zu verdienen, aber nichts zu verkaufen".

"Erfahrener Rechtsanwalt bietet Kollegen/in günstigen Einstieg in lebhafte Allgemeinkanzlei." So oder ähnlich lauten die zahlreichen Verkaufsofferten. Kein Zweifel: Die deutsche Anwaltschaft steht, wie die mittelständische Wirtschaft auch, vor einem Generationswechsel. Knapp 25 % von ihnen befinden sich laut Altersstrukturstatistik der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) im Alter zwischen 50 und 70 Jahren.

An den Kanzleiverkauf knüpfen die Kanzleiübergeber die Erwartung an eine gesicherte Altersversorgung. Doch die Hoffnung, dass das eigene Lebenswerk am Ende angemessen honoriert wird, erweist sich nicht selten als Trugschluss. "Liegen nicht besondere Umstände vor, wie etwa ein hoher Bekanntheitsgrad am Ort, dann bleibt für den Neugründer die Frage völlig offen, wann die Kanzlei kostendeckend und wann sie gewinnbringend arbeiten wird. Ein sehr schwer kalkulierbares Risiko."

Entsprechend schwer tun sich die Advokaten denn auch mit der Ermittlung eines marktgängigen Kanzleiwertes. Anwälte, die ihre Kanzlei an einen Nachfolger abgeben möchten, haben häufig die Vorstellung, sie könnten den Kaufpreis einfach anhand einer Tabelle ablesen. Der BRAK hat immerhin Leitlinien entwickelt, anhand derer der Kanzleiwert ermittelt werden kann. Allzu viel darf man von den im Jahre 1992 letztmalig aktualisierten Richtlinien allerdings nicht erwarten. Sie wurden in erster Linie für erb- und güterrechtliche Auseinandersetzungen konzipiert. Lässt sich ein Anwalt scheiden, bestellt das Gericht einen Gutachter, der den Kanzleiwert bestimmen soll, um so zum Beispiel die Höhe des Zugewinnausgleichs ausrechnen zu können. Doch Experten warnen: "Das sind keine Marktwerte. Der Markt operiert mit Umsatz."

Große Mandantenzahl ist werterhöhend

Und dieses Umsatzverfahren wird in drei Schritten ermittelt: Zu Grunde gelegt werden zunächst die Umsätze der letzten drei Jahre, wobei der letzte Jahresumsatz aus Aktualisierungsgründen doppelt anzusetzen ist. Diese Summe dividiert durch vier ergibt den Ist-Umsatz ohne Umsatzsteuer, welcher in einem zweiten Schritt um außerordentliche und personenbezogene Umsätze bereinigt wird, also etwa Vergütungen, die der Anwalt als Politiker, Schriftsteller, Referent oder Aufsichtsratsmitglied bezieht - kurzum: Einnahmen, die nichts mit der Kanzlei an sich zu tun haben oder einmalig sind.

Der eigentliche Kanzleiwert ergibt sich aber erst aus der Multiplikation des bereinigten Umsatzes mit einem Bewertungsfaktor, der laut BRAK zwischen 0,5 und 1,0 verläuft, in Ausnahmefällen auch schon einmal bei 1,5. Dieser Faktor setzt sich zusammen aus diversen positiven wie negativen Merkmalen der jeweiligen Kanzlei. Werterhöhend wirkt sich etwa aus, wenn der Umsatz von einer großen Mandantenzahl getragen wird. Auch der gute Ruf, eine günstige Lage und eine niedrige Kostenstruktur werten die Kanzlei auf. Pluspunkte können Anwälte auch mit einer rechtzeitigen Spezialisierung in einem zukunftsträchtigen Rechtsgebiet sammeln. Positiv für den Kaufpreis ist zudem ein Verkauf noch vor dem sechzigsten Lebensjahr. Doch das ist nach Einschätzung von Experten eher die Ausnahme. "Bei fortgeschrittenem Alter des Übergebers können Sie bis zu 70 Prozent Abstriche machen". Der Grund: Ist der Veräußerer zu alt, bleibt keine Zeit mehr, den Käufer bei den Mandanten einzuführen. Zudem besteht die Gefahr, dass dann auch die Mandanten selbst überaltert sind. Folge: Schon ein, zwei Jahre nach der Kanzleiübernahme brechen oft die Umsätze weg.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Wie Unternehmen durch CVC innovativer werden

    Dem Tod von der Schippe springen

    Experten rechnen damit, dass die meisten heute etablierten Firmen ihren 50. Geburtstag nicht erleben werden. Aber es gibt Abhilfe.

  • Moritz Fürste (Hockeyspieler)

    Erst Rio, dann Vollzeit

    Hockeystar Moritz Fürste über Olympia und seine Karriere im Sportmarketing. Plus: Wie die Praktikantenbörse Top-Athleten und Unternehmer zusammenbringt.

  • Darum wachsen Gazellen-Unternehmen so schnell

    Das Geheimnis der Gazellen

    Gazellenunternehmen werden Firmen genannt, die extrem schnell wachsen. Eine Studie ist ihrem Erfolgsgeheimnis auf den Grund gegangen

  • Lea-Sophie Cramer von Amorelie

    Berliner Fräuleinwunder

    Sie gilt als einer der erfolgreichsten Gründer Deutschlands, ist Business Angel und Mutter: Lea-Sophie Cramer. Ein Interview.

  • Investoren aus dem Ausland

    Die Chinesen kommen

    Kuka ist kein Einzelfall: Bei deutschen Unternehmen stehen chinesische Käufer Schlange. Doch was passiert nach der Übernahme?

  • Mentalitätswandel unter Deutschlands Firmeninhabern

    Blut ist dünner als Wasser

    Statt den eigenen Nachwuchs auf den Chefsessel zu setzen, greifen Familienunternehmen immer häufiger auf Fremdmanager zurück.

  • Franchise-Spezial

    Franchise-Spezial: Mit starken Marken unterwegs

    Wie Franchising zu einem Win-win-Konzept wird: ein Ein- und Ausblick.

  • Franchise Spezial: Partner gesucht

    Partner gesucht

    Die Zahl der Franchisegründer in Deutschland ist rückläufig. Doch jetzt gibt es einen neuen Weg, etablierte Franchisesysteme und Unternehmer in spe zusammenzubringen: die DUB-Franchisebörse.

  • Zweite Karriere für Manager

    Nach einer erfolgreichen Karriere als Angestellter suchen immer mehr Manager eine neue Herausforderung. Kaufen oder gründen – das ist hier die Frage.

  • Ikone des Franchise: Waltraud Martius

    Buchverlosung

    Franchise-Geber müssen erfolgreich expandieren und sich zugleich immer wieder selbst erfinden. Ein neues Buch zeigt, wie das geht.

  • Mittelstand erhält auch in Zukunft privilegiert Kredite

    Privilegien für den Mittelstand

    Dank einer wegweisenden Entscheidung der EU-Kommission kommen kleinere Unternehmen besonders günstig an frisches Kapital.

  • Schönste Nebensache - EM exklusiv: Zu Gast in Fußball-Frankreich

    Paris oder Nizza – Hauptsache Frankreich

    Wir haben die zehn Spielorte der Fußball-EM gecheckt: Diese Locations sollte jeder Fußball-Pilgerer gesehen haben.

  • Was Investoren bei der Bewertung von Startups beachten sollten

    Einhörnern auf der Spur

    "Unicorns“ nennt man in den USA Tech-Firmen, die auf mindestens eine Milliarde Dollar taxiert werden. So erkennen Investoren Top-Start-ups.

  • Offroader unter Strom - SUVs mit Hybridantrieb

    Offroader unter Strom - SUVs mit Hybridantrieb

    Selbst Geländewagen wie der RAV4 von Toyota werden inzwischen mit Hybridantrieb angeboten. Was taugt der Teil-Stromer?

  • GEFUNDEN! Wie eine Übernahme zum Erfolg wird

    Die lange Suche

    Sechs Jahre lang suchte der Chef des fränkischen Mittelständlers N.K.G. Sondermaschinenbau einen Nachfolger. Hier ist seine Geschichte.

  • Redakteur Eike Benn (li.) mit Dr. Christian Reitwiessner (re.) von Ethereum

    Blockchain-Revolution

    Blockchain heißt die Technik, die hinter der digitalen Währung Bitcoin steckt und von Banken gefürchtet wird. Hat sie das Zeug zu einer Revolution?

  • Starke Konjunktur lässt Zahl der geschlossenen Firmen sinken

    Die Zahl insolventer Firmen geht in Deutschland immer weiter zurück. Die florierende Wirtschaft dämpft aber zugleich auch das Gründungsgeschehen.

  • Hört die Signale

    Das zweite Maschinenzeitalter

    Roboter und künstliche Intelligenz werden Arbeit und Gesellschaft nachhaltig verändern. Unternehmer müssen sich anpassen – zehn Tipps für die Transformation.

  • Führt Digitalisierung zum Generationenkonflikt in der Nachfolge?

    Selbstbewusste Nachfolger

    Eine neue Studie zeigt, wie die Chefs von morgen ticken: Die Nachfolger sind selbstbewusst und scheuen keinen Konflikt.

  • Schlagartig kreativ - Drums als Energiequelle für Mitarbeiter

    Trommeln für’s Gehirn

    Früher jubelten Rainer Schumann und seiner Band „Fury In The Slaughterhouse“ die Massen zu. Heute weckt der Schlagzeuger die Kreativität von Unternehmern.

  • Digitale Fitness - Möglichkeiten und Stolpersteine der Krankenkasse 4.0

    Krankenkassen in der Zwickmühle

    Kunden fordern digitale Angebote. Zugleich müssen ihre Daten geschützt werden. Wie die Techniker Krankenkasse die Herausforderung annimmt.

  • Aus zwei Welten

    Fintechs versus Banken

    In der Welt der Finanzdienstleister ist der Wettbewerb durch die Digitalisierung härter geworden. Was die Geldhäuser von den Startups lernen können.

  • Comeback versus Ruhestand - Fondsmanager: Schmecken die Rezepte der Altstars noch?

    Die (Ex-)Stars der Finanzbranche

    Sie bewegten Milliarden, waren jahrelang die Stars der Branche. Doch dann stürzten einige Fondsmanager. Gelingt ihnen nun ein Comeback?

  • Gerlinde Baumer - Partnerin der omegaconsulting GmbH

    Der Faktor Mensch

    Bei der Unternehmensnachfolge spielen nicht nur Zahlen eine Rolle, sondern auch der Faktor Mensch. Drei Beispiele zeigen, worauf es ankommt.

  • Finanzierung ohne Bank

    Roadshow im Rückspiegel

    Die Roadshow „Innovative Finanzierungslösungen für mittelständische Unternehmen“ war ein voller Erfolg. Ein Rückblick.

  • Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen

    Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen

    Im Flugsimulator einer Boeing 737 erfahren Führungskräfte, warum Selbstwahrnehmung ebenso wichtig ist, wie klare Aussagen zu treffen und Fehler zugeben zu können.

  • Den Unternehmensverkauf gut planen

    Den Unternehmensverkauf gut planen und richtig umsetzen

    Es ist unter Unternehmern allgemein bekannt, dass zwischen 2014 und 2018 in Deutschland ca. 80.000 – 120.000 Unternehmen zum Verkauf stehen, meist aufgrund einer nicht vorhandenen Unternehmensnachfolge.

  • Den Erfolg atmen -  Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik

    Den Erfolg atmen - Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik

    Meditation entspannt und stärkt das Selbsbewusstsein. Wer sie konsequent praktiziert, kann Berge versetzen – sagt Meditationslehrer Sri Sri Ravi Shankar. Seine Erfolge sprechen für sich.

  • Pickawood Crowdinvesting

    Was wurde eigentlich aus ...

    ... Pickawood? Vor einem Jahr sammelte der Online-Möbelshop 250.000 Euro über die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de ein. Heute zählt es zu den wachstumsstärksten Startups Europas.

  • Endlich Spaß - So hilft Outfittery Männern beim Shoppen

    Hier shoppt Mann gern

    Klamotten zu kaufen macht Männern so viel Spaß wie die Toilette zu putzen. Im Schnitt tun sie es nur zwei Mal pro Jahr. Doch es gibt Abhilfe: Curated Shopping.

Autor




Copyright © 2013-16 Handelsblatt

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick