Kanzleiverkauf – Gewinn steuerbegünstigt oder nicht?

Der Gewinn aus dem Verkauf der Kanzlei führt zu steuerpflichtigen Einkünften aus selbständiger Arbeit gem. § 18 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Und das in dem Jahr, in dem die Übertragung stattfand. Ob der Kaufpreis erst später oder in Raten fließt, spielt keine Rolle. Eine Übertragung zu Jahresbeginn kann aber durchaus sinnvoll sein. Denn der Gewinn wäre dann erst knapp ein Jahr später zu versteuern. Im Übrigen ist der Verkauf im Ganzen als Geschäftsveräußerung umsatzsteuerfrei, wenn der Erwerber die Kanzlei fortführt.

An mögliche Tarifbegünstigung denken

Der Verkäufer einer Einzelkanzlei kann außerdem die Tarifbegünstigung gem. § 34 Abs. 3 EStG beantragen, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen: Der Veräußerer hat im Übertragungszeitpunkt das 55. Lebensjahr vollendet oder gilt sozialversicherungsrechtlich als dauernd berufsunfähig. Der ermäßigte Steuersatz beträgt dann 56 Prozent des durchschnittlichen Steuersatzes, der sich ergäbe, wenn die tarifliche Einkommensteuer nach dem gesamten zu versteuernden Einkommen zuzüglich der dem Progressionsvorbehalt unterliegenden Einkünfte zu bemessen wäre, mindestens aber 14 Prozent und bis zu einem Höchstbetrag von fünf Millionen Euro. Die Nutzung der Tarifbegünstigung ist nur einmal im Leben möglich.

Anforderungen bei Verkauf einer von mehreren Kanzleien

Beim Verkauf einer von mehreren Kanzleien setzt der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil v. 26.06.2012 - VIII R 22/09) außerdem Folgendes voraus: Die Teilkanzlei muss organisatorisch geschlossen sein. In ihr muss eine gewisse Selbständigkeit gegenüber dem Gesamtbetrieb herrschen. Und nicht zuletzt muss der Teilbetrieb alle Merkmale eines Betriebs im Sinne des EStG aufweisen und allein lebensfähig sein. Da bei Freiberuflern die persönliche Leistung im Vordergrund steht, muss die Teilkanzlei bei gleichartiger Tätigkeit örtlich wie organisatorisch von anderen Bereichen getrennt sein. Den Mandantenstamm aufzuteilen, reicht daher nicht. Eine Ausnahme von der örtlichen Trennung ist laut BFH allenfalls möglich, wenn die bei Erwerb eines Büros vorhandene Selbständigkeit zu anderen Büros bis zur Veräußerung in personeller und organisatorischer Hinsicht wesentlich beibehalten wurde. Der Mandantenstamm muss historisch gewachsen sein. Eine veränderte Bezeichnung schadet wie die Nutzung freier Kapazitäten für die Bearbeitung anderer Mandate hingegen nicht. Sollte der Veräußerer Mandate für die verbleibenden Kanzleien beibehalten, dürften diese nicht mehr als 10 Prozent des ursprünglichen Mandantenstamms betragen.

Fünftelregelung bei ausgeschlossener Tarifermäßigung

Wem die Tarifbegünstigung danach versagt ist, kann zumindest die Fünftelregelung nach § 34 Abs. 1 EStG in Anspruch nehmen. Dadurch ergeben sich Vorteile bei der Steuerprogression. Insbesondere dann, wenn die Einkünfte in den kommenden fünf Jahren niedriger sind. Auch das spricht im Übrigen für eine Übertragung im Jahr nach Aufgabe der Berufstätigkeit.

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Christian Günther ist Redakteur in der Juristischen Redaktion von steuerberater.net

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