Was Investoren bei der Bewertung von Startups beachten sollten

Welches Startup lohnt den Einstieg, welches nicht? Die Perlen aus dem Meer der neuen Unternehmen herauszufischen, ist äußerst schwierig. Immerhin existieren einige Kriterien und Methoden.

Was ist ein Startup wert? Nur 'n Appel und 'n Ei – oder doch mehr? Jeden Dienstagabend stellen in der Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ Gründer ihre Firmen einer strengen Jury vor. Häufig bekommen die Jung-Entrepreneure geharnischte Kommentare der Experten zu hören.

Während das TV-Spektakel das Thema einer breiten Bevölkerungsgruppe möglichst einfach darstellen will, stellt sich im Alltag immer wieder die Frage, wie Startups mit nachvollziehbaren Kriterien bewertet werden können. Immerhin hat sich das Bewertungsniveau dieser Firmen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Allein in den USA stieg es im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent, wie eine Studie der Marktforschungsfirma Pitchbook ergab. Aber auch in Deutschland gibt es für den Trend genug Beispiele. Der Kochbox-Versender HelloFresh, erst drei Jahre alt, wird trotz hoher Verluste derzeit mit 2,6 Milliarden Euro bewertet.

Die Bewertung der jungen Firmen ist alles andere als einfach für die Investoren. Die Unsicherheit ist hoch, nicht zuletzt aufgrund der jungen Firmenhistorie und der damit mangelnden Vorausschau. Die Ausfallwahrscheinlichkeit von Startups ist deshalb hoch. Einer KPMG-Studie zufolge existieren im siebten Jahr nach der Gründung nur noch rund 30 bis 40 Prozent aller Jungunternehmen. Um also auf das richtige Pferd zu setzen, prüfen Profis anhand bestimmter Merkmale das Unternehmen.

  1. Ruf des Gründers/der Gründer: Wenn derjenige oder diejenigen zuvor schon ein Startup gründet und erfolgreich entwickelt haben, lässt das die Bewertung steigen.
  2. Umsatz: Wenn das Startup Erlöse vorzuweisen hat, dann hat das positiven Einfluss auf die Bewertung. Gerade bei Online-Shops, Hardware-Produkten oder Apps mit existierendem Geschäftsmodell steigt die Unternehmensbewertung proportional zur Höhe der Umsätze.
  3. Branchenumfeld: Wenn bestimmte Segmente, wie etwa Cloud-Computing, erfolgreich sind, dann haben die neuen Startups auch größere Erfolgschancen. Das liegt daran, dass in diesem Segment schon Venture-Capital-Firmen investiert haben und erfolgreich ausgestiegen sind.
  4. Innovationslevel des Produkts: Investoren fragen sich unter anderem, wie neuartig das Produkt, etwa eine App, ist. Sie hinterfragen auch das Alleinstellungsmerkmal und prüfen inwieweit das Produkt leicht nachgemacht werden kann.
  5. Nachfrage durch die Zielgruppe: Wenn das Produkt schon auf dem Markt ist, kommt hinzu: Wie wird es von der anvisierten Zielgruppe nachgefragt? Wie viele Nutzer gibt es derzeit, wie viele kommen jeden Monat hinzu? Je höher die Wachstumsraten, desto höher die Bewertung.

Sind diese Kriterien abgeprüft, geht es an die Detailarbeit. Zu den bekanntesten klassischen Bewertungsmethoden zählen die Discounted Cashflow-Methode (DCF) sowie die Venture-Capital-Methode.

Bei der DCF werden die Cash-Flows des Unternehmens prognostiziert und anschließend auf den Gegenwartszeitpunkt diskontiert. Entscheidend für das Ergebnis sind also die erwarteten Erträge der Firma sowie das erwartete Ausfallrisiko. Basis für die Vorausschau der Cash-Flows ist ein Modell, das auf den wichtigsten Werttreibern der Branche basiert. Entsprechend der prognostizierten Entwicklung dieser Werttreiber wird die Unternehmensplanrechnung des Startups abgeleitet. Diese bildet dann die Basis für die Cash-Flow-Berechnung. Der Zeiteffekt wird bei der nachfolgenden Diskontierung durch die Verwendung eines risikoadäquaten Zinssatzes (sogenannte Diskontierungsrate) berücksichtigt.

Anders die Venture-Capital-Methode. Ausgangspunkt der Rechnung ist das Liquiditätsergebnis beim geplanten Exit aus Sicht des Kapitalgebers. Hierbei wird der Unternehmenswert zurückgerechnet aus dem geplanten Exit-Erlös beim Verkauf oder Börsengang und der vom Kapitalgeber erwarteten Rendite zwischen dem Zeitpunkt des Einstiegs und dem Verkauf.

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