Tech-Szene sucht Trends

Internet-Pionier Bob Metcalfe blickt beim Festival SXSW nach vorn.


Schwungvoll öffnet der groß gewachsene Mann die Tür des Hippie-Cafés "Hideout".  In den einfachen Jeans und dem roten Baumwollhemd sieht Bob Metcalfe nicht gerade wie ein Milliardär und Absolvent der feinen Elite-Universitäten MIT und Harvard aus. Aber die demonstrierte Lässigkeit ist Markenzeichen der Tech-Branche.

Metcalfe erfand in den 70er-Jahren die entscheidenden Technologien, auf die der Silicon-Valley-Boom fußt. Nebenher wirkte er als Investor und gab die PC-Zeitung "InfoWorld" heraus. Damit ist er der wohl einflussreichste Einwohner der Tech-Stadt Austin, die derzeit von Geeks, Künstlern und Programmieren aus aller Welt besucht wird.

Wie jedes Jahr geht es auch dieses Mal beim Festival "South by Southwest"(SXSW) um neue Fragen der Kommunikation. Experten und Laien sprechen über vernetzte Autos, 3D-Drucker, Fitnessarmbänder und neue Dienste. Immer reden sie damit über die Interaktion zwischen Mensch und Maschine, für die Metcalfe einst die Basis schuf.

Noch als Student erfand der Ingenieur eine neuartige Übertragungstechnik, aus der später ein einheitliches Protokoll für die Kommunikation im Internet wurde.  Die Grundlagen für die als Ethernet bekannte Technologie legte er 1973 in Palo Alto. Mit den Produkten seiner Firma 3Com, die Computerkomponenten herstellt, wurde der aus einfachen Verhältnissen stammende Metcalfe zum Milliardär.

Die Geschichte von Silicon Valley, sagt er, könne man auch erzählen als eine Geschichte der Kommunikation. "Als ich mit meiner Arbeit begann, waren viele Personen mit einem einzigen Computer verbunden", sagt der Entwickler. Alte Fotos aus den Unternehmen Xerox oder Hewlett Packard zeigen raumfüllende Arbeitsrechner - kein Vergleich zu den schmalen Laptops, vor denen wir heute sitzen. "Apple erfand den Heimcomputer. Nun kommuniziert nur noch eine Person pro Computer. Ein Mensch kommuniziert heute über das Internet mit Tausenden von Computern".

Metcalfe erinnert sich noch gut daran, als ihn das erste Mal Steve Jobs anrief und in die Zentrale eines Unternehmens namens Apple lud. "Ich hatte weder von dem einen noch von dem anderen jemals etwas gehört", erinnert er sich. Kurz sieht der Pionier traurig aus. Er entschied sich damals gegen die Arbeit mit Jobs und gründete lieber 3Com. Aber er und der verstorbene Visionär blieben enge Freunde. Jobs war Gast bei Metcalfes Hochzeit.

Bis heute tauscht er sich mit den Machern im Valley aus, vor allem mit John Doerr, Partner der einflussreichen Geldgeber von Kleiner Perkins oder Elon Musk, den er für den derzeit wichtigsten Tech-Unternehmer hält. Aufmerksam verfolgt Metcalfe den Kampf von Apple, Google und Tesla um die Vorherrschaft hinter dem Steuer. "Autonome Fahrzeuge werden den Automarkt grundlegend revolutionieren", sagt er. Er ist überzeugt, dass Apple versucht habe, Musks FirmaTesla zu kaufen. Der 68-Jährige grinst. "Aber Elons Preis war wohl zu hoch."

Neben dem vernetzten Auto blickt das Festival SXSW schon der nächsten Revolution in Sachen Interaktion von Mensch und Maschine entgegen. Im "Internet der Dinge" werden sehr bald auch bisher analoge Geräte mit Computern kommunizieren. Industrie 4.0 - die intelligente Vernetzung von Produktentwicklung, Produktion, Logistik und Kunden - wird die Wirtschaft völlig umkrempeln. In den Firmen von morgen sollen vernetzte Maschinen selbst Nachschub bestellen, Wartungstechniker herbeirufen oder vor Sicherheitsproblemen in der eigenen Technik warnen. "Wem es gelingt, die Standardsprache zu entwickeln, mit der die Computer im Internet der Dinge kommunizieren, dem winkt ein Milliardengeschäft", sagt Metcalfe.

Auch der menschliche Körper wird zu einer digitalen Größe. Mit Fitnessarmbändern oder der neuen Apple Watch können Kunden sogar selbst sensible Daten wie Herzschlag oder Puls erheben und in der Cloud hochladen. "Unser Körper wird bald auch nur einer der vielen Millionen Punkte in dem großen digitalen Netzwerk sein, das unsere Welt umgibt", so der Web-Pionier.

Er lehrt als Professor an der University of Texas zu Technologie und Firmengründungen - bricht aber auch zu einem ganz neuen Abenteuer auf: Gemeinsam mit Ehefrau Robyn hat er sich zu einem Marathon angemeldet. Sein Ziel: "Ankommen und nicht sterben", sagt er und zwinkert.

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