Studie "Heatmap Europe"

Lissabon, Warschau, Zürich besser als ihr Ruf, Birmingham, Manchester, Mailand schlechter als ihr Ruf

Was ist Gründern bei Ansiedlungen an einem Standort wichtig? Und wie mobil sind Startup-Entrepreneure überhaupt? Diese und andere Fragen hat die Studie „Heatmap Europe“ gestellt – und teils überraschende Antworten bekommen.

Berlin ist bei Gründern als Standort beliebt - genau wie London und Amsterdam

Eigentlich sollte das allseits bekannt sein: Der Mensch ist der wichtigste Faktor für den Geschäftserfolg von Firmen. Das gilt auch für Startups – das hat jetzt eine groß angelegte Studie „Heatmap Europe“ der European Startup Initiative (esi) unter 700 Gründern in ganz Europa bestätigt. Entscheidende Voraussetzung für die Ansiedlung an einem bestimmten Standort, so ein Ergebnis der Untersuchung, ist die Verfügbarkeit von passenden Mitarbeitern.

71 Prozent der Entrepreneure nannten den Zugang zu Talenten als wichtigstes Ansiedlungskriterium, dahinter folgten Faktoren wie unternehmerisches Umfeld (69 Prozent), Kosten (51 Prozent) und Zugang zu Kapital (44 Prozent). Die Studie bestätigt damit frühere Untersuchungen, wie etwa eine der Unternehmensberatung PwC aus 2015. Der wichtigste Erfolgsfaktor generell sei für 36 Prozent der Startup-Unternehmen der Faktor Personal, hieß es dort. Dahinter folgten die Geschäftsidee mit Wachstumspotenzial (29 Prozent) und eine klare Vision und Strategie (22 Prozent).

Nicht nur die Unternehmensgründer wissen die große Relevanz ihrer Mitarbeiter zu schätzen, die große Bedeutung der Gründer für das Unternehmen wird wiederrum von vielen Investoren geschätzt. Weitsichtige Eigner, die den Gründer Anteile abkaufen, halten sich von dem operativen Geschäft entfernt und lassen die Gründer auf ihren Positionen.

Zurück der Startup-Studie. Viele Gründer zögern nicht, dahin zu gehen, wo für sie die passenden Bedingungen sind. Das zeigt ein weiteres Ergebnis der Studie. 23 Prozent der befragten Unternehmer haben ihr Startup außerhalb ihres Herkunftslandes gegründet. Damit ist die Mobilität der Gründer über die eigenen Landesgrenzen hinweg fünfmal höher als beim Durchschnitt der EU-Bewohner.

Abgefragt hat die Untersuchung, was die attraktivsten europäischen Standorte für eine Startup-Gründung sind. Das Ergebnis: Berlin, London und Amsterdam. Das passt zum aktuellen Startup-Barometer der Unternehmensberatung EY. Denn Berliner Startups haben 2015 insgesamt 2,14 Milliarden Euro eingesammelt, für London kommen die Marktbeobachter auf 1,77 Milliarden Investitionssumme.

Dafür hat „Heatmap Europe“ noch hinterfragt, ob es Unterschiede in den Städten zwischen der Präsenz in den Medien und der Wahrnehmung der Gründer gibt. Tatsächlich offenbarten sich teils deutliche Unterschiede: Während Städte wie Lissabon Tallinn, Warschau oder Zürich von Gründern deutlich besser bewertet wurden als ihre mediale Präsenz nahelegt, stehen Standorte wie Birmingham, Manchester oder Mailand im Urteil der Gründer schlechter da als in den Medien.

Die Befragung fand vor dem Brexit-Votum in Großbritannien statt. Die nächste Befragungsrunde ist für November dieses Jahres vorgesehen.

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