Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Schnelles Geld vom Schwarm

Das Interesse von Unternehmen an Kreditplattformen im Internet wächst.

Das Interesse von Unternehmen an Kreditplattformen im Internet wächst.

Michael Volk verkauft Ställe und Futter für Wachteln, Eierschachteln, Etiketten und Mittel zur Milbenbekämpfung. Vor zwei Jahren entschied sich der Kleinunternehmer, der vier Mitarbeiter beschäftigt, neben seinem Ladengeschäft in Obersulm einen Onlineshop zu eröffnen. Dafür und für eine neue Brutanlage benötigte er über 10 000 Euro. Zu seiner Hausbank wollte Volk nicht gehen, weil die "viele Fragen und tausend Unterlagen" hätte haben wollen, wie er sagt. Er suchte im Internet nach einer Möglichkeit, ein günstiges Darlehen zu bekommen - und wurde fündig auf dem Portal Auxmoney. Der Online-Kreditmarktplatz richtet sich an Privatpersonen, Freiberufler und Unternehmer, die auf der Suche sind nach Kapital.

Volk erklärte auf dem Portal sein Investitionsprojekt, seinen Kreditwunsch, gab eine Zinszusage und schickte Auxmoney eine Selbstauskunft. Nach drei Tagen hatte er die Zusage. 115 Privatanleger boten ihm Summen zwischen 50 und 1 000 Euro an. Die Konditionen: Laufzeit 48 Monate, dreizehn Prozent Zinsen per anno.

"Ich hatte Sorge, nicht genügend Geldgeber zu finden", begründet Volk den hohen Zinssatz. "Heute würde ich die Summe für fünf oder sechs Prozent zusammenbekommen." Der Unternehmer hat seinen Gläubigern bisher alle Raten pünktlich gezahlt. Über seinen Wachtel-Shop wickelt er monatlich mehr als 1 500 Bestellungen von Züchtern aus ganz Deutschland ab. Der Finanzierungserfolg über Auxmoney habe ihn in seinem Konzept bestärkt und ihm "unternehmerische Sicherheit" gegeben, sagt Volk.

So mancher Unternehmer nutzt neben oder statt seiner Hausbank bereits Online-Kreditplattformen. Dazu zählen neben Auxmoney Anbieter wie Smava und Lendico & Zencap. Sie alle bieten eine Variante des Crowdfundings, also des Einsammelns von Geldern über die Internetgemeinde, an: das Crowdlending.

"Wir sind ein Marktplatz, bei dem sich Kreditnehmer und Anleger auf Augenhöhe treffen", erläutert Raffael Johnen, Mitgründer und CEO von Auxmoney. Über 100 Millionen Euro Kredite hat die Plattform seinen Angaben zufolge bereits vermittelt. Geldgeber können schon ab 25 Euro einsteigen. Ihr Vorteil: Sie erhalten eine höhere Rendite als etwa bei Bankanlagen.

Altruistisch sind die Betreiber der Marktplätze jedoch nicht: Für die Vermittlung über Auxmoney zahlt der Kreditnehmer 2,95 Prozent der Gesamtsumme - unabhängig von der Laufzeit. Dadurch wird die Finanzierung vergleichsweise teuer. Doch privates Kapital hat für Einzelunternehmer und kleine und mittlere Betriebe einen großen Vorteil: Sie müssen ihren Geldgebern keine Sicherheiten stellen. Selbstauskunft und Schufa-Bericht werden von den meisten Vermittlern zwar erwartet, aber entscheidend ist die Fähigkeit, den Kapitaldienst zu leisten.

Ein Drittel der von Auxmoney vermittelten Kredite geht an Unternehmer, Freiberufler oder Selbstständige. Die durchschnittliche Kredithöhe liegt bei 7 000 Euro. Momentan liegt der durchschnittliche Kreditzins bei 9,65 Prozent, die Rendite für Anleger bei 6,7 Prozent.

Nach Ansicht von Unternehmensberater Christopher Runge in Berlin sollten Unternehmer nicht "zu schnell zu viele Details auf Kreditmarktplätzen preisgeben". Schließlich würden ihr Geschäftsmodell und ihre finanzielle Situation hier öffentlich gemacht. Das könne Geschäftspartner und Kunden abschrecken.

Eine andere Form des Crowdfundings ist das Crowdinvesting. Dabei erhält der Geldgeber Unternehmensanteile eines Start-ups. Auch hier wächst der Markt rasant: Im ersten Halbjahr 2014 haben Initiatoren allein über größere deutsche Crowdinvesting-Portale wie Companisto, Seedmatch und Innovestment 8,2 Millionen Euro eingesammelt - so wie das junge Unternehmen Refined Investment, das selbst im Onlinegeschäft aktiv ist. Die Geschäftsidee der Berliner: eine Onlineplattform, auf der Privatanleger mithilfe von automatisierten Handelssystemen an der Börse investieren.

Die drei Gründer Marius Schulze, Robert und Stephan Henker entschieden sich für Geld aus dem Schwarm, weil es schnell gehen sollte. "Die Technik für unsere Website musste aufwendig entwickelt werden. Während dieser Zeit konnten wir kein Geld verdienen", erinnert sich Henker. Nach gründlicher Vorbereitung ging ihr Erklärvideo Ende 2012 bei Seedmatch online. Innerhalb von 52 Minuten sammelte Refined Investment 100 000 Euro ein. Das war Deutschlandrekord. 2013 bekamen die Jungunternehmer für die Anschlussfinanzierung auf dem gleichen Web-Marktplatz 350 000 Euro innerhalb von neun Stunden. "Die Crowd hatte verstanden, wie viel Potenzial unsere Geschäftsidee hat", so Henker.

Doch das Geld allein, das Refined Investment vergleichsweise schnell und einfach über die Onlineplattform zusammenbekommen hat, sei nicht entscheidend gewesen: "Durch das Crowdinvesting haben wir zahlreiche Unterstützer und Multiplikatoren gewonnen. Ein wichtiger Werbeeffekt", so der Refined-Gründer.  Drei Jahre nach dem Start ist das Unternehmen operativ profitabel und mit 25 000 Transaktionen und 100 Millionen Euro Handelsvolumen pro Monat eine der größten deutschen Plattformen für Onlinetrading.

 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten

Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Erfolg ist Verhandlungssache

    Zehnmal täglich verhandeln Führungskräfte im Schnitt. Wie gut sie sich in den Gesprächen durchsetzen, wird auch durch ihre Taktik bestimmt. Der Erfolg beginnt schon mit der Vorbereitung.

  • Geld auf breiter Basis

    Crowdfinanzierungen machen als alternative Kapitalquelle von sich reden. Der Markt ist zwar klein, doch mehr als eine Schwärmerei.

  • Kühler Kopf beim Turnaround

    Wenn die Kosten steigen, der Absatz stockt und der Umsatz sinkt, darf das Management keine Zeit verlieren. Wie mittelständische Unternehmen Restrukturierungen am besten angehen.

  • Auf der sicheren Seite

    Die 17 deutschen Bürgschaftsbanken sind private Förderinstitute, die mittelständischen Unternehmen den Weg zu mehr Kapital ebnen.

  • Erfolg beginnt im Kopf

    Was verbindet Mark Zuckerberg und Wickie den Wikinger? Ihr Erfolg beginnt im Kopf. Der eine erdachte Facebook, der andere hilft seinen Freunden mit klugen Einfällen. Die Idee ist die Basis für erfolgreiches ...

  • Großprojekte im Fokus

    Projektinvestitionen sind oft Meilensteine bei der Erreichung strategischer Ziele. Häufig gehen damit hohe Risiken einher, die besonderer Aufmerksamkeit von Management und Aufsichtsrat bedürfen.

  • Vorbildliche Führung

    Ottmar Hitzfeld erklärt auf dem zweiten DUB UNTERNEHMER-Dinner, wie er Teams erfolgreich führt und wie er lernen musste, Druck zu managen.

  • Halterhaftung für den Fuhrpark

    Halterhaftung für den Fuhrpark birgt für den Verantwortlichen ein erhebliches Haftungsrisiko, das sich besonders offenbart, wenn es um die Haftungsverteilung nach einem Verkehrsunfall geht.

  • Das Geheimnis der Gewinnmaschinen

    Anlegern gelingt es nur sehr schwer - viele Unternehmen, auch deutsche, schaffen es aber Jahr für Jahr. Sie streichen Renditen von 25 und mehr Prozent ein.

  • Führen mit Stil

    Über Managementprinzipien und E-Commerce-Wandel diskutierten Otto-Vize-Chef Dr. Rainer Hillebrand und Ebay-Deutschland-Lenker Dr. Stephan Zoll auf dem ersten Hamburger Unternehmer-Dinner von EO und DUB.

  • Können Unternehmer ein Privatleben haben?

    Führungskräftetrainer und Effizienzexperten engagieren sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch vielbeschäftigte Unternehmer finden dieses Ziel oft unrealistisch.

  • „Wichtig war, nie abzuheben“

    „Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“ – unter diesem Titel ist eine Biografie über Professor Dr. Reinfried Pohl, den Gründer der Deutschen Vermögensberatung AG, erschienen. DUB UNTERNEHMER sprach mit ihm über ...

  • Passion für Pferde

    In dieser Serie berichten Unternehmerpersönlichkeiten davon, welchen Leidenschaften sie in ihrer Freizeit nachgehen. Den Auftakt macht Albert Darboven, Vorstandsvorsitzender und Inhaber des ...

  • Rendite – eine Standortfrage

    Deutschland ist im Immobilienfieber, auch bei Unternehmern. Beliebt sind nach wie vor A-Standorte wie München oder Frankfurt am Main – doch sind sie auch lohnenswert?

  • China Inside

    Reisen, lernen, netzwerken – Ende Mai wird eine „Handelsblatt“-Reisedelegation Kurs gen China nehmen, um das Reich der Mitte zu erkunden. Fünf Unternehmerinnen und Unternehmer erzählen, warum sie mit an Bord ...

  • Stolpersteine für Fremdmanager in Familienfirmen

    Der eine gibt zu viel Geld aus, der andere geht zu selten durch die Produktion: Manager, die neu in ein Familienunternehmen kommen, haben es nicht immer leicht.Dabei haben die Außenseiter einen entscheidenden ...

  • „Man kann nicht alle Cyber-Angriffe verhindern“

    Cybercrime-Experte Marco Gercke über Strategien der Prävention, die Verantwortung der Vorstände und was man aus simulierten Attacken lernen kann.

  • Immer etwas mehr tun

    - sprich besser, fleißiger, erfolgreicher sein -, so das Credo von Professor Dr. Reinfried Pohl. Der 85-Jährige führt die DVAG, den größten eigenständigen Finanzvertrieb Deutschlands, seit fast vier ...

  • Bewertung von GmbH-Anteilen zu Verkehrswerten unter steuerlichen Prämissen

    Während bis zum Jahr 2008 GmbH-Anteile für die vorgenannten steuerlichen Zwecke mit dem Stuttgarter Verfahren bewertet wurden, gelten seit dem ersten Januar 2009 andere Regeln.

  • Öko-Vorbild

    Claus Hipp leitet in dritter Generation den Säuglingsnahrungshersteller Hipp. Er führt die begründete Tradition der nachhaltigen Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln fort.

  • Was verdienen Vorstände?

    Aktionäre fordern heute maximale Transparenz über die Corporate Governance des Unternehmens. Dies gilt auch für die Vergütung der Vorstände.

  • Inhaber als Wachstumsbremse

    Wenn in Familienunternehmen nur einer das Sagen hat oder aber viel zu viele mitmischen, wachsen die Firmen langsamer.Dass dies nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, zeigt eine exklusive Studie, die dem ...

  • Einfacher, billiger, leichter

    Chinesische Firmen erobern den Maschinenbau. Die deutsche Vorzeigebranche ist alarmiert.

  • "Wir können zuhören"

    Die Hamburger Volksbank wurde in einer Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft zu Hamburgs mittelstandsfreundlichster Bank gekürt.

  • Herausforderung Reporting

    Flexibler, schneller, transparenter – das Berichtswesen leistet heute mehr denn je einen wichtigen Beitrag zur Unternehmenssteuerung. Dazu bedarf es zuverlässiger Daten.

  • Wenn die Auslandsexpansion scheitert

    Wal-Mart zieht sich aus Deutschland zurück, Thyssen-Krupp kehrt Brasilien den Rücken und MyParfum macht eine Bruchlandung in den USA. Woran Auslandsgeschäfte scheitern – und warum manchmal Bescheidenheit ...

  • Chefs auf Zeit

    Die meisten Aufträge erreichen sie aus der Automobilbranche sowie vom Maschinen- und Anlagenbau. Auf Interim-Manager greifen immer mehr Unternehmen zurück. Dennoch gibt es weiterhin Skeptiker.

  • Runter vom Sockel

    Mehr und mehr Führungskräfte von Unternehmen warten nicht mehr, bis die Mitarbeiter kommen, sondern gehen direkt zu ihnen. Aber zu viel Nähe der Chefs ist riskant

  • Automatisch unter Kontrolle

    Die Automatisierung interner Kontrollen kann die Effizienz und Effektivität von Überwachungssystemen entscheidend erhöhen. In der Praxis wird dieses Potenzial selten genutzt.

  • Verstecken nützt nichts

    Viele Unternehmer haben die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf die einheitlichen europäischen Formate noch nicht in Angriff genommen. Dabei wird es höchste Zeit.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick