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Mehr Geld für Gründer

In ihrem neuen Buch "Reichtum ohne Gier" schlägt Die-Linke-Chefin Sahra Wagenknecht staatliche Finanzspritzen für junge Unternehmen vor.


Sahra Wagenknecht ist seit 2015 Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: An wen richtet sich Ihr Buch? Und was möchten Sie damit erreichen – einen Aufruhr in der Mittelschicht oder ein Umdenken bei den Besserverdienern?
Sahra Wagenknecht:
Das Buch richtet sich an jeden, der das Gefühl hat, dass es so nicht weitergehen kann. Und das sind viele, wie ich aus Gesprächen weiß. Menschen, die in prekären Arbeitssituationen stecken, die Angst haben, ihre Miete nicht zahlen zu können. Aber auch viele Unternehmer und Selbständige möchten nicht in einer Gesellschaft leben, in der die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird und suchen nach Lösungen.

Sie betonen im Buch die Unterscheidung zwischen Kapitalisten und Unternehmern, wie sie der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter formuliert hat. Wo ziehen Sie die Grenze?
Wagenknecht:
Ich teile Schumpeters Überzeugung. Unternehmer bauen ein Unternehmen auf, von ihrer Power lebt die Firma. Kapitalisten hingegen sehen Unternehmen als Anlageobjekt, aus dem sie Rendite ziehen können. Sie profitieren von der Arbeit der anderen, während sie selbst keine Funktion im Unternehmen haben. Wirtschaft braucht keine Kapitalisten, aber sehr wohl engagierte Unternehmer.

Wie soll Wirtschaft ohne Kapital funktionieren?
Wagenknecht:
Junge Unternehmen brauchen natürlich zu Anfang Startkapital, was sie sich meist extern beschaffen. Später findet die Eigenkapitalbildung hauptsächlich intern statt – sie ist das Ergebnis der Arbeit der Belegschaft und der Geschäftsführung. Da braucht es dann eher Fremdkapital und also ordentliche Banken, die sich als Diener der Realwirtschaft verstehen. Dass externe Startkapitalgeber trotz begrenzter Haftung unbegrenzt von Zuwächsen profitieren, finde ich falsch. Logisch wäre es, dass für das höhere Risiko zwar ein höherer Zinssatz gilt, aber dass die Ansprüche irgendwann abgegolten sind. Um jedem fähigen Kopf eine Unternehmensgründung zu ermöglichen, schlage ich einen großen öffentlichen Wagniskapitalfonds vor, der aussichtsreiche Unternehmen fördert.

Sie sprechen von einer Art öffentlichem Crowdfunding?
Wagenknecht:
Ja, es wäre öffentliches Geld. Beim Crowdfunding in seiner jetzigen Form ist das Risiko hoch, daher findet nicht jede unterstützenswerte Idee auch Geldgeber. Ich würde parallel dazu die staatliche Finanzierung ausbauen. In den USA zum Beispiel ist ihr Anteil sehr viel größer. Viele Innovationen von dort, die sehr bejubelt werden, waren zu Anfang staatlich finanziert – selbst bei großen Unternehmen wie Google und Apple. Allerdings sollte bei staatlicher Finanzierung auch die Allgemeinheit von den Erträgen eines Unternehmens profitieren.

1. Teil: Mehr Geld für Gründer

2. Teil: "Digitalisierung erzeugt starken Trend zum Monopol"

3. Teil: "Manche Bereiche eignen sich nicht für renditeorientiertes Wirtschaften"

4. Teil: "Wohlstand sollte nicht davon abhängen, ob man in eine arme oder reiche Familie geboren wurde"

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