„Innovation bedeutet, neue Wege der Wertschöpfung zu schaffen“

Peter Thiel im Gespräch.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie gelten als Investorenlegende.Woran erkennen Sie das Potenzial eines Start-ups?

Peter Thiel: Jedes erfolgreiche Start-up ist einzigartig. Das klingt banal, aber es ist eine unterbewertete Wahrheit. Start-ups mit großem Potenzial haben nicht zwingend das gleiche Set von Eigenschaften. Doch jedes junge Unternehmen sollte erklären können, welches wichtige Problem es löst, das niemand sonst löst.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Ihrem Buch „Zero To One“ sagen Sie: „Wenn Sie erfolgreiche Menschen kopieren, lernen Sie nichts von ihnen.“ Wie kann man dann von ihnen lernen?

Thiel: Im Geschäft geschieht jeder Moment nur einmal. Die erfolgreichsten Menschen, beispielsweise Steve Jobs oder Bill Gates, taten unwiederholbare Dinge. Um von ihnen zu lernen, muss man heute nach diesen einzigartigen und unwiederholbaren Gelegenheiten Ausschau halten. Sie gilt es zu lösen, anstatt lediglich zu versuchen, eine Formel anzuwenden. Es stimmt zwar: Werte lassen sich auch ohne Innovation erzeugen. Zum Beispiel, indem man ein McDonald’s-Lokal in einer wachsenden Stadt eröffnet. Aber bei Innovationen geht es um mehr als Wertschöpfung allein. Innovation bedeutet, gänzlich neue Wege der Wertschöpfung zu schaffen. Langfristig ist das für die Welt am wichtigsten.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Deutschland erzielen Auto- und Maschinenhersteller Gewinne vor allem durch graduelle Verfeinerungen und Weiterentwicklungen ihrer Produkte, selten durch revolutionär Neues. Reicht das, um in Zukunft konkurrenzfähig zu sein?

Thiel: Deutsche Hersteller können wahrscheinlich auch in Zukunft erfolgreich sein. Gleichzeitig reichen Verfeinerungen alter Techniken nicht aus, um die gesamte Weltwirtschaft anzutreiben. Große Gewinne werden vor allem diejenigen Unternehmen erzielen, die erfolgreich neue Technologien erfinden. Wenn das deutschen Firmen nicht gelingt, bedeutet es zwar nicht, dass sie zum Scheitern verdammt sind. Aber sie werden nicht zur Spitzengruppe zählen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie sind ein hervorragender Schachspieler, Ihre Elo liegt mit rund 2.200 Punkten beinah auf Großmeisterniveau. Inwiefern lässt sich Schach auf das Business übertragen?

Thiel: Ich glaube nicht, dass einen Fähigkeiten im Schachspiel in der Geschäftswelt weit voranbringen. Aber es ist wahr, dass erfolgreiche Unternehmensgründer immer viele Schritte vorausdenken müssen. Denn es passiert nur allzu leicht: Ein neues Unternehmen lässt sich von der Aussicht auf kurzfristige Gewinne ablenken. Dabei verliert es die langfristige Beständigkeit seines Geschäfts aus dem Blick – obwohl das immer der wichtigste Aspekt ist.

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