Silicon Germany - Teil 3

Unternehmer-Startrampe

DIE HEIMAT DER SAMWERS

Spätestens seit dem kometenhaften Aufstieg von Rocket Internet ist die WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar bei Koblenz fester Bestandteil deutscher Start-up-­Kultur. Oliver Samwer, CEO von Rocket Internet, studierte Betriebswirtschaftslehre an der privaten Hochschule. Seine Vita kommt nicht von ungefähr. Das Gründungsinteresse der WHU­-Studenten ist seit Jahren groß. Viele WHU-­Alumni beeindrucken mit unternehmerischen Erfolgen, die ihren Anfang häufig im WHU-Incubator nahmen. Er unterstützt Gründungsinteressierte insbesondere während der sogenannten Seed-Phase. In dieser Zeit soll ein „proof of concept“ erbracht werden. Dafür stellt der Incubator Mentoring, Räumlichkeiten sowie ein Partnernetzwerk zur Verfügung und hilft den Teams bei der Suche nach Kapitalgebern. Der WHU-Incubator legt großen Wert auf eine enge Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis – zum Beispiel über die Vorlesung „New Venture Creation“, die von Professor Dr. Malte Brettel, Marcus Erken und Stefan Mader gehalten wird. Im Rahmen des Kurses arbeiten die Studenten an ihren eigenen Start-ups. Nach einer Vorlesung in der ersten Woche nehmen die Teams regelmäßig an Coaching­-Sessions mit dem WHU-Incubator und ehemaligen WHU-lern teil, die nun Unternehmer und Investoren sind. Beim abschließenden Demo Day stellen die Studenten ihre neuen Unternehmen vor und haben die Chance, Business Angels und Venture-­Capitalists für ihr Vorhaben zu gewinnen. „Eine gute Unternehmertum­-Vorlesung sollte wie ein Flugsimulator sein“, sagt Erken. „Sie bereitet auf die generellen Herausforderungen des Gründens vor: Wie evaluiere ich meine Idee? Wie bilde ich ein Team? Wie komme ich an Geld?“ Statt am Markt üben die Start­ups frühzeitig in der Simulation. „Die Absturzwahrscheinlichkeit kann somit kräftig gesenkt werden“, resümiert Erken.

UNTERNEHMER-STARTRAMPE BAYERNS

Viele denken bei der Frage nach dem deutschen Silicon Valley zunächst an Berlin. Doch sie begehen einen Fehler, wenn sie den Süden unterschätzen. An der Ludwig-Maximilians­-Universität München (LMU) wird Unternehmertum großgeschrieben. Die Hochschule rief bereits 2007 das LMU Entrepreneurship Center (LMU EC) unter Leitung des Unternehmers Andy Goldstein ins Leben. Das Gründungszentrum hat mittlerweile 165 Neugründungen mit einem Marktwert von mehreren Hundert Millionen Euro hervorgebracht.

In jedem neuen Semester werden jeweils 15 Teams aus mehr als 150 Bewerbungen ausgewählt. Diese Projekte erhalten ein halbes Jahr lang individuelle Coachings, ausgefeilte Business-­Lektionen, kostenlose Büroplätze und direkte Verbindung zu einer Vielzahl von Impuls­- und Kapitalgebern aus dem Netzwerk des LMU EC. „Über 35 Prozent der Firmen haben innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss des Programms eine Finanzierung erhalten“, sagt Goldstein stolz. Die Freude ist begründet, denn Investoren zu finden ist ausgesprochen schwierig. Risikokapitalgeber investieren in weniger als ein Prozent der von ihnen interviewten Start­ups. „Noch beeindruckender ist, dass auch fünf Jahre nach Beendigung des Programms mehr als 80 Prozent der Start­-ups noch im Geschäft sind“, so Goldstein. „Das zeigt, dass die Absolventen des LMU ­EC­-Programms nicht nur die Kunst des Geldbeschaffens beherrschen, sondern sich auch auf die Geschäftsentwicklung verstehen und wissen, wie man Kunden gewinnt.“

Zudem ist das LMU EC im digitalen Zeitalter angekommen: Auch mithilfe der eigenen Smartphone-App „unicorn“ vernetzt das LMU EC über 12.000 Gründungsinteressierte, Studenten und Absolventen miteinander. Wer weiß: Vielleicht befindet sich unter ihnen der nächste Mark Zuckerberg.

DIE WICHTIGSTEN TIPPS DER GRÜNDER

Starke Geschäftsidee? Gründen statt grübeln!
Früh Feedback über das Produkt einholen.
Auf die Zusammensetzung des Teams achten, Qualität bevorzugen, Konflikte austragen.

1. Teil: Helden von morgen
2. Teil: Turbo für Gründer
3. Teil: Unternehmer-Startrampe

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