Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 27.04.2017

Gründungsmentalität, quo vadis?

Deutschland spielt in vielen wirtschaftlichen Vergleichen in der ersten Liga. Eine der wenigen Ausnahmen: Das Gründungsgeschehen. Können Migranten Deutschland zu einem Aufstieg verhelfen?

Jetzt hat es Deutschland wieder schwarz auf weiß: Die Gründungsmentalität hierzulande, der Hang zur Selbstständigkeit, ist nur schwach ausgeprägt. Das hat der sogenannte „Global Entrepreneurship Monitor“, in der aktuellen Ausgabe 2016/2017, wieder unterstrichen. Demnach beträgt die sogenannte „Total Early-Stage Entrepreneurial Activity Rate“ (TEA Rate) in Deutschland auf das Komma genau 4,6 Prozent.

Deutschland liegt damit in „bester“ Nachbarschaft zu Ländern wie Italien, Malaysia und Bulgarien. Anders ausgedrückt: Die Bundesrepublik rangiert in einem Vergleich mit 65 Staaten erneut am unteren Ende dieses Rankings, dieses Jahr sogar auf dem vorletzten Platz. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Industrieland um sieben Plätze abgerutscht.

Um Deutschlands Ergebnis noch besser einordnen zu können: Die durchschnittliche TEA-Rate beträgt 8,5 Prozent. Die USA kommen auf einen Wert von derzeit 12,6 Prozent und liegen auf dem 24. Platz. Großbritannien kann auf diesem Feld 8,8 Prozent vorweisen, das gleichbedeutend mit dem 41. Platz ist. Schlechter als diese Länder, aber immer noch besser als Deutschland ist Frankreich. Das Industrieland kommt auf 5,3 Prozent, das entspricht dem 60. Platz.

Nur ein sehr kleiner Lichtblick ist es, dass Deutschland Frankreich und England geringfügig im Vergleich der Selbstständigkeit von Frauen schlägt. Hierzulande beträgt das Frauen-Männer-Selbstständigenverhältnis 0,52 - das entspricht dem 50. Platz. In Großbritannien beträgt der Wert 0,47, ebenso in Frankreich. Die USA sind auch hier wieder deutlich vorn. Der Wert bei der Weltmacht beträgt 0,71, Platz 28.

Etwas Schwung kommt in die Gründerquote Deutschlands durch die Welle an Flüchtlingen der vergangenen Jahre. Denn nach Erkenntnissen der Förderbank KfW wagen Migranten überdurchschnittlich oft den Schritt in die Selbstständigkeit. Jährlich gebe es in Deutschland rund 170.000 Existenzgründungen durch Migranten, teilte die KfW mit. Jeder fünfte Gründer sei Ausländer oder eingebürgert, dem stehe ein Bevölkerungsanteil von 18 Prozent gegenüber. Damit seien Migranten "überdurchschnittlich gründungsaktiv". Ihre Gründerquote liegt mit 1,77 Prozent (im mehrjährigen Durchschnitt) deutlich über der Gesamtquote von 1,60 Prozent.

Zudem sind die Migranten laut der KfW bei der Gründung risikofreudiger: So starten sie häufiger im Vollerwerb und nicht als Nebenerwerb in die Selbstständigkeit, stecken mehr Zeit in ihr Gründungsprojekt und gründen seltener allein. Demnach investieren Migranten 3,2 Wochenstunden und damit elf Prozent mehr Zeit in ihren Betrieb als ein deutscher Durchschnittsgründer.

„Migranten wagen überdurchschnittlich oft den Schritt in die Selbstständigkeit und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Gründungsgeschehen. Spannend ist, dass wir unter Migranten eine besonders hohe Gründungsneigung von Akademikern sehen", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Er verweist darauf, dass die Gründerquote von Akademikern im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2015 bei 2,3 Prozent liegt – die von akademisch gebildeten Migranten hingegen bei 3,1 Prozent. Zeuner weiß zudem: „Ein Hochschulabschluss geht bei Migranten außerdem mit einer geringeren Abbruchwahrscheinlichkeit einher. Bildung zahlt sich aus“.

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten – das zeigt sich auch bei der vergleichsweise hohen Gründerquote unter Migranten. Während 22 Prozent der Gründer in Deutschland in den ersten zwei Jahren ihr Projekt wieder abbrechen, sind es unter den Migranten sogar 30 Prozent. Die KfW ordnet dieses Ergebnis allerdings auch in den Gesamtkontext der deutschen Volkswirtschaft ein. Zeune sagt: „Die Gründungsaktivitäten von Migranten sind noch stärker als ohnehin vom Arbeitsmarkt abhängig. Migranten gründen häufiger aus Mangel an Erwerbsalternativen – und brechen ihr Projekt dann eher wieder ab, wenn sich attraktive Jobmöglichkeiten bieten."

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

  • NEU auf DUB.de: Top-Platzierung in den Suchergebnissen

    Steigern Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Anzeige. Positionieren Sie sich vor den Basis-Inseraten und erhöhen Sie durch die besondere Darstellung Ihre Inseratsaufrufe.

  • Einfach loslassen

    Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die verspätete Unternehmensnachfolge gelingt.

  • Das Lebenswerk sichern

    Welche Rolle die Emotionen bei der Unternehmensübergabe spielen.

  • Die Meister des Franchise

    Die Vor- und Nachteile von Master-Franchise-Lizenzen.

  • DUB setzt Oettingers digitalen Bildungsgutschein um

    Der Politik einen Schritt voraus: Hamburger Verleger Jens de Buhr füllt die Forderung des EU-Kommissars Günther Oettinger nach Gutscheinen zur digitalen Weiterbildung mit Leben.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Forschungsprojekt zur Unternehmensnachfolge

    Bei der Übergabe stehen meist die aktuellen Probleme im Mittelpunkt, Pläne für die Zukunft kommen zu kurz. Ein Forschungsprojekt der Universität Bremen will das mit einer neuartigen Methode ändern.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

  • Seit 2012 Blockchain-User

    Estland ist digital ganz vorn dabei. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.

  • Bessere Entscheidungen

    Über 600 Millionen Euro an ausgezahlten Krediten – auxmoney ist ein führender Kreditmarktplatz in Kontinentaleuropa. CEO Raffael Johnen über die Digitalisierung des Kreditmarkts.

  • Unternehmensbewertung: Das müssen Sie beachten!

    Unternehmen zu bewerten ist alles andere als trivial. Es kommen verschiedene Methoden infrage. Wie sich ein Preis für ein Unternehmen ermitteln lässt, zeigt unsere Übersicht.

  • 20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich absprechen zu müssen – das sind nur einige der Vorteile. Doch viele unterschätzen den Aufwand und die neue Verantwortung.

  • Deutsche Unternehmen zögerlich beim Kauf von Startups

    Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchen Unternehmen Innovationen. Startups zu übernehmen, ist aber nicht an der Tagesordnung.

  • Das sind die wichtigsten Kommunikationsregeln bei einer M&A Transaktion

    Wenn eine Firma die andere kauft, dann kann viel schiefgehen. Eine laienhafte Kommunikation ist eine große Gefahr für eine M&A Transaktion.

  • Wie läuft die Systemintegration ab?

    Eine Hauptleistungspflicht des Franchisegebers ist es, den Franchisenehmer in das Franchisesystem zu integrieren. Erfahren Sie mehr über den Ablauf und die Inhalte der Systemintegration.

  • Stressfrei studieren

    Studieren gleicht einem Fulltime-Job. Klausuren, Hausarbeiten und knappe Deadlines treiben den Adrenalinspiegel deutlich in die Höhe. Was dagegen hilft.

  • CEO-Interview: Dynamischer Prozess

    Künstliche Intelligenz avanciert zum Treiber des digitalen Wandels. Im DUB UNTERNEHMER-Magazin geben CEOs und führende Manager exklusive Einblicke in die Transformationsprozesse ihrer Unternehmen.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • So sieht eine ideale Digital Due Diligence aus

    Ob ein Unternehmen fit für die digitale Zukunft ist, lässt sich mit der Digital Due Diligence überprüfen. Ein Teil davon ist die IT Due Diligence.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick