Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Erst boxen, dann beraten

Als mehrfache Boxweltmeisterin weiß Ina Menzer, wie man sich Erfolg erkämpft. Jetzt hat sie sich mit einer Agentur selbstständig gemacht. Ihre Mission: die Reputation aktiver Sportler zu managen und sie für die Zeit nach ihrer sportlichen Karriere zu beraten.

Für jeden Sportler kommt irgendwann „die Zeit danach“. Wenn die sportliche Karriere vorbei, die Titel gewonnen und das letzte Interview als Aktiver gegeben sind. Für Ina Menzer, mehrfache Boxweltmeisterin im Federgewicht, begann diese Lebensphase 2013 mit dem Sieg in ihrem letzten Profi-Kampf. Umgehend legte sie das Fundament für die Karriere nach der Karriere im Ring.

Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Reinhard Heitzmann von Silvanus Consulting und ihrem Mann Denis Moos hat sie sich in Berlin mit der Agentur SportsReputation selbstständig gemacht. Heitzmanns Beratungsfirma ist bereits seit Jahren aktiv im Coaching von Vorständen, Politikern und Geschäftsführern. Reputationsmanagement heißt das Zauberwort. „Die Kunden werden gecoacht, wie sie sich vor einer Kamera verhalten, wie Vorträge souverän gehalten werden und wie sie mit den Medien umgehen. Das möchte ich auf Sportler übertragen“, sagt Ina Menzer. Der Bedarf – gerade bei jungen Sportlern – sei groß. Der 34-Jährigen ging es am Anfang ihrer Boxkarriere ähnlich. „Wenn ich mir Interviews von früher ansehe, fällt mir auf, wie arrogant ich aus Unsicherheit wirkte.“

Reputation ist alles

Erste Erfahrungen im Bereich Sportmarketing sammelte die diplomierte Sportmanagerin nach ihrem Studium im Rahmen eines Praktikums bei Sportfive, einem internationalen Sportrechtevermarkter aus Hamburg. Schon während ihrer aktiven Boxkarriere dachte sie rechtzeitig an die Zeit danach: „Ich habe mein BWL-Studium früh abgebrochen, um mich nur dem Sport zu widmen. Aber irgendwann kam der Entschluss, dass ich begleitend etwas anderes tun muss. Da traf ich die Entscheidung für ein Fernstudium im Bereich Sportmanagement. Das konnte ich gut mit den Trainingseinheiten verbinden.“

Mit ihrer neu gegründeten Agentur blickt die in Kasachstan gebürtige Deutsche positiv in die Zukunft. Die ersten fünf Sportler sind bereits unter Vertrag. „Wir setzen auf die Mund-zu-Mund-Propaganda in der Sportlerwelt“, so Menzer. Auch will die junge Unternehmerin noch viel von ihrem Geschäftspartner Heitzmann lernen. Am Anfang stand die Erkenntnis über den Unterschied zwischen Image und Reputation. „Image ist etwas Kurzfristiges, was sich schnell ändern kann. Eine Reputation baust du dir über einen langen Zeitraum auf“, erklärt sie. „Ein Großteil des Erfolgs von Top-Managern hängt von ihrer Reputation ab. Das gilt auch für Spitzensportler.“ Mit ihren Klienten will sie daher an dieser arbeiten. Vom Interview-Training bis zur Social-Media-Strategie. Gerade im letztgenannten Bereich liege für viele Sportler die Zukunft. „Das Fernsehen bietet gar nicht für alle Sportler Platz.“

Früh die Weichen stellen

Aufgebaut ist die Beratungsleistung auf vier Säulen: Reputationsmanagement, Sponsoring, Social-Media-Strategie und Beratung für die Zeit nach der sportlichen Karriere. „Die Sportler können sich auch nur in einem dieser Bereiche beraten lassen, es ist wie ein Baukastensystem“, sagt die Unternehmerin, die weiß, wie wichtig individuelle Beratungslösungen sind.

Bereits früh können Top-Athleten die Weichen für die berufliche Karriere danach stellen. „Wir haben schon mit großem Interesse die Praktikantenbörse der Deutschen Unternehmerbörse DUB.de gesehen“, sagt Menzer. Zusammen mit der Deutschen Sporthilfe wird hier Deutschlands Sportelite mit Unternehmen zusammengebracht. Das Prinzip ist einfach: Athleten präsentieren sich mit Angaben zu Praktikumswunsch, bisherigen Erfahrungen und Qualifikationen auf DUB.de. Unternehmen können sich die Profile ansehen, Kandidaten auswählen und anschreiben.

In ihrer ersten Karriere musste sich Menzer vieles erkämpfen. „Gerade als Frau hast du es im Boxen schwer, es ist immer noch eine Männerdomäne“, sagt sie. Dass sie ein Mensch ist, der fokussiert seine Ziele erreicht, zeigte sie schon als Kind. Mit den Eltern aus Kasachstan nach Deutschland ausgewandert, wollte sie unbedingt Karate lernen. Ihre Eltern sind dagegen, schicken sie stattdessen zum Turnen. „Es hat Spaß gemacht, war aber einfach nicht das, was ich wollte.“

Mit 13 Jahren wird sie von anderen Mädchen nach der Schule verprügelt. „Da hat mein Vater gesagt: ,So, Mädel, jetzt gehst du zum Karate, damit du dich das nächste Mal verteidigen kannst.‘“ Als ihre Brüder zum Boxen wechselten, ging Ina Menzer mit. Sie liebte den Sport und trainierte immer mehr. Nach der Schule, später während der Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin.

"Als Weltmeisterin abtreten"

Besonderen Kampfgeist zeigte die Wahlhamburgerin noch einmal zum Ende ihrer Karriere. 2010 verlor sie alle Titel in einem einzigen Kampf. Für Ina Menzer kein Grund aufzugeben, sie biss sich durch und nahm ihren Antrieb aus der Niederlage: „Ich habe in dieser Zeit sehr oft daran gedacht, etwas anderes zu machen. Aber diese Niederlage hat mich am Leben gehalten, hat mir die Kraft gegeben weiterzumachen.“ Nach 27 Monaten ohne Titel gab es endlich ein Erfolgserlebnis, Ina Menzer holte sich den Europameistertitel. Damit hätte sie ihre Karriere eigentlich beenden können. „Ich wollte aber als Weltmeisterin abtreten“, sagt sie. Und das gelang ihr auch: Nur ein Jahr später gewann sie in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach den Kampf gegen Goda Dailydaite und damit gleich drei WM-Titel.

Qualität vor Quantität

Dass Menzer ihre großen Ziele erreichen kann, hat sie als aktive Sportlerin gezeigt – mit Geduld, Präzision und Disziplin. Diese Tugenden möchte sie auch in ihr unternehmerisches Handeln übertragen, einen Schritt nach dem anderen machen. „Es gibt Leute, die gehen sofort auf Expansionskurs. Ich bin jemand, der erst einmal nur das macht, was er richtig gut kann. Dann erst kommt Schritt zwei.“ Ihr großer Vorteil sei auch, dass sie während ihrer Karriere nie alles aus der Hand gegeben und zum Beispiel Verträge mit Promotern selbst ausgehandelt habe. „Ich kann mich in beide Seiten gut hineinversetzen, habe meine direkte Erfahrung als Sportlerin und das Wissen und die Erfahrung, wo man gut beraten ist und wo nicht.“

Menzers Agentur arbeitet vor allem aus Berlin, aber auch eine Niederlassung in Hamburg ist im Aufbau. Die Mission der Unternehmensgründerin: ihr hart erkämpftes Wissen an junge Sportler weitergeben.

Das interessiert andere Leser

  • Was tun bei einem Hörsturz?

    Auch zu viel Stress kann zu Hörversagen führen. Dr. Bilgen Kurt erklärt, warum Betroffene vor allem ruhig bleiben sollen.

  • Start-up vs. Franchise

    Selbständig machen – aber wie? Die Vor- und Nachteile von Start-ups und Franchise im Check.

  • Bye Bye Britain, hello Germany

    Viele britische Firmen wollen der Insel den Rücken kehren. Ihr Lieblingsziel: Deutschland.

  • Was tun bei Fake News?

    Auch Unternehmen leiden unter Fake News, etwa bei falschen Behauptungen auf Bewertungsportalen. Das raten Experten.

  • Lissabon

    Liebesgrüße vom Tejo

    Lissabon ist die perfekte Destination für ein langes Wochenende. Das sind die Must-Sees.

  • Neue Subventionen für Start-ups

    Die Bundesregierung startet einen neuen milliardenschweren Fördertopf für junge Unternehmen.

  • Frauen auf der Jagd

    Waidfrausheil

    Jagen: ein elitäres Hobby für ältere Herren? Das war einmal. Wie Frauen die Männerdomäne erobern.

  • Augmented-Reality-Effekt

    Death by Powerpoint

    Zwei Rezepte gegen sterbenslangweilige Präsentationen.

  • Mut zur Nische

    Investorin Anastasia Borghardt will Popcorn ganz groß rausbringen. Was sie über Start-ups und der Suche nach der berühmten "Nadel im Heuhaufen“ zu sagen hat.

  • Online-Tischler Pickawood liefert Erfolgszahlen

    Was ist eigentlich aus Pickawood geworden, dem Startup, das vor zwei Jahren ein Crowdinvesting auf DUB erfolgreich durchgeführt hat?

  • Compliance in Zeiten der digitalen Transformation

    Warum ein grundlegender Wertewandel notwendig ist, lesen Sie hier.

  • Das haben wir doch schon immer so gemacht

    Die Bundesbürger mögen Beständigkeit, keine Innovationen. Das könnte zum Problem für die Unternehmen werden.

  • Spektakuläre Deals

    Bei Übernahmen werden oft völlig überzogene Prämien bezahlt. Warum eigentlich? Und sind Familienunternehmen auch betroffen?

  • Auf den Punkt flüssig

    Säumige Großkunden

    Alltag in deutschen Firmen: Kunden lassen viel Zeit mit den Zahlungen, die Außenstände gehen in die Millionen. Factoring kann Abhilfe schaffen.

  • Was Chefs nicht können

    Bei der Suche nach einem Nachfolger mangelt es den meisten Chefs an einer entscheidenden Fähigkeit.

  • "Weniger Bürokratie für Start-ups und kleine Gründer"

    Letztes Jahr lockerte das Bürokratieentlastungsgesetz (BEG) einige Regeln für Existenzgründer. 2017 könnte das BEG II noch einen draufsetzen. Ein Expertengespräch über die wichtigsten Neuerungen.

  • Stellen Sie sich vor

    Stellen Sie sich vor

    Das DUB UNTERNEHMER-Magazin stellt in der Ausgabe 2-2017 potenzielle Firmenkäufer vor. Zeigen Sie, wer Sie sind, und erhöhen Sie Ihren Bekanntheitsgrad – gratis.

  • Franchise wächst in Deutschland

    Zunehmend fehlen jedoch Partner und Nachfolger für bestehende Standorte. Die Branche hofft auf gründungswillige Migranten.

  • Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht

    Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht

    Immer mehr Familienfirmen suchen einen Nachfolger für den Inhaber. Das ist häufig eine komplexe Angelegenheit: Das liegt nicht nur an den Kindern, die oft ihre eigenen Wege gehen wollen.

  • Redakteur Eike Benn für das D unterwegs

    Baukastenprinzip

    Der Digitale Wandel offenbart Chancen. Beispiel: Neuerungen im Hard- und Software-Bereich versprechen, Effiienz und Umsatz zu erhöhen. Doch wie vermeidet man Fallstricke?

  • Franchise Marketing

    Franchisegeber und -nehmer: Arbeitsteilung beim Marketing

    Franchisenehmer haben einen starken Partner im Rücken. Ob Marke, Corporate Identity oder Raumgestaltung: Für viele Fragen halten sie professionelle Antworten parat.

  • Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!

    Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!

    Besonders eine Nation geht in Deutschland auf Einkaufstour: China. Das Verhalten der Investoren aus Asien hat sich dabei in letzten Jahren kräftig geändert.

  • David gegen Goliath

    Sich gegen einen Platzhirsch zu behaupten, ist schwer. Wie es funktionieren kann, zeigt das Beispiel Paydirekt.

  • GANG ZUR BANK

    Gang zur Bank

    Eine Neugründung ist kostspielig. Franchisegründer bekommen oft Hilfestellung durch ihr System, sollten aber unbedingt auch weitere Beratungsangebote annehmen.

  • Was Unternehmensberater kosten

    Beim Thema Unternehmensnachfolge kommen meist Berater zum Zuge. Mit diesen Kosten sollten Sie planen.

  • Die neue Erbschaftssteuer im Überblick

    Ein Experte erklärt die vier wichtigsten Regeln der neuen Erbschaftssteuer.

  • Besonders zu festlichen Anlässen rundet eine edle Uhr am Handgelenk den Auftritt ab

    Zeit fürs Wesentliche

    Uhren sind mehr als Zeitmesser. Viele Freunde hochwertiger Nobelticker schätzen sie als Schmuckstücke mit technischen Raffinessen.

  • Der große Franchise-Report

    Der große Franchise-Report – das sind die neusten Trends

    Wie finanzieren sich Franchise-Betriebe? Wie finden die Systeme neue Partner? Wie stark wachsen die Unternehmen? Eine Studie gibt Antworten.

  • Invest-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums

    So profitieren Gründer noch besser von Wagniskapital

    Deutschland ist kein Gründerland. Damit sich das ändert, hat das Bundeswirtschaftsministerium das Invest-Programm aufgepäppelt.

  • Hürzeler Bicycles

    Aufgesattelt

    Es gibt schönere Orte als das Fitnessstudio, um die Arbeit hinter sich zu lassen und den Akku aufzuladen. Unternehmer und Manager finden dazu gute Gelegenheit beim Radsport auf Mallorca.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick