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Einmal von München nach Berlin

Start-up-Firmen mit Internet-Ideen zieht es in die Hauptstadt. Das Kapital aber sitzt noch in Bayern.

Laptop und Lederhose, dem Ruf sind viele gefolgt. München ist Heimat etlicher Hightech-Gründungen, hier sitzen prominente Risikokapitalgeber wie Wellington Partners, Munich Venture Partners oder Target Partners. 

Tatsächlich hat die bayerische Landeshauptstadt schon vor dem Dotcom-Boom ihren Ruf als deutsche Gründerhauptstadt gepflegt. Noch heute sitzen an der Isar 53 private Venture-Capital-Gesellschaften. Hinzu kommen stattliche Summen von staatlichem Beteiligungskapital, die das unternehmerische Leben junger Internetfirmen stimulieren. Bayern bekommt jährlich 30 Millionen von insgesamt 113 Millionen Euro Fördergeld, ermittelte eine Studie der Wirtschaftskanzlei Lutz Abel.

München profitiert davon. Damit ist die Süd-Metropole der wichtigste Standort in Deutschland, wenn es um Kapital geht. Und doch: Der Ruhm bröckelt.

Eine Studie der Universität Münster zeigt jetzt, was viele geahnt haben.  Berlin hat München den Rang abgelaufen. Demnach haben vor allem Geldgeber, die Start-ups mit Internet-Ideen unterstützen, keine Lust mehr auf Münchener Firmen.

2012 und 2013 wurden in Deutschland zwei Milliarden Euro in Start-ups investiert, davon 873 Millionen in Berliner und Potsdamer Unternehmen. Für München fielen dagegen nur 378 Millionen ab. Die Wissenschaftler stützen sich auf Daten der Unternehmensberatung Majunke, die wiederum Zahlen der an Gründungen beteiligten Anwaltskanzleien auswertete.

Wie Berlin die Geldgeber elektrisiert, zeigt das Beispiel Zenmate: Das Berliner Start-up sammelte vor kurzem 3,2 Millionen Euro von Investoren ein. Die Software der Firma ermöglicht es Nutzern, unsichtbar durchs Netz zu surfen, ohne dass ein Geheimdienst oder Hacker Zugriff auf die Daten bekommen. Schon fünf Millionen Kunden nutzen die Zenmate-Tarnkappe. Auch der IT-Konzern Cisco gibt sich in Berlin großzügig. Er baut an einem Gasometer in Schöneberg für 30 Millionen Euro ein Innovationszentrum. Im Sommer 2015 soll alles fertig sein.

In München ist nichts von einer vergleichbaren Aufbruchstimmung zu spüren.  Besonders bitter für Bayern: 91 Millionen Euro Startkapital für Berliner Gründungen kamen aus der bayerischen Landeshauptstadt. Berliner Geldgeber dagegen interessieren sich wenig für Start-ups in Bayern. Gerade mal fünf Prozent ihrer Gelder gingen nach München. Fazit des Stadtgeografen Christoph Scheuplein von der Uni Münster: "Berlin hat München abgehängt."

Carsten Rudolph vom öffentlich geförderten Gründernetzwerk Evobis in München sieht das anders. "Berlin hat definitiv aufgeholt. Aber München ist immer noch stark." Berliner Start-ups seien nicht unbedingt fitter als Münchener Gründer: "Sie sind medial einfach sichtbarer." Die Gründungen an der Isar seien stark im Geschäft zwischen Unternehmen und konzentrierten sich auf ihre bayerischen Kontakte.

Aber auch Bayern-Freund Rudolph räumt ein: "Für Internet-Gründer mit Ideen im Consumer-Bereich ist Berlin trendiger." Die deutsche Hauptstadt gibt sich hip und bunt. Viele internationale Investoren haben hier Büros eröffnet. Der Berliner Internet-Brutkasten Rocket Internet der Samwer-Brüder beflügelte die ganze Szene.

München hat Geld. Aber es bietet Menschen, die im E-Commerce-Bereich etwas bewegen wollen, eine weniger inspirierende Umgebung", urteilt Experte Scheuplein.

Da hilft auch nicht, dass Bayern eine besondere Rolle bei der öffentlichen Förderung von Start-ups spielt. Dem Bundesland sei es gelungen, mit der LfA Förderbank Bayern und dem Europäischen Investitionsfonds einen Dachfonds aufzulegen, der unmittelbar in private Risikofonds investiert, belegt die Studie der Wirtschaftskanzlei Lutz Abel.

Auf diese Weise erhielten bereits 32 private Fonds staatliche Mittel.  Ergebnis: Viele Risikokapitalgeber hatten ihren Sitz in die Region München verlagert. "Das trägt dazu bei, dass der Fonds-Standort Bayern deutschlandweit führend ist", so die Studie. Das mag richtig sein, die Geldgeber sitzen hier - doch die Musik spielt inzwischen woanders. Satt, zufrieden mit seinen etablierten Industriekunden, einfach nicht chic, so die aktuelle Wahrnehmung von München.

Der Geldgeber Paua Ventures entschloss sich 2012 zum Umzug nach Berlin, ins "Herz der deutschen Start-up-Szene", wie die Firma selbst euphorisiert bekanntgab. Und bayerische Gründer mit einer neuen Internet-Idee?

Sie beherzigen möglicherweise den Tipp eines Beraters im Gründerbüro: "Überlegen Sie sich, ob Sie nicht wenigstens ein Büro in Berlin eröffnen wollen."

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