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Firmengründungen in Deutschland

Deshalb steht es mit der Gründerkultur nicht zum Besten

Woran liegt es, dass in Deutschland nicht mehr Firmen gegründet werden? Eine Studie gibt Aufschluss – und ein Unternehmer ergänzt dies mit konkreten Beispielen.

Deutschland, Du bist kein Gründerland (mehr). Die Zahl der Neugründungen von Unternehmen geht hierzulande schon seit Längerem zurück. Vergangenes Jahr gingen 388.000 Firmen an den Start, ein Jahr zuvor waren es aber noch 422.000. Für dieses Jahr gehen Forscher wie die vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) von einem erneuten Rückgang aus.

Was sind die Gründe dafür? Die Leipziger Business School HHL hat im Auftrag der FDP mehrere Studien ausgewertet sowie in einem mehrstufigen Verfahren ausgewählte Experten befragt. Zu den Interviewten gehören Gründer, Investoren, Vertreter von Forschungseinrichtungen und Universitäten sowie von Großunternehmen.

Als entscheidenden Grund geben die Befragten an, dass es an einer Kultur des Scheiterns (79 Prozent) fehlt. Ähnlich relevant: 58 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Gesellschaft Gründer kritisch beäuge. An dritter Stelle: 47 Prozent der Befragten meinen, dass potentielle Gründer das Risiko scheuen und deshalb eine Festanstellung bevorzugen.

Wer schon mal eine Firma gegründet hat, kritisiert andere Aspekte. Laut dem Startup-Monitor fordern 68 Prozent eine Reduzierung der Bürokratie, 47 Prozent bemängeln, dass zu wenig Kapital zur Verfügung steht.

Der bürokratische Aufwand bei einer Unternehmensgründung wurde international schon mehrfach verglichen. Nach neusten Daten kann man in Kanada in 1,5 Tagen eine Firma gründen, in Frankreich sind es vier Tage, in Großbritannien 4,5 Tage – in Deutschland beträgt dagegen der Zeitaufwand 10,5 Tage.

Diese Erkenntnisse teilt der Unternehmer Rudi Hofmann. Der gebürtige Niederländer hat erst vor einem halben Jahr in Deutschland eine Firma übernommen, die ein Nachfolgeproblem hatte. Eigentlich hatte er gehofft, dass die Neuanmeldung in ein paar Tagen erledigt sei. Doch dann musste er die Erfahrung machen, dass das zuständige Amt aufgrund eines Systemupdates der IT seine Anmeldung verschlampt hatte. In der Folge konnte er keine Rechnungen schreiben, weil ihm die Steuernummer fehlte – die bekommt man üblicherweise erst, wenn die Firma angemeldet ist.

Damit nicht genug. Hofmann fühlt sich auch schlecht informiert. „Vieles muss man selber herausfinden, es gibt keine Sammeladresse, bei der man alles kompakt erfährt.“ Die unangenehme Folge: Die Kosten der Anmeldung sind höher als zunächst gedacht. Hofmanns Beispiel: Für ein Gebäude, dass er im Zuge des Firmenkaufs übernommen hatte, musste er eine Neueintragungsgebühr bei der zuständigen Stadt entrichten. Ungewohnt wie ärgerlich für Hofmann überdies: In Deutschland muss er alle drei Monate Steuer an das Finanzamt zahlen, in den Niederlanden ist dies nur am Ende des Jahres der Fall. „Das Finanzamt in Deutschland sorgt damit dafür, dass man keine Liquidität aufbauen kann“, sagt Hofmann.

Apropos Geld: Die Finanzen sind ein weiterer Grund, dass in Deutschland wenig Firmen gegründet werden. Wenn Gründer externes Kapital brauchen, nutzen sie laut Sekundäranalyse vor allem private Darlehen (43 Prozent). Knapp 23 Prozent erhalten Förderkredite, ein Fünftel bekommt Zuschüsse von der Bundesagentur für Arbeit.

Die Crux allerdings: Es gibt hierzulande zu wenig Wagniskapital. Im europäischen Vergleich rangiert Deutschland am Ende der Skala. Im Jahr 2014 sind in Schweden 0,065 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Risikoinvestitionen geflossen, in Großbritannien 0,04 Prozent, in Deutschland 0,025 Prozent. Weniger Wagniskapital gab es nur noch in Österreich und Luxemburg.

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