Anleitung zum Selbstständigsein

Eine neue Initiative will Schülern das Gründen näherbringen. Dahinter stehen erfolgreiche Jungunternehmer.

  • -- Onlineplattform soll viele Jugendliche ansprechen.
  • -- Nur wenige Deutsche bauen eine eigene Firma auf.

Wenn Unternehmer etwas angehen, dann planen sie meist groß - auch wenn sie erst einmal klein anfangen. Das ist bei Marie-Christine Ostermann und Verena Pausder nicht anders. Ostermann, lange Zeit als Verbandschefin das Gesicht der Jungen Unternehmer in Deutschland, und Pausder, Berliner Gründerin, die mit Apps für Kinder bekannt wurde, haben herausgefunden: Jugendliche verlassen sehr selten die Schule mit dem Vorsatz, ihre eigene Firma aufzubauen. Die meisten kennen schlicht die Alternativen zum Angestelltendasein nicht.

Woher auch? Gründerlehre steht an deutschen Schulen nicht auf dem Stundenplan. Die beiden nehmen sich dem nun zusammen mit weiteren Gründern und Unternehmern an: mit Abendveranstaltungen in ganz Deutschland, auf denen sie aus ihrem Alltag berichten, mit einem Onlinetraining - samt Livechat mit Firmeninhabern, der 14- bis 19-Jährigen das Einmaleins des Gründens näherbringen soll. Und mit einem Business-Plan-Wettbewerb, bei dem die beste Idee in jeder von sechs Kategorien 10 000 Euro wert ist. "Startup Teens" nennt sich die Initiative, die Ostermann und Pausder mit vier Gleichgesinnten initiiert haben, und mit der sie nun an die Öffentlichkeit gehen. "Unser Ziel ist es, viel mehr Menschen an das Thema Gründen heranzuführen. Wir wollen die Gründerkultur in diesem Land verändern", sagt Ostermann, Geschäftsführerin von Rullko Großeinkauf.

Dass das nötig ist, zeigt etwa der Global Entrepreneurship Monitor in schöner Regelmäßigkeit. Nach den Daten, die internationale Hochschulen erheben, hatten im vergangenen Jahr 2,3 Prozent der 18- bis 64-Jährigen hierzulande vor kurzem eine Firma gegründet, drei Prozent waren gerade dabei.

Im internationalen Vergleich zählt Deutschland damit eher zur Schlussgruppe: Weitaus mehr Menschen trauen sich in den USA, in Kanada oder den Niederlanden, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. "Wir müssen früh damit anfangen junge Menschen für Unternehmertum zu begeistern, wenn wir erreichen wollen, dass in Deutschland mehr Unternehmen gegründet werden", sagt Pausder, die unter anderem den Kinder-App-Entwickler Fox and Sheep mitgegründet hat.

Das Rüstzeug dafür sollen die 14- bis 19-Jährigen in der neuen Initiative lernen, die Start-up-Größen wie Xing-Gründer Lars Hinrichs und bisher schon mehr als 70 Unternehmer unterstützen. Drei von ihnen sollen jeweils auf Abendveranstaltungen Schüler für das Unternehmerdasein begeistern. Zu den ersten Veranstaltungen lädt die Initiative für Ende Oktober nach Hamm und Lippstadt. Es sollen nicht die einzigen bleiben. "Es wäre schön, wenn wir 2015 fünf bis zehn Events auf die Bühne bekommen. 2016 sollen es dann 15 bis 20 werden und 2017 bis zu 40", sagt Ostermann.

Der heimliche Star der Initiative aber ist ein anderer - die Onlineplattform, auf der ab Oktober jeden Donnerstagabend eine Stunde Liveunterricht angeboten wird. Jeweils ein Unternehmer erklärt den Jugendlichen dann etwa, wie man einen Business-Plan schreibt oder wer Start-ups finanziert. Danach können die Schüler mit dem Praktiker chatten. Die Onlinetrainings werden wie auch die Abendveranstaltungen aufgezeichnet und auf der Plattform abrufbar sein.

Für die Schüler ist all das kostenlos. "Startup Teens" soll sich komplett über Spenden und Sponsoring finanzieren; in einer ersten Runde haben Familien und Freunde einen sechsstelligen Betrag spendiert.

Dass es schon etliche Initiativen gibt, die Schülern in Planspielen oder mittels Unterstützung beim Aufbau von Schülerfirmen das Gründertum näherbringen, ist den Initiatoren bewusst. "Es gibt viele tolle Projekte, aber sie erreichen oft nur wenige", sagt Ostermann. "Wir wollen mit unserer Onlineplattform, dem Livechat und den Videos viel mehr junge Menschen ansprechen." Dafür müssen sie gut gemacht sein. Ihre Freizeit opferten die Schüler für solch ein Projekt nur, wenn man es schaffe, sie dafür zu begeistern, weiß die 37-Jährige.

Projektunterstützer Lars Hinrichs ist überzeugt, dass sich damit mehr Jugendliche "Unternehmer als Vorbilder aussuchen" - statt Sportler, Musiker oder Models wie heute meist.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Den Erfolg atmen -  Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik
    Den Erfolg atmen - Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik

    Meditation entspannt und stärkt das Selbsbewusstsein. Wer sie konsequent praktiziert, kann Berge versetzen – sagt Meditationslehrer Sri Sri Ravi Shankar. Seine Erfolge sprechen für sich.

  • Pickawood Crowdinvesting
    Was wurde eigentlich aus ...

    ... Pickawood? Vor einem Jahr sammelte der Online-Möbelshop 250.000 Euro über die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de ein. Heute zählt es zu den wachstumsstärksten Startups Europas.

  • Endlich Spaß - So hilft Outfittery Männern beim Shoppen
    Hier shoppt Mann gern

    Klamotten zu kaufen macht Männern so viel Spaß wie die Toilette zu putzen. Im Schnitt tun sie es nur zwei Mal pro Jahr. Doch es gibt Abhilfe: Curated Shopping.

  • Neue Quellen erschließen
    Kapital ohne Kredit

    Darlehen sind derzeit besonders günstig, aber längst nicht jedes Unternehmen bekommt eins. Hier werden die besten Alternativen erklärt.

  • „Kenne deinen Kunden“ - Eckhard Geulen über Risikomanagement
    Wenn die Bänder stillstehen

    Zahlungs- und Produktionsausfälle sind Gift für das Unternehmen. Wie Big Data helfen kann, solche existenziellen Risiken zu verhindern.

  • „Die letzten fünf Prozent herauskitzeln“
    Startrainer im Interview

    Jürgen Klopp verrät, wie er die letzten fünf Prozent Leistung aus seiner Mannschaft herauskitzelt – und warum das Gehalt nicht alles ist.

  • Im Fokus - Die neuen Senioren als Zielgruppe
    Das Geheimnis der Best Ager

    Die Generation 50 plus ist kaufkräftig und technikaffin. Trotzdem gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Zielgruppe erfolgreich anzusprechen.

  • Raus aus dem Raster
    Raus aus dem Raster

    Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

  • Ihr Porträt
    Aktive Unternehmenssuche

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Raus aus der Komfortzone
    Raus aus der Komfortzone

    Vertriebsexperte Dirk Kreuter sagt, wie Verkäufer in der digitalen Welt überleben.

  • Jetzt testen: Der WirtschaftsWoche Digitalpass

    1 Pass – 5 Produkte. Inklusive BörsenWoche, der wöchentliche Finanzbrief der WirtschaftsWoche für Privatanleger. Jetzt 4 Wochen gratis.

  • Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau
    Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

  • Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.
    Haftungsrisiken minimieren

    Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

  • Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten
    Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

  • Niederlagen nutzen
    Niederlagen nutzen

    Im Exklusivinterview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin verrät Wladimir Klitschko, warum er für die Niederlage dankbar ist und wie er seine Karriere als Dozent gestaltet.

  • Besser streiten
    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Mahnung für Maas
    Mahnung für Maas

    Die EU-Kommission fordert, das Insolvenzrecht zu vereinheitlichen – doch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zaudert. Warum es Zeit zu handeln ist.

  • Bio, Burger, Balkongarten
    Bio, Burger, Balkongarten

    Immer mehr Kunden legen Wert auf Bio-Produkte statt Erzeugnisse aus Massentierhaltungen. Fünf der wichtigsten Ernährungstrends im Überblick.

  • Interview mit Martina Koederitz (IBM)
    Watson spricht bayrisch

    Iron Man hat Jarvis, IBM hat Watson. Das intelligente Computersystem ist aber kein Science Fiction. Watson soll aus der Datenflut lernen.

  • Last minute für Feinschmecker
    Last minute für Feinschmecker

    Zwei Ex-Google-Mitarbeiter wollen mit ihrem Start-up Table4You die Gastronomie-Szene in Deutschland aufmischen.

  • Vom Sattel in den Job - Mentoring und Praktika für Top-Sportler
    Die Spitzenkräfte von morgen

    Top-Athleten haben kaum Zeit, sich auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten. Mentoring-Programme und die DUB Praktikantenbörse unterstützen sie auf ihrem Weg in den Beruf.

  • asant verändert die digitale Transformation Wirtschaft und Gesellschaft. Die CeBIT 2016 zeigt, was die Zukunft bringt.
    Humanismus auf der CeBIT

    Auf der CeBIT 2016 stehen der Mensch und sein Einfluss auf eine digitale Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelpunkt. Ein Blick auf die wichtigsten Trends.

  • Fördern und vorleben
    Der Transformation vorangehen

    Beim DUB-Talk beschrieben drei Entscheider, wie sie die Digitalisierung in ihrer Firma umsetzen. Dabei entdeckten sie an ihren Firmen ganz neue Seiten.

  • Sei dein eigener Regisseur

    Keine Lust mehr auf die alte Firma? Worauf Führungskräfte bei beruflichen Veränderungen achten müssen, sagt Coach Claudia Michalski.

  • Rotes Tuch Digitalisierung
    Rotes Tuch Digitalisierung

    Zu teuer, zu komplex, zu wenig Personal: Das Thema Industrie 4.0 wird von der Mehrheit der Mittelständler kritisch gesehen.

  • Kopenhagens Must-Sees
    Kopenhagens Must-Sees

    Wie wäre es mit einem Wochenend-Trip nach Kopenhagen? Wir haben die besten Locations für Sie aufgestöbert.

  • Friedman schlägt Schumpeter
    Kampf der Top-Ökonomen

    Werden in Krisen innovative Unternehmen geboren? Die Theorie von Schumpeter sagt ja, die von Friedman nein. Wer hat Recht?

  • Gekommen, um zu bleiben
    Gekommen, um zu bleiben

    Kommt das nächste Apple, Google oder Microsoft aus Deutschland? Diese drei Newcomer haben das Zeug, zu bleiben.

  • Bock auf Gründen
    Bock auf Gründen

    „Ich hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“ – der Tweet einer Schülerin sorgte für eine riesige Debatte. Auch über das Gründen wissen Kids zu wenig.

  • Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven: Hybrid ist die Zukunft
    Hybrid ist die Zukunft

    Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven spricht über die Evolution alternativer Antriebe als Antwort auf immer strengere Umweltauflagen.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser