Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Teil 2: „Von den Chancen her denken“

Sind die deutschen Hochschulen gerüstet, um die digitalen Fachkräfte von morgen auszubilden?

Schipanski: Der Bedarf an IT-Fachkräften ist schon heute groß und wird weiter steigen. Es ist kein Geheimnis, dass wir bei der digitalen Bildung einen großen Sprung nach vorn machen müssen, nicht nur an den Hochschulen. Das ist auch das erklärte Ziel der aktuellen „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ des Bildungsministeriums. Für Hochschulen gilt: Studierende aller Fachrichtungen benötigen tiefer gehende digitale Kompetenzen als bisher. Dahingehend müssen die Studiengänge weiterentwickelt und Angebote für neue digitale Berufsbilder erarbeitet werden.

Kooperieren Wissenschaft und Wirtschaft ausreichend?

Schipanski: Ich glaube, dass wir diesbezüglich ganz gut aufgestellt sind, auch mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie den Fraunhofer-Instituten. Der Bund fördert diese Zusammenarbeit beispielsweise durch das „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM) oder die Initiative „KMU Innovativ“, um den Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft zu fördern. Auch die Forschungsinitiative „Industrie 4.0 – Forschung auf den betrieblichen Hallenboden“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) beinhaltet anwendungsbezogene Projekte, die den Mittelstand bei der Umsetzung von Industrie-4.0-Lösungen unterstützen.

Sollten Unternehmen mit Förderungen der öffentlichen Hand bei der Umstellung auf digitale Prozesse unterstützt werden?

Schipanski: Der Staat unterstützt Unternehmen dabei bereits mittels Forschungsförderung, einer Verbesserung der Finanzierungsbedingungen von Start-ups sowie durch Vernetzung oder Informations- und Beratungsangebote wie die bundesweiten „Mittelstand 4.0“-Kompetenzzentren.

Inwieweit ist das in der deutschen Kultur verankerte Sicherheitsdenken ein Hindernis für die schnelle Entwicklung disruptiver Geschäftsmodelle? 

Schipanski: Ein gesundes Risikobewusstsein ist ja erst einmal nichts Schlechtes. Richtig ist aber, dass wir uns davon nicht ausbremsen lassen dürfen. Angesichts der rasanten digitalen Entwicklung würde ich mir wünschen, dass wir noch stärker von den Chancen her denken und uns mehr Optimismus erlauben. Hohe Standards bei Datensicherheit und Datenschutz können ein Wettbewerbsvorteil deutscher Geschäftsmodelle und Produkte sein.

Warum haben wir in Deutschland keinen Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg?

Schipanski: Das hat sicherlich verschiedene Gründe, oder besser gesagt: Es gibt mehrere Stellschrauben an denen wir drehen können, um in Deutschland einen günstigeren Nährboden für innovative Geschäftsmodelle zu schaffen. Beispielsweise brauchen wir in Europa vergleichbare rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen, damit neue Geschäftsmodelle faire Chancen im Wettbewerb haben. Wir müssen den Zugang zu Wagniskapital verbessern, hier haben wir in den letzten Jahren viel erreichen können. Beispielsweise haben wir jüngst den Tech Growth Fund eingerichtet, der insbesondere jungen Startups in der Wachstumsphase helfen soll. Digitale Kompetenzen müssen wir stärken, das ist eine zentrale Aufgabe für den Bildungssektor. Aber wir sollten uns auch nicht schlechter machen als wir sind. Zum einen gibt es auch diverse deutsche Erfolgsgeschichten, wie z.B. Rocket Internet, zum anderen haben wir eine gute wirtschaftliche Ausgangsbasis um aufzuholen.

Die US-Wahlen haben die Relevanz sozialer Netzwerke für den Ausgang einer Wahl gezeigt: Kurze, schnelle Polemik mobilisiert Massen. Wie verändert das die Politik?

Schipanski: Polemik gab es auch schon vor den sozialen Netzwerken. Aber es stimmt, polemische, populistische oder auch falsche Aussagen können sich im Netz in Sekundenschnelle massenhaft verbreiten und sind schwer einzufangen. Debatten verrohen zunehmend. Davon dürfen wir uns in der Politik nicht treiben lassen, aber wir müssen deutlicher machen, dass einfache Antworten auf komplizierte Sachverhalte ein Trugschluss sind. Wir müssen stärker um Vertrauen und ein Verständnis für komplexe politische Entscheidungen werben. Nach den US-Wahlen ist eine Debatte um Falschmeldungen, Filterblasen und den Einsatz von Social Bots entflammt. Darauf gilt es zügig Antworten zu finden und wo sinnvoll, auch die Plattformbetreiber in die Pflicht nehmen. Natürlich spielt Medienkompetenz auch hier eine wichtige Rolle.

Teil 1: „Angebote entwickeln“

Teil 2: „Von den Chancen her denken“

Nach oben



Das interessiert andere Leser

  • Gefährliches Expertenwissen

    Wenn der Chef plötzlich ausfällt, kann das fatale Folgen für das Unternehmen haben. So sorgen Sie vor.

  • Was Verkäufer von Amazon lernen
    Was Verkäufer von Amazon lernen

    Macht das Online-Shopping Verkäufer überflüssig? Das DUB UNTERNEHMER-Magazin hat mit drei Experten diskutiert.

  • Getrieben von Finanzinvestoren muss sich der schwäbische Mittelständler Schleich zu einer globalen Marke entwickeln
    Der Schleich-Report

    Der schwäbische Mittelständler Schleich ist eine Erfolgsgeschichte. Jetzt wollen Finanzinvestoren den Spielwarenhersteller zu einer globalen Marke formen.

  • Karrierestau? Mit Franchise und Lizenzen sofort von ausgeklügelten Systemen profitieren.

    Der Weg in die Selbstständigkeit ist oft steinig. Mit Franchise- und Lizenz-Modellen erhalten die Startups einen schnellen Marktzugang und das notwendige Know-how.

  • Immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Kost.
    Gesund genießen

    Ob Gourmetessen oder Fast Food, immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Kost. Zu den Wunschzutaten zählen unter anderem Umweltschutz und artgerechte Tierhaltung

  • Mit Markenkraft des starken Partners gelingt Einstieg in die Selbstständigkeit

    Wer den Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen möchte, braucht einen starken Franchisepartner. Wie aber lässt sich dieser finden?

  • Uber fürs Übersetzen

    Der Sprachdienstleister lingoking mit 4.800 Dolmetschern und Übersetzern in mehr als 835 Städten agiert seit Oktober als interaktiver Online-Marktplatz. 3 Fragen an Gründer Nils Mahler.

  • Chefs müssen umdenken
    Chefs müssen umdenken

    Nur Anweisungen zu verteilen reicht nicht mehr. In der Dienstleistungsgesellschaft muss die Selbstorganisation der Mitarbeiter gefördert werden.

  • Käufer gesucht
    Ihr Porträt

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Unternehmensnachfolge als MBI
    Starke Marke

    US-Franchises nehmen den europäischen Markt verstärkt ins Visier. Zwei Fachanwälte geben Tipps, worauf Interessenten bei den internationalen Verträgen achten sollten.

  • Goldene Gründerzeit

    Der erste deutsche Beitrag zum „Juncker Plan“ steht. Bis zu 20.000 Gründer und junge Unternehmen können hierzulande Unterstützung aus EU-Mitteln erhalten. So geht’s.

  • Versicherungen als Qualitätsmerkmal

    Viele kleine und mittlere Unternehmen handhaben den Versicherungsschutz lax, wie eine Studie zeigt. Zudem fehlen oft Maßnahmen wie Feuer- oder Einbruchschutz. Gute Vorsorge steht für Professionalität.

  • Konstruktiv unzufrieden

    UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari über den Wandel des Paketdienstes zu einem „Technologiekonzern mit ein paar Trucks“ – und warum er nie zufrieden ist.

  • Modernes Bauen – so ist’s recht
    Neue Vorschriften

    Das Klimaschutzabkommen von Paris im Dezember gilt als Durchbruch bei der Bekämpfung der Erderwärmung. Das sind die Folgen für Bauherren.

  • Wo der Kunde König ist
    Wo der Kunde König ist

    Diese 15 Unternehmen haben den Kunden-Innovationspreis abgeräumt.

  • Ideenschmieden der Topmanager
    Ideenschmieden der Topmanager

    Eine Reise ins Silicon Valley ist nicht alles: Vier Konzernlenker verraten, woher sie neue Ideen nehmen.

  • Wer sie verpasst, verliert

    Der deutsche Mittelstand muss die Chancen der Digitalisierung nutzen. Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland, im Interview.

  • Günther Oettinger im Interview
    Die Schweinsteigers der Industrie

    Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, bezieht Stellung zur Digitalisierung und sagt, was Bastian Schweinsteiger damit zu tun hat.

  • Immer mehr Firmen leasen Software, anstatt sie zu kaufen.
    Pro und contra Software-Leasing

    Mehr IT-Sicherheit, weniger Personalaufwand, aber höhere Kosten – lohnt sich Software-Leasing für mein Unternehmen?

  • Jobgarantie Olympiasieg?

    Top-Athleten haben finanziell ausgesorgt? Von wegen. Im Schnitt müssen sie hierzulande mit 630 Euro im Monat auskommen.

  • Minderheitsinvestoren: Inhaber behalten das letzte Wort
    Geld und Macht

    Frisches Kapital für das eigene Unternehmen zu bekommen ohne an Einfluss zu verlieren – das klingt nach der Quadratur des Kreises. Minderheitsbeteiligungen versprechen genau das.

  • Futterhaus-Franchise
    Nachfolge per Franchise

    Franchise macht das Gründen leichter. So viel ist klar. Dass die Systeme auch helfen können, das eigene Unternehmen und die Nachfolge zu sichern, dürfte weniger bekannt sein.

  • Wladimir Klitschko gewährt einen Einblick in seine Pläne für die Karriere nach dem Sport.
    Wladimir Klitschko im Interview

    Der erfolgreichste Box-Schwergewichtler aller Zeiten über die Karriere nach der Karriere.

  • Nicolas Rädecke und Susanne Schnur von DUB.de auf dem Franchise Matching Day 2016.
    Franchise Matching Day mit großem Erfolg

    Rund 400 Besucher kamen zur größten deutschen Franchisemesse in Köln. Als Medienpartner stellte die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de die neue DUB Franchisebörse vor.

  • Das neue DUB UNTERNEHMER-Magazin ist da

    Exklusiv am Kiosk, in Handelsblatt und in WirtschaftsWoche: Weltmeister Wladimir Klitschko verrät sein Erfolgsgeheimnis. Dazu: fünf Megatrends, die Sie kennen müssen.

  • Wer ein Unternehmen gründen oder kaufen will, braucht Geld – zu möglichst niedrigen Zinsen.
    Wenn die Hausbank Nein sagt

    Ihre Bank will Ihnen keinen Gründerkredit geben? Kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen! So kommen Sie trotzdem an günstiges Startkapital.

  • Wie fit sind die Krankenkassen?

    Der Chef der größten deutschen Krankenkasse spricht über Zukunftsszenarien – nicht alle sind rosig.

  • Colin Berr
    Gefragte Mentoren

    „Jedes Team braucht einen guten Mentor“, weiß der Milliardär und Entrepreneur Richard Branson. Warum das auch für kleine Unternehmen zutrifft.

  • Am Ziel vorbei

    Teamarbeit ist ein Erfolgsfaktor. Doch was tun, wenn das Zusammenwirken hakt? Das gängige Rezept: ein gemeinsamer Ausflug. Aber hilft das?

  • Unternehmerischer Erfolg mit System

    Wer sich selbstständig machen will, ohne auf eine strategische Unterstützung zu verzichten, sollte über Franchising nachdenken.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick