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Hamburg, 30.06.2017

Teil 2: „Nicht gleich in Science-Fiction oder Cyborg-Szenarien versteigen“

Gerade den Deutschen wird nachgesagt, sie hätten große Angst vor dem Missbrauch ihrer Daten. Wie begegnen Sie der Angst vor Datenmissbrauch?
Bendiek:
Kanzlerin Angela Merkel selbst sagt, dass der Datenschutz auf Big-Data- und Cloudlösungen angepasst werden muss und Datensparsamkeit nicht zur heutigen Wertschöpfung passt. Zu den Schlüsseln für einen souveränen Umgang mit Daten gehören meiner Meinung nach transparente Datenverarbeitungsprozesse und eine konstruktive Debatte über eine sinnvolle Klassifizierung von Daten. Ich bin zuversichtlich, dass es möglich ist, die Anforderungen des Datenschutzes mit den technischen Innovationen in Einklang zu bringen.

KI‐Befürworter sagen: Menschliche und Künstliche Intelligenz gehen eine Symbiose ein. Ein Zukunftsszenario wäre: Menschen bekommen irgendwann einen Chip ins Gehirn verpflanzt, der sie mit einer Cloud verbindet und die Kombinationsvorteile in eine enorm gesteigerte Leistungsfähigkeit ummünzt. Halten Sie das für realistisch?
Bendiek:
Wir müssen uns ja nicht gleich in Science-Fiction oder Cyborg-Szenarien versteigen. Wenn leistungsstarke Chips oder Sensoren dank kluger Algorithmen uns in absehbare Zeit helfen Erblindungen zu behandeln, Rückenmarkverletzungen zu heilen oder Krankheiten wie Parkinson zu mildern, dann wäre es schon ein enormer Fortschritt. Doch der Chip den ich mir abends einlege, um Chopin zu spielen? Dafür haben wir bereits den CD-Player erfunden.

Brauchen wir künftig Digital Natives in den Regierungen, die den Wandel der Wirtschaft und Gesellschaft mit Sachverstand und Sensibilität für diese Themen lenken?
Bendiek:
Natürlich brauchen wir den Sachverstand, und in der Tendenz macht es Sinn, diese Kompetenzen auch in einem Digital-Ministerium zu bündeln und sich dadurch zu fokussieren.

Wie halten Sie Schritt mit der rasanten Entwicklung?
Bendiek:
Offenheit und Neugier sind der Schlüssel. Gute Gespräche – gerade mit Andersdenkenden, zudem gute Bücher. Empfehlen kann ich „Connectography: Mapping the Global Network Revolution“ von Parag Khanna. Er beschreibt darin eindringlich, warum die Zukunftsfähigkeit unserer Welt weniger von Ländergrenzen als vom Grad der Vernetzung abhängen wird.

Zur Person

Die Betriebswirtin Sabine Bendiek studierte am MIT, in Cambridge und Mannheim. Seit 2016 ist Bendiek Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland

 

Teil 1: ExistenZiellere Fragen

Teil 2: „Nicht gleich in Science-Fiction oder Cyborg-Szenarien versteigen“

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