Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 30.06.2017

Existenziellere Frage

Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung bei Microsoft Deutschland, sieht Künstliche Intelligenz als Querschnittstechnologie der Zukunft und fordert neben Transparenz ein Update beim Datenschutz.


Sabine Bendiek ist Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Experten erwarten, dass Künstliche Intelligenz (KI) die nächste technische Revolution auslösen kann. Welches Potenzial hat KI Ihrer Meinung nach?
Sabine Bendiek:
Durch KI betreten wir eine weitere technologische Evolutionsstufe. Neue Erkenntnisse und Innovationen werden möglich. Dinge, die vorher unsere kognitiven, körperlichen oder technologischen Fähigkeiten überstiegen. Das Potenzial durch KI entfaltet sich rasant. Nicht zuletzt, weil KI als Querschnittstechnologie einen weltweiten Markt adressiert, den wir bei Microsoft auf rund 4,5 Billionen US-Dollar innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahren einschätzen.

Bislang handelt es sich bei KI-Anwendungen um schwache Künstliche Intelligenz, die auf Wahrscheinlichkeitsrechnung basiert. Halten Sie Computer mit eigenem Bewusstsein für realistisch und vertretbar?
Bendiek:
Noch sind wir davon weit entfernt. Im Kern geht es aber um eine wesentlich existenziellere Frage: Was ist menschliches Bewusstsein? Sind wir doch nur komplexe Maschinen? Wie können wir sicher sein, dass eine Maschine ein Bewusstsein hat oder ob uns dies ein Algorithmus nur gekonnt vorgaukelt? Doch selbst wenn es nur eine perfekte Täuschung ist: Moralisch vertretbar wäre es nur dann, wenn die Algorithmen, die zu dieser Täuschung beitragen, nach hohen ethischen Maßstäben programmiert sind. 

Zwei US‐Forscher prognostizieren, dass Computer 50 Prozent der Jobs in den USA übernehmen können. Inwieweit kann KI die Arbeitswelt verändern und menschliche Arbeitskraft überflüssig machen?
Bendiek: Der Fairness halber sollte erwähnt werden, dass die von Ihnen genannte „Oxford-Studie“ über den US-Arbeitsmarkt von Benedikt Frey und Michael Osborne aus dem Jahre 2013 stammt und inhaltlich sowie methodisch sehr kontrovers diskutiert wird. Ich glaube nicht an einen solchen Kahlschlag und warne vor Panikmache und Pi-mal-Daumen Prognosen. Zur Wahrheit gehört aber: Wir werden Veränderungen im Arbeitsmarkt sehen. Bestimmte Jobs, die sich durch hohes Maß an Wiederholung und Routine auszeichnen, können wegfallen. Gleichzeitig entstehen neue Jobs. Aber: Diejenigen, deren Arbeitsplätze wegfallen, können vermutlich nicht ohne Weiteres und ohne Hilfe einen dieser neuen, digitalen Jobs übernehmen. Und an dieses Thema müssen wir als Gesellschaft, also Unternehmen, Politik, Schulen, Aus- und Weiterbildungssysteme, natürlich ran. Ich warne nur vor einem verkürzten Diskurs: „Mensch ist KI unterlegen, die übernimmt deshalb dann die Arbeitsplätze“. Das ist moderne Mythenbildung und basiert auf einer Fehleinschätzung was KI leistet und was eben nicht. Maschinen können rasant lernen, aber sie denken nicht. Der KI-Experte Hans-Christian Boos hat es kürzlich so formuliert: Einen „Heureka-Moment“ herzustellen, Ideen auf völlig neuem Terrain zu entwickeln und dieses Terrain auch betreten zu wollen, das kann nur der Mensch.

 

Teil 1: ExistenZiellere Fragen

Teil 2: „Nicht gleich in Science-Fiction oder Cyborg-Szenarien versteigen“

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Smarter Partner

    Autonome Autos, digitale Assistenten, Roboterchirurgen - Künstliche Intelligenz (KI) wird im Geschäfts- und Berufsleben immer spürbarer. Was KI heute schon kann und zukünftig verändert.

  • Exklusivinterviews: Künstliche Intelligenz

    Die Künstliche Intelligenz (KI) wirkt tief in nahezu alle Branchen hinein. 13 Top-Manager gewähren exklusive Einblicke, wie KI-Anwendungen ihre Unternehmen und Sparten umwälzen.

  • Lädt noch

    Zukunftstechnologien wie das Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz verändern die Welt, sagen Experten. Wie und wo sie bereits erfolgreich eingesetzt werden...

  • Franchisegebühren – was ist üblich?

    Was „üblich“ und „angemessen“ ist, lässt sich nicht so ganz einfach beantworten. Allerdings gibt es Kriterien, aus denen sich die Angemessenheit der Franchisegebühren ableiten lässt.

  • Die Familienstiftung bei Unternehmensnachfolgen

    Ein Instrument für die Sicherung der Nachfolge kann die Implementierung einer Familienstiftung sein.

  • Die ganze Wahrheit über ältere Gründer

    Hartnäckig hält sich der Mythos des jungen Gründers. Tatsächlich steigt das Alter der Entrepreneure in Deutschland. Wo werden ältere Gründer aktiv, was müssen sie beachten?

  • Drama Neugründungen: Deutschland rutscht im Vergleich ab

    Deutschland, Gründerland? Das war einmal! Das belegt auch eine Statistik der Industrie- und Handelskammern, die nun öffentlich wurde.

  • So unterschiedlich treu sind Gesellschafter von Familienfirmen

    82 Prozent der Familienunternehmer schätzen den Zusammenhalt untereinander als hoch ein. Unterschiede gibt es zwischen Großfamilien und in verschiedenen Stämmen organisierten Gesellschaftern.

  • Auf den Punkt flüssig - Teil 2

    Factoring stellt eine Alternative zur kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung für Lieferanten dar. Doch was können Abnehmer tun, um ihr Working Capital zu optimieren?

  • Kommunikation in Franchisesystemen

    Ein Experte erläutert, worauf Franchisegeber und -nehmer dabei achten sollten.

  • Neuerungen in der DUB-Unternehmensbörse

    Übersichtlicher, einfacher und erfolgversprechender. Das sollen die neuen DUB-Unternehmensbörsen und DUB-Käuferbörsen jetzt bieten. Wir haben einige Felder ergänzt und besonders das DUB-Matching eingeführt.

  • Ist Ihr Unternehmen ausreichend gegen Cyber Angriffe geschützt?

    Machen Sie jetzt den kostenlosen Schnelltest!

  • America First

    Die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt stammen aus den USA – Alphabet, Apple, Amazon, Microsoft und Facebook. Sieben namhafte Unternehmensberatungen haben das Potenzial der Tech-Riesen exklusiv bewertet.

  • Der Chef von Morgen

    Im Sport war er ein Spätzünder, dafür startet Johannes Lochner jetzt doppelt durch: Leitung eines Bobteams, Masterstudium – ein besseres Training für Führungskräfte gibt’s kaum.

  • Die Digitalisierung der Rekrutierung von Franchise-Partnern

    Lesen Sie hier, welche Rolle die Digitalisierung bei der Rekrutierung von Franchise-Partnern einnimmt.

  • Franchise-Umfrage: Wo, bitte, geht’s hier zum neuen Personal?

    Zum zweiten Jahr in Folge hat die Deutsche Unternehmerbörse Franchise-Systeme nach ihren größten Herausforderungen im Markt gefragt. Ganz oben: Die Suche nach Personal.

  • Späte Führungsnachfolge

    Der Brillenkönig Günther Fielmann behält noch weitere drei Jahre das Zepter in der Hand. Erst 2020 will er das Unternehmen in die Hände seines Sohnes legen.

  • Sachsen-Anhalt legt Fonds für die Unternehmensnachfolge auf

    Immer wieder scheitern Firmennachfolgen an der Finanzierung. Sachsen-Anhalt will dem nun vorbeugen – mit einem Fonds, ausgestattet mit 265 Millionen Euro.

  • „Psst, haben Sie schon gehört … ?“

    Wenn die Gerüchteküche brodelt, hat das selten Gutes zu bedeuten. Erst recht, wenn es um den Verkauf eines Unternehmens geht.

  • Zu schön, um wahr zu sein

    Was Franchisegeber Geschäftspartnern in spe über ihr System verraten müssen und woran man schwarze Schafe erkennt.

  • Geld vom Staat

    Auch Franchisenehmer kommen in den Genuss von staatlichen Fördertöpfen. Es müssen nur drei Kriterien erfüllt werden.

  • Deutschland paradox

    Die Bundesrepublik spielt wirtschaftlich in der ersten Liga – außer beim Gründungsgeschehen. Wie kann das sein?

  • Alles VUKA, oder was?

    Volatil, unsicher, komplex, ambivalent, kurz: VUKA. So beurteilen viele Chefs die Digitalisierung. Was tun?

  • Optimistische Chefs

    Deutschlands Unternehmer strotzen vor Optimismus. Dabei müssen sie in einem Punkt noch mächtig aufholen.

  • Erst Praktikum, dann Nachfolger

    Warum der Chef in spe bei seinem neuen Unternehmen erstmal eine Hospitanz absolvieren sollte.

  • Pflichtteilsrechte – die Büchse der Pandora

    Verstirbt ein Unternehmer, müssen häufig Kredite aufgenommen werden, um Erben auszuzahlen. Doch es geht auch anders.

  • Mehr als nur ein Spiel

    Zocken, daddeln – ist doch Kinderkram? Weit gefehlt. Video spielen ist zum Milliardenmarkt avanciert. So wollen Unternehmen und Vereine auf den neuen Goldesel aufsatteln.

  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick