Hamburg, 30.06.2017

Teil 2: „Experimentieren und Ausprobieren ausdrücklich erwünscht”

Brauchen wir bald eine Robotersteuer oder ein bedingungsloses Grundeinkommen?
Herbrich:
Die Frage ist doch: Erwarten Sie, dass technischer Fortschritt einen positiven Einfluss auf die Menschheit haben wird oder nicht? Da sagen wir ganz eindeutig: Technologie verbessert das Leben der Menschen. Wir müssen natürlich permanent lernen und uns anpassen, aber hier in Europa, mit dem hohen Bildungsstandard, sind wir in einer guten Position, den Möglichkeiten der Zukunft offen entgegenzusehen.

Kommt bei Ihnen bereits Künstliche Intelligenz zum Einsatz? Wenn ja, wo?
Herbrich:
Erstens, Nachfrageprognose: Systeme können vorhersagen, wie viele T-Shirts diesen Sommer bei Amazon gekauft werden. Zweitens, Spracherkennung mit Alexa: Das System kann etwa Taxis bestellen, Musik abspielen – und versteht mich besser als meine Kinder. Drittens, der faulen Erdbeere auf die Spur kommen: Amazon arbeitet daran, digital zu erkennen, wie lange Frischware noch hält. Was bedeutet das für unsere Kunden? Günstigere Preise, weil nicht zu viel vorrätig gehalten wird und so Kosten gesenkt werden. Schnellere Lieferung, weil die lokale Nachfrage geschätzt und Güter regional gelagert werden können. Mehr Auswahl, weil etwa Produktbeschreibungen aus dem Ausland automatisch übersetzt werden. Und generell: mehr Komfort, beispielsweise durch Sprachsteuerung über Alexa.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter den Herausforderungen durch KI gewachsen sind? Welche Rolle spielt Bildung dabei?
Herbrich: Amazon ist ein Innovationsunternehmen: Jeder Mitarbeiter versteht sich als Unternehmer, dessen Aufgabe es ist, kühne Ideen zu entwickeln. Der Umgang mit Technologie ist dabei absolut selbstverständlich – und Experimentieren und Ausprobieren ausdrücklich erwünscht. Denn was Amazon ausmacht, ist die Bereitschaft, Risiken einzugehen und auch Fehler zu machen; der dauernde Wille, ständig etwas Neues zu erfinden und zu entwickeln. Darüber hinaus bieten wir seit mehreren Jahren allen Mitarbeitern die Möglichkeit, ein eintägiges ML Bootcamp zu absolvieren – egal, ob sie in Seattle, Berlin oder Bangalore arbeiten. Tausende von Mitarbeiter haben dieses Angebot schon wahrgenommen.

Teil 1: Menschen lernen schneller

Teil 2: „Experimentieren und Ausprobieren ausdrücklich erwünscht”

Teil 3: „Von Cambridge bis Bangalore“

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