Hamburg, 30.06.2017

Nehmt die Chancen in den Blick!

„Künstliche Intelligenz bietet mehr Potenziale als Risiken“, sagt der Unternehmensberater und KI-Spezialist Peter Breuer. Damit alle profitieren, nimmt er auch die Politik in die Pflicht.


Peter Breuer ist Seniorpartner im Kölner Büro von McKinsey & Company (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Viele Experten glauben, dass Künstliche Intelligenz (KI) die nächste technische Revolution bringen wird. Welches Potenzial sehen Sie in diesem Bereich?
Peter Breuer:
KI wird die Wirtschaft in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Intelligente Roboter und selbstlernende Algorithmen werden Unternehmen und deren Mitarbeitern helfen, produktiver zu sein. Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung, auch wenn es die Konzepte schon sehr lange gibt. Doch erst jetzt erlaubt die Verfügbarkeit großer Datenmengen gepaart mit stärkerer Rechenleistung, Künstliche Intelligenz produktiv einzusetzen.

Zwei US-Forscher prognostizieren, dass Computer 50 Prozent der Jobs in den USA übernehmen könnten.
Breuer:
Natürlich wird KI unsere Arbeit verändern. Neue Jobprofile werden entstehen, andere irgendwann verschwinden. Dazu muss man aber eine wichtige Unterscheidung machen: Roboter und Computer werden einzelne Tätigkeiten innerhalb eines Berufsbilds übernehmen, aber nur selten ganze Berufe. Eine Studie des McKinsey Global Institute kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass derzeit weniger als fünf Prozent aller Jobs voll automatisierbar sind. Aber in rund 60 Prozent aller Jobs sind bis zu einem Drittel der Tätigkeiten von KI machbar – und dies sind in der Regel Tätigkeiten, die auf Dauer langweilig sind, oder gar gefährlich. Mitarbeiter könnten sich dadurch auf wirklich wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren. Als Volkswirtschaft haben wir mit KI die Möglichkeit, trotz der alternden Gesellschaft unser Wachstumstempo zu halten.

Brauchen wir künftig Digital-Minister mit Wirtschaftshintergrund in den Regierungen, die den Wandel der Ökonomie und Gesellschaft mit Sachverstand und Sensibilität steuern?
Breuer:
Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Debatte über die Auswirkungen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Dabei sollten wir die Chancen und nicht nur die Risiken in den Blick nehmen. Dies sollte sich auch in der Politik abbilden.

Kritiker wie der Historiker Noah Harari behaupten, KI degradiere menschliche Erfahrung zum Produkt, das sich im Grunde nicht von anderen Produkten im Supermarkt unterscheidet. Stimmen Sie dem zu?
Breuer:
KI sollte immer nur ein Werkzeug sein, das dem Menschen dient, niemals umgekehrt. Als Gesellschaft müssen wir eine Debatte darüber beginnen, welche Möglichkeiten KI bietet und wo die Grenze verläuft.

 

Teil 1: Nehmt die Chancen in den Blick!

Teil 2: „Der Mensch wird niemals überflüssig werden“

Teil 3: „Cybersecurity sollte auf Vorstandsebene angesiedelt werden“

Das interessiert andere Leser

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Unternehmensbewertung - eine schwierige Angelegenheit?

    Kaum ein betriebswirtschaftlicher Sachverhalt gibt zu so verschiedenen Meinungen Anlass wie der Wert eines Unternehmens.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.