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Hamburg, 30.06.2017

Teil 3: „Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte auch zivilisatorisch umgesetzt werden”

Bislang handelt es sich bei KI-Anwendungen um „schwache Künstliche Intelligenz“, die auf anspruchsvoller Wahrscheinlichkeitsrechnung basiert. Halten Sie eine „starke KI“, also Computer mit eigenem Bewusstsein, für realistisch und moralisch vertretbar?
Krause:
Die Antwort zur moralischen Vertretbarkeit hängt sicher auch davon ab, in welchen Zusammenhängen eine sogenannte "starke KI" genutzt wird. Im Grundsatz betrachte ich Klünstliche Intelligenz nicht als Substitut zum Menschen, allerdings gibt es sicher auch Anwendungsfelder, wo man intensiver über die Grenzen der Nutzung von Künstlicher Intelligenz nachdenken sollte.

Kritiker wie der Historiker Noah Harari behaupten: KI degradiere menschliche Erfahrung zum Produkt, das sich im Grunde nicht von anderen Produkten im Supermarkt unterscheidet. Stimmen Sie dem zu?
Krause:
Die Bücher von Noah Harari sind sehr spannend und er greift viele wichtige Aspekte auf. In der Soziologie ist der Vorwurf von Produkt-Degradierung nicht neu. Denken Sie beispielsweise an die Ausführungen von Marx und Engels zum Warenfetischismus von vor über 150 Jahren im "Kapital". Ich denke, dass Noah Harari und andere Wissenschaftler wichtig sind, um uns den richtigen menschlichen Kompass in der Technisierung mitzugeben. Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte auch zivilisatorisch umgesetzt werden. Dies bedarf aber einer vertieften Debatte und lässt sich nicht in wenige Worte zusammenfassen.

Ein Zukunftsszenario wäre: Menschen bekommen irgendwann einen Chip ins Gehirn verpflanzt, der sie mit einer Cloud verbindet und die Kombinationsvorteile in eine enorm gesteigerte Leistungsfähigkeit ummünzt. Halten Sie das für realistisch?
Krause: Nachdem, was ich im Silicon Valley oder auch in der chinesischen Start-up-Szene gesehen habe, halte ich kaum noch etwas für unrealistisch. Dies betrifft aber eher den technischen Aspekt. Gesellschaftspolitisch wird sich zeigen, welche Leitplanken in den Fortschritt eingezogen werden beziehungsweise auch eingezogen werden müssen.

Was tun Sie persönlich, um mit den Herausforderungen der Zukunft Schritt zu halten? Wie bilden Sie sich weiter? Was empfehlen Sie Freunden?
Krause:
Ich habe sicher das große Glück, Partner einer Anwaltssozietät zu sein, die sich frühzeitig auf die Fahne geschrieben hat, die Technisierung und Implementierung von Künstlicher Intelligenz aktiv zu begleiten. Daher ist allein schon mein Arbeitsumfeld sehr inspirierend. Insoweit würde ich jedem auch nur empfehlen, heute in einem Arbeitsumfeld tätig zu werden oder mit Unternehmen zu arbeiten, die solche Prozesse denken und aktiv umsetzen. Das Thema lässt sich nicht allein abstrakt durch die Lektüre eines Buches begreifen.

Zur Person

Nils Krause leitet die deutsche Praxisgruppe Corporate/M & A der internationalen Anwaltssozietät DLA Piper – und begleitet die Implementierung Künstlicher Intelligenz in die Beratungspraxis

Teil 1: Neu fokussieren

Teil 2: Alternativlose Technologie

Teil 3: „Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte auch zivilisatorisch umgesetzt werden”

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