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Teil 2: „Lebenslanges Lernen muss Normalität und Realität werden“

Sieht es bei den Hochschulen besser aus?

Beer: Die Hochschulen sind besser aufgestellt als die Schulen, doch auch hier brauchen wir eine Qualitätsoffensive. Die digitale Revolution ermöglicht auch eine Revolution in Lehre und Forschung. Sinnvoll ist eine Optimierung der Zusammenarbeit von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Deshalb wollen wir auch regionale Plattformen unterstützen, die digitale Start-ups und mittelständische IT-Unternehmen mit digitalen Anwendern aus der Industrie und Wirtschaft zusammenbringen.

Stichwort lebenslanges Lernen: Was kann die Bildungspolitik leisten, um vor allem ältere Bürger bei der Einstellung auf digitale Anforderungen zu unterstützen?

Beer: Digitalkompetenz ist die Schlüsselqualifikation von morgen. Nicht nur für unter Zwanzigjährige. Lebenslanges Lernen muss vom Schlagwort endlich zur Normalität und Realität werden. Wir wollen dies gezielt unterstützen, etwa durch Bildungssparen, Weiterbildung in den Unternehmen und eine aktive Arbeitsmarktpolitik, die Weiterbildung auch von Beschäftigten fordert und fördert. So sichert man Aufstiegschancen für jeden jederzeit. Sind wir ehrlich: Lebenslanges Lernen bestimmt die Arbeitswelt von morgen. Darauf müssen wir alle vorbereiten – ohne dass man ihnen Angst macht. Wichtiger Partner sind hier die Unternehmen, sie sind am nächsten dran an den neuen Entwicklungen, haben selbst ein großes Interesse an dem besten Personal. Bestrebungen, hier staatliche Stellen, wie die Bundesagentur für Arbeit, zentral zu positionieren, sehen wir daher mit Skepsis. Hier wird schon heute zu oft am Markt vorbeigehandelt. Gleichzeitig dürfen wir die nicht aus dem Auge verlieren, die nicht mehr im Arbeitsprozess stehen, auch sie sind auf digitales Lernen angewiesen, um weiter aktiver Teil unserer Gesellschaft zu sein. Doch hier gilt gleichermaßen, dass nicht alles staatlich erfolgen muss: da lernt etwa die Oma vom Enkel oder der Opa im Seniorenkreis. Wir müssen als Gesellschaft aber offen dafür sein, dass Digitalisierung uns alle betrifft und uns hierauf einstellen.

Arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft in ausreichendem Maße zusammen, um die digitale Transformation zu meistern?

Beer: Eine Optimierung bei der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft ist immer sinnvoll. Was in der Pharmaindustrie schon lange Gang und Gäbe ist, kann hier ein Beispiel sein. Ich bin überzeugt: Gerade bei der Digitalisierung können sich theoretische Ansätze und Praxisbezug gegenseitig befruchten. Deshalb wollen wir bundesweit regionale Plattformen unterstützen, welche digitale Start-ups und mittelständische IT-Unternehmen einerseits und digitale Anwender aus Industrie und Wirtschaft andererseits zusammenbringen. Gemeinsam mit der Wissenschaft kann diesen Unternehmen auf solchen Plattformen die Transformation gelingen.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland lebt von seinen Innovationen. Wird die Erforschung digitaler Zukunftsthemen vom Staat ausreichend finanziell unterstützt?

Beer: Nein. Deshalb wollen wir Freien Demokraten eine technologieoffene steuerliche Forschungsförderung einführen. Dadurch sollen die Unternehmen in Deutschland einen bestimmten Prozentsatz ihrer Personalaufwendungen für Forschung und Entwicklung als Forschungsprämie in Form einer Steuergutschrift erhalten. Forschung und Innovationen werden also indirekt über das Steuersystem gefördert. Denn die Stärke unserer Wirtschaft liegt in der Innovationskraft der Unternehmen, in Spitzentechnologien, -produkten und -dienstleistungen. Und das umso mehr im digitalen Zeitalter. Daher sind FuE-Investitionen entscheidend für die künftige Wettbewerbsfähigkeit und damit für Arbeitsplätze und Wohlstand. Die bestehenden Förderinstrumente, wie die Projektförderung mit direkten Mitteln, reichen hier nicht aus. Sie ist vor allem für kleine und mittlere Unternehmen wegen der vielen Auflagen und übermäßigen Bürokratie unattraktiv. Die steuerliche Forschungsförderung ist dagegen unbürokratisch, da Projektanträge und Genehmigungsverfahren entfallen. Zudem können die Unternehmen gleichermaßen davon profitieren, unabhängig von der Branche oder Art und Inhalt der Innovationsideen. Viele andere OECD- und EU-Mitgliedsstaaten verfügen bereits über dieses Instrument. Auch die Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung empfiehlt seit Jahren, die steuerliche Forschungsförderung einzuführen. Das wollen wir tun, damit deutsche Unternehmen nicht länger einen Standortnachteil haben. Wir wollen, dass die Forschungsprämie mit der Steuerschuld verrechnet oder – im Verlustfall – als „Negativsteuer“ ausgezahlt wird. Diese Liquiditätsspritze hilft besonders Start-ups und Unternehmen in Erneuerungs- oder Krisensituationen. Zusätzlich wollen wir das Ertragssteuerrecht entschärfen, damit Forschung und Entwicklung in Deutschland nicht unnötig durch kleinteilige Regelungen verteuert werden.

Teil 1: „Dringend aufholen“

Teil 2: „Lebenslanges Lernen muss Normalität und Realität werden“

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