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Teil 3: „Standortfaktor Datenschutz“

Arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft in ausreichendem Maße zusammen? 

von Notz: Auch diese Frage kann ich leider nur bedingt beantworten. Mein Eindruck ist der, dass die Zusammenarbeit in manchen Bereichen schon sehr gut funktioniert, in anderen noch nicht. Ich halte Kooperationen von Wissenschaft und Wirtschaft für durchaus gewinnbringend – sofern sie auf Augenhöhe geschehen. Gerade im Studium halte ich einen Praxisbezug für extrem wichtig und kann jeden Studierenden nur ermuntern, dort, wo es noch keine Kooperationen seiner Hochschule mit der Wirtschaft oder dem öffentlichen Bereich gibt, sich selbstständig und möglichst frühzeitig um Praxiserfahrungen zu kümmern.

Sollten Unternehmen mit Förderungen der öffentlichen Hand bei der Umstellung auf digitale Prozesse unterstützt werden?  

von Notz: Ja, ich halte eine stärkere staatliche Unterstützung für dringend geboten. Erste Angebote gibt es ja bereits, gleichzeitig könnte hier ohne Frage mehr geschehen. Als Grüne Bundestagsfraktion haben wir beispielsweise vorgeschlagen, dass – gerade kleine und mittlere – Unternehmen sehr viel stärker staatlicherseits dabei unterstützt werden, auf höchste IT-Sicherheitsstandards umzurüsten. Wie wichtig dies ist, zeigen uns die beinah täglich eintreffenden Meldungen über Datenskandale und Hacks. Die Palette möglicher Instrumente zur Unterstützung ist dabei sehr breit gefächert. Sie reicht von Unterstützung bei Fortbildungsmaßnahmen über Anreizsysteme wie Auditierungen bis zu Steuererleichterungen für Investitionen in gute IT-Sicherheitslösungen.

Ist das in der deutschen Kultur verankerte Sicherheitsdenken ein Hindernis für disruptive Geschäftsmodelle?

von Notz: Ich halte das für Quatsch. Vertrauen ist die Währung im Internet. Ein moderner, innovativer Datenschutz verhindert keine Geschäftsmodelle, sondern ist deren Grundlage. Gute IT-Sicherheit und innovativer Datenschutz sind längst zu einem wichtigen Standortfaktor geworden. Das haben nur noch nicht alle erkannt.

Warum haben wir in Deutschland keinen Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg?

von Notz: Wir haben dafür andere schlaue Köpfe, die sich zudem an Recht und Gesetz gebunden fühlen und wissen, dass auch Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung tragen. Ihre Frage zielt ja auch auf den großen digitalen Gap zwischen der EU und den USA ab. Viel zu lange haben EU-Kommission und Bundesregierung die Bedeutung digitaler Themen nicht erkannt. Die entstandene Lücke ist sicherlich auch durch eine verfehlte Digitalpolitik der letzten Jahre zu erklären, die eben oftmals alles andere als innovationsfreundlich war. Entscheidungen wie die, das Leistungsschutzrecht für wenige große Presseverlage einzuführen oder die Netzneutralität zugunsten weniger großer Telekommunikationsanbieter, aber zulasten vieler kleiner Anbieter zu opfern, sind einfach verheerend, was die Entwicklung innovativer digitaler Anwendungen angeht.

Teil 1: „Digitaler Wandel braucht aktive politische Gestaltung“

Teil 2: „Medienkompetenz hat Schlüsselrolle in digitaler Gesellschaft“

Teil 3: „Standortfaktor Datenschutz“

Teil 4: „Soziale Medien als Bereicherung“

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