Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

„Digitaler Wandel braucht aktive politische Gestaltung“

Grünen-Netzexperte Konstantin von Notz glaubt, dass die Regierung mit dem digitalen Wandel überfordert ist.


 

Konstantin von Notz ist netzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied im Bundestagsausschuss Digitale Agenda (Foto: von-notz.de)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Smartphone-gesteuerte Häuser und Autos für Fortgeschrittene, E-Commerce, Fitness-Apps und Social Media für jedermann – Digitalisierung verändert Arbeitswelt und Lebensgewohnheiten zunehmend. Wie empfinden Sie diese Umbrüche?

Konstantin von Notz: Die durch die Digitalisierung hervorgerufenen Umbrüche sind zweifellos disruptive, das heißt sie ändern die Art und Weise wie wir zusammenleben, wie wir kommunizieren, wie wir uns fortbewegen, wie wir arbeiten und vieles andere mehr, sehr grundlegend. Vormals geltende gesellschaftliche Übereinkünfte laufen heute oftmals ins Leere. Deutlich wird: Der digitale Wandel unserer Gesellschaft braucht eine aktive politische Begleitung.

Ist die Politik gerüstet, um Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft auf die digitale Zukunft vorzubereiten? Welche gesetzgeberischen Änderungen beziehungsweise welcher Abbau bürokratischer Hürden sollte erfolgen?

von Notz: Der Deutsche Bundestag zumindest hat sich in den vergangenen Jahren sehr intensiv mit all diesen Fragestellungen auseinandergesetzt. Unter anderem die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ hat sich der Herausforderung der Gestaltung des digitalen Wandels angenommen, eine umfassende Bestandsanalyse vorgelegt und mehrere Hundert Handlungsempfehlungen für den Gesetzgeber formuliert. Die Bundesregierung hat diese leider nicht aufgegriffen. Sie hechelt dem digitalen Wandel weiter hinterher.

Welche infrastrukturellen Aufgaben sind für die digitale Transformation zu erfüllen?

von Notz: Ob der Breitbandausbau, der Datenschutz, das Urheberrecht, die Netzneutralität oder innovative E-Government-Anwendungen – an netzpolitischen Großbaustellen mangelt es sicher nicht. Dennoch kommen wir in zentralen Fragen seit Jahren kein Stück voran. Das ist bitter und vor allem das Resultat einer absolut unzureichenden digitalpolitischen Koordinierung innerhalb der Bundesregierung. Die Bundesregierung scheint mit den unumstritten großen digitalpolitischen Herausforderungen schlicht überfordert.

Wie sollen Bundesbürger aufgefangen werden, die mit den Verwerfungen nicht zurechtkommen? 

von Notz: Dem Staat kommt eine wichtige Schutzfunktion zu. Er muss seine Bürgerinnen und Bürger effektiv vor Überwachung und Ausspähung schützen und dafür sorgen, dass mühsam erkämpfte Verbraucherrechte nicht einfach online ausgehebelt werden. Doch all dies tut man bis heute nicht. Stattdessen hat man über Jahre auf Selbstverpflichtungen von Facebook und Co. gesetzt – und ist gescheitert. Die Bedeutung eines effektiven Grundrechtsschutzes in der digitalen Welt hat man jedoch noch immer nicht erkannt. Das ist bitter, sowohl für den Schutz unserer Grundrechte als auch für die Wirtschaft. Denn Nutzerinnen und Nutzer werden innovative digitale Angebote nur dann gebrauchen, wenn sie diesen auch vertrauen können. Insgesamt müsste die Bundesregierung ihrer Schutzverantwortung endlich gerecht werden. Darüber hinaus brauchen wir eine möglichst lebenslange Vermittlung von Medienkompetenz. Sie ist eine Schlüsselqualifikation in der digitalen Welt.

Teil 1: „Digitaler Wandel braucht aktive politische Gestaltung“

Teil 2: „Medienkompetenz hat Schlüsselrolle in digitaler Gesellschaft“

Teil 3: „Standortfaktor Datenschutz“

Teil 4: „Soziale Medien als Bereicherung“

Nach oben



Das interessiert andere Leser

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

  • Seit 2012 Blockchain-User

    Estland ist digital ganz vorn dabei. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.

  • Bessere Entscheidungen

    Über 600 Millionen Euro an ausgezahlten Krediten – auxmoney ist ein führender Kreditmarktplatz in Kontinentaleuropa. CEO Raffael Johnen über die Digitalisierung des Kreditmarkts.

  • Erfolgsrezept: Loslassen lernen

    Ein pragmatischer Ansatz zur Umsetzung eines Nachfolgeprojektes bei einem Mittelstandsunternehmen in der metallverarbeitenden Industrie.

  • Unternehmensbewertung: Das müssen Sie beachten!

    Unternehmen zu bewerten ist alles andere als trivial. Es kommen verschiedene Methoden infrage. Wie sich ein Preis für ein Unternehmen ermitteln lässt, zeigt unsere Übersicht.

  • 20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich absprechen zu müssen – das sind nur einige der Vorteile. Doch viele unterschätzen den Aufwand und die neue Verantwortung.

  • Deutsche Unternehmen zögerlich beim Kauf von Startups

    Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchen Unternehmen Innovationen. Startups zu übernehmen, ist aber nicht an der Tagesordnung.

  • Das sind die wichtigsten Kommunikationsregeln bei einer M&A Transaktion

    Wenn eine Firma die andere kauft, dann kann viel schiefgehen. Eine laienhafte Kommunikation ist eine große Gefahr für eine M&A Transaktion.

  • Wie läuft die Systemintegration ab?

    Eine Hauptleistungspflicht des Franchisegebers ist es, den Franchisenehmer in das Franchisesystem zu integrieren. Erfahren Sie mehr über den Ablauf und die Inhalte der Systemintegration.

  • Stressfrei studieren

    Studieren gleicht einem Fulltime-Job. Klausuren, Hausarbeiten und knappe Deadlines treiben den Adrenalinspiegel deutlich in die Höhe. Was dagegen hilft.

  • CEO-Interview: Dynamischer Prozess

    Künstliche Intelligenz avanciert zum Treiber des digitalen Wandels. Im DUB UNTERNEHMER-Magazin geben CEOs und führende Manager exklusive Einblicke in die Transformationsprozesse ihrer Unternehmen.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • So sieht eine ideale Digital Due Diligence aus

    Ob ein Unternehmen fit für die digitale Zukunft ist, lässt sich mit der Digital Due Diligence überprüfen. Ein Teil davon ist die IT Due Diligence.

  • Welches Konzept passt zu mir?

    Ein Franchisesystem, das universeller Erfolgsgarant für jedermann ist, gibt es nicht. Das Konzept sollte Ihnen ein solides Einkommen bieten - da ist sorgfältiges Selektieren angesagt.

  • Judoka ist „Sport-Stipendiat des Jahres 2017“

    Theresa Stoll, EM-Zweite und Medizin-Studentin, ist „Sport-Stipendiat des Jahrs 2017“– eine Auszeichnung von Deutscher Bank und Deutscher Sporthilfe.

  • Leasing: Tipps für Gewerbetreibende

    Bei Firmenwagen ist Leasing weit verbreitet. Worauf Unternehmer im Kleingedruckten achten müssen und welche Alternativen es gibt.

  • Konfliktsituationen in Franchise-Partnerschaften

    Wie das Risiko von Konflikten in Franchise-Partnerschaften reduziert werden kann, lesen Sie hier.

  • „Zuschüsse nutzen“

    Nicht nur Käufer von Unternehmen haben Anrecht auf finanzielle Unterstützung, es gibt sie auch für Verkäufer.

  • Prinzip einfach

    Um zu unternehmerischem Wachstum zu gelangen, müssen Unternehmer eine passende Vorgehensweise entwickeln. Überzeugend sind Strategien, die sich in wenigen Worten zusammenfassen lassen.

  • Die Rolle der D&O-Versicherung für Unternehmensnachfolger

    Haben Sie als Unternehmensnachfolger schon geprüft, ob das begehrte oder bereits gekaufte Unternehmen über eine D&O-Versicherung verfügt?

  • Franchisegründungen haben Vorteile bei der Finanzierung

    Eine Gemeinsamkeit haben Franchise- und Individualgründungen auf jeden Fall – das Vorhaben muss solide und langfristig finanziert sein. Welche Vorteile Franchisegründungen haben, lesen Sie hier.

  • Digitalisierung der Integration von neuen Franchise-Partnern in das Franchise-System

    Erfolgreiches Franchising braucht einen Mix aus Online- und Offline-Medien. Lesen Sie hier, wie sich solch ein Mix zusammensetzen könnte.

  • Exklusivinterview: Grundeinkommen? Nein.

    Die Bundeskanzlerin stand der Redaktion Rede und Antwort zu Fragen der Zukunft.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick