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Teil 3: „Mehr Risiko wagen“

Inwieweit ist das in der deutschen Kultur verankerte Sicherheitsdenken ein Hindernis für die schnelle Entwicklung disruptiver Geschäftsmodelle? 

zu Guttenberg: Es ist richtig: Wir haben nicht annähernd das gleiche Risikoverständnis wie etwa auf der anderen Seite des Atlantiks. Dies hat viel mit einer uns eigenen Mentalität der Stigmatisierung von Scheitern zu tun. Umgekehrt muss man aber auch sagen, dass manche Bewertung hanebüchener Geschäftsmodelle im Silicon Valley ein Sicherheitsnetz der Vernunft vertragen könnte. Wir sollten kreativ die besten Eigenschaften beider Welten zu kombinieren suchen. Dies ist bislang nicht wirklich gelungen.

Warum haben wir in Deutschland keinen Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg? 

zu Guttenberg: Da fehlen Grundvoraussetzungen. Die Honorierung von Risikobereitschaft, entsprechende Kapitalunterfütterung und eine sogenannte Moonshot-Mentalität. Letztere begreift neue – auch fragwürdige – Monopolstrukturen als Chance, das scheinbar Unmögliche wagen zu können, ohne dabei täglich auf die Quartalszahlen schielen zu müssen.

Arbeiten global agierende digitale Branchenriesen gegen die offizielle Politik?

zu Guttenberg: In einigen Bereichen selbstverständlich, auch wenn sie anderes behaupten. Oder anders ausgedrückt: Die großen Technologiekonzerne haben längst traditionelle politische Felder erobert und einen enormen geopolitischen Einfluss. Ich nenne das „von Government zu Googlement“. Nicht alles davon ist schlecht, es muss nur verstanden werden. Die Politik indes ist längst Getriebene und nicht mehr gestaltend in diesem Sektor tätig.

Die US-Wahlen haben die Relevanz sozialer Netzwerke für den Ausgang einer Wahl gezeigt: Kurze, schnelle Polemik mobilisiert Massen. Wie verändert das die Politik?

zu Guttenberg: Grundlegend. Sollte Trump aber nicht liefern, was er in seinen Twittertiraden versprochen hat, birgt dies auch eine Chance dahingehend, dass die Nachfrage nach Substanz und schlüssigen Inhalten wieder steigt.

Wie hat die Digitalisierung Ihren ganz persönlichen Alltag in Beruf und Freizeit verändert? Gibt es digitale Produkte oder auf digitalen Prozessen basierende Dienstleistungen, die Sie besonders faszinieren?

zu Guttenberg: Alles im Bereich der künstlichen Intelligenz fasziniert und erschreckt mich zugleich. Aber es motiviert mich auch, mich damit in der Tiefe zu befassen und mich nicht abzuducken, sondern zu den Risiken und Potenzialen offen Stellung zu beziehen – egal ob das nun allen gefällt oder nicht.

Teil 1: „Der Wille in Berlin ist erkennbar“

Teil 2: „Globale Konzerne in die Verantwortung nehmen“

Teil 3: „Mehr Risiko wagen“

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