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Teil 2: „Chancen der Digitalisierung sehen“

Wie sollen Bundesbürger aufgefangen werden, die mit den Verwerfungen nicht zurechtkommen?

Spahn: Lassen Sie uns nicht nur über Risiken, sondern auch über Chancen der Digitalisierung reden. Die Kommunikation wird interaktiver, vielschichtiger, aber auch schneller. Umso wichtiger sind Inseln der Ruhe und Einkehr sowie Traditionen. Deshalb sollten wir uns den arbeitsfreien Sonntag, Karneval oder Schützenfeste unbedingt erhalten. Und es gibt viele Beispiele dafür, dass Menschen neue Techniken viel schneller effektiv gebrauchen, wenn sie benutzerfreundlich gestaltet sind. Ich habe meiner Mutter kürzlich ein Smartphone geschenkt. Sie ist über 60 und kommt wunderbar damit zurecht.

Was machen Taxi- und Lkw-Fahrer, wenn autonomes Fahren Standard wird? Was wird aus Krankenpflegern, wenn Roboter ihre Aufgaben übernehmen? Was wird aus Postboten, wenn die Auslieferung von Briefen und Paketen mithilfe autonomer Autos oder Drohnen funktioniert?

Spahn: Ihre eigentliche Frage lautet: Was machen Roboter? Ergänzen oder ersetzen? Übernehmen sie künftig unsere Aufgaben komplett? Gerade im medizinischen Bereich wird hier aktuell viel experimentiert, und immer wieder zeigt sich: Der Mensch ist nicht maschinell zu ersetzen. Aber Robotisierung spart Zeit. Für Arbeitnehmer heißt das vor allem: weniger Routinetätigkeiten.

Soziale Medien haben die öffentliche Wahrnehmung von Personen in Politik und Wirtschaft drastisch verändert. Die US-Wahl hat die Macht von Facebook und Twitter demonstriert. Welche Herausforderungen bringt diese Entwicklung mit sich?

Spahn: Social Media ersetzen keinen persönlichen Kontakt, formen aber maßgeblich die öffentliche Meinung. Natürlich ist das auch für uns Thema. Eine einfache Sprache, wie Donald Trump sie nutzt, ist hohe Kunst. Unabhängig vom Inhalt kann man hier viel lernen. Tatsächlich sind Infos aus erster Hand nicht mehr so interessant. Kam früher ein Abgeordneter aus Bonn in den Wahlkreis, war der Saal voll. Heute kommen bestenfalls 20 Zuhörer.

Was kann der Bildungssektor leisten, um vor allem ältere Bürger bei der Vorbereitung auf digitale Anforderungen zu unterstützen?

Spahn: Kreativität fördern durch projektbezogenes Arbeiten und Tablets für jeden Schüler wären ein Anfang. Im Geschichts- und Deutsch-Unterricht hilft der Einsatz digitaler Medien, um die kritische Wahrnehmung zu schulen, um bei der täglichen Informationsflut Wahrheit und Lüge besser zu unterscheiden.

Teil 1: „Politiker müssen verstehen und politisch unterstützen“

Teil 2: „Chancen der Digitalisierung sehen“

Teil 3: „Nicht immer die Ersten, aber oft die Besten“

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