Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 30.06.2017

Alles unter Kontrolle

KI braucht den Menschen, sagt Hagen Rickmann, Chef des Telekom-Geschäftskundenbereichs. Ein besseres Bildungssystem ist Basis dafür.


Hagen Rickmann ist Geschäftsführer des Geschäftskundenbereichs Telekom Deutschland (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Welches Potenzial trauen Sie der Künstlichen Intelligenz (KI) zu? Wirkt sie revolutionär wie Buchdruck oder Dampfmaschine?
Hagen Rickmann:
Das Potenzial von KI ist riesig. Aber der Vergleich mit der Dampfmaschine hinkt. Heute führen wir neue Technologien schnell, aber schrittweise ein. Von Revolution möchte ich daher nicht sprechen. In der Produktion ist KI die Basis für intelligente Maschinen, die sich selbst steuern. Heute vernetzen wir die Maschinen mit der Produktionssteuerung, die allerdings noch immer in der Hand von Menschen liegt. Zukünftig tauschen Maschinen Daten untereinander aus. Der Mensch kontrolliert dann nur noch. Meiner Meinung nach sollten Mensch und Maschine gemeinsam an Lösungen arbeiten. Nur dann kann KI ihr volles Potenzial entfalten.

Die Forscher Frey und Osborne prognostizieren, dass Computer in den USA 50 Prozent der Jobs übernehmen könnten. Kann KI auch hier die Arbeitswelt verändern?
Rickmann:
Unsere Arbeitswelt wird sich sicher verändern. Maschinen und Computer werden Tätigkeiten übernehmen, für die wir bislang Menschen brauchten. Ich bezweifle aber, dass KI jegliche menschliche Arbeitskraft überflüssig macht. Wir werden ganz neue Jobprofile bekommen, und das ist keineswegs neu. Als in den 90er-Jahren immer mehr Computer in Büros einzogen, sprachen alle vom papierlosen Büro. Bis jetzt ist das allerdings Vision geblieben. Drucker- und Papierhersteller sind keineswegs verschwunden.

Bringt diese Technologie neue Jobs und Wohlstand?
Rickmann: Die Berufsbilder verändern sich schon seit zwei Jahrzehnten. Früher gab es den Kfz-Mechaniker. Heute heißt er Mechatroniker. Das ist nicht einfach alter Wein in neuen Schläuchen. Hier werden Ausbildungen an die neuen technischen Gegebenheiten angepasst. Ähnliches passiert in der Industrie überall. Früher war eine Fertigungshalle in der Autoindustrie voller Mitarbeiter. Heute bestimmen Roboter das Bild, übernehmen die Montage von Autoteilen. Die Menschen kontrollieren oder sind für einzelne Montageschritte verantwortlich. Und ich denke, in der deutschen Autoindustrie verdienen die Beschäftigten nach wie vor gutes Geld. Eine drohende Gefahr ist sicherlich das weitere Auseinanderdriften der Löhne und damit der Gesellschaft. Viele neue Jobs brauchen sehr gut ausgebildete Menschen. Wer nicht qualifiziert ist, landet im Niedriglohnsektor. Wir müssen also alles daransetzen, unser Bildungssystem an die neuen Herausforderungen anzupassen und unsere Kinder so gut wie möglich auf das Berufsleben vorbereiten. Und bitte auch auf die Digitalisierung.

KI-Anwendungen brauchen drei Dinge: Algorithmen, enorme Rechenkapazitäten und vor allem Unmengen von Daten. Kann Ihr Unternehmen das alles selbst stemmen oder setzen Sie auf Kooperationen beispielsweise mit Start-ups oder etablierten Anbietern von Cloud-Services?
Rickmann: Cloud-Services und Rechenkapazitäten bietet die Telekom selbst. Aber wir kooperieren in sehr vielen Bereichen. Die Komplexität solcher Anwendungen ist so groß ist, dass sie Spezialisten als Partner brauchen. Das können Startups und etablierte Unternehmen sein. Startups bieten wir zum Beispiel Sonderkonditionen für Rechenkapazitäten oder entwickeln mit ihnen gemeinsam Komplettlösungen, die wir unseren Kunden anbieten.

Verfügen Sie über das Personal, um intern die nötigen Prozesse und Schnittstellen abbilden zu können?
Rickmann: Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viele neue Mitarbeiter rekrutiert, die mit ihrer Kompetenz genau diese neuen Felder abdecken. Zudem führen wir durch umfassende interne Qualifizierungsprogramme an die neuen Themen heran.

Zur Person

Nach dem BWL-Studium arbeitete Hagen Rickmann als Unternehmensberater und war sieben Jahre lang in der Geschäftsführung von HP/EDS. 2009 kam er zum Telekom-Konzern. Heute ist er Geschäftsführer des Geschäftskundenbereichs Telekom Deutschland

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Ideen innen und aussen

    Beim Innovationsforum 2015 in Frankfurt am Main sprachen vier Konzernlenker darüber, welche Quellen sie anzapfen, um neue Ideen zu generieren.

  • Aufs große Spielfeld

    Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, sagt, was passieren muss, damit Europa nicht den Anschluss verliert.

  • Was bleibt, was kommt

    Ob Digitalisierung, Mobilität, Demografiewandel – Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Wer erfolgreich sein will, muss sich dem globalen Wandel stellen.

  • Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen.
    Weg mit dem Server

    Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen – wenn sie richtig eingesetzt wird. Zwei Experten sagen, wie sie am besten eingeführt wird.

  • Über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und das Ende des klassischen Beratungsgeschäfts.
    Roboter statt Banker

    Prof. Dr. Martin Hellmich über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und wie Mittelständler von den neuen Angeboten profitieren.

  • 7 Tipps für eine gelungene Franchise-Vertragsunterzeichnung.
    Erst Verträge schließen, dann Geld verdienen

    Vertragslaufzeit, Einkaufsbedingungen Gebührenhöhe – Franchisenehmer müssen sich mit dem Kleingedruckten befassen. 7 Tipps für eine gelungene Vertragsunterzeichnung.

  • Die Entdeckung Europas

    Aus AG wird SE - Immer mehr deutsche Firmen werden ihrer Rechtsform nach europäisch. Die Vorteile: mehr Flexibilität beim Management, aber auch bei Mitbestimmung und Verlagerungen.

  • Mischung mit System

    Geldanlegen wie die Profis - das war lange Zeit nur vermögenden Investoren vorbehalten. Doch jetzt mischen Multi-Asset-Fonds den Markt auf.

  • Werben Sie jetzt auf der DUB-Franchisebörse

    Seit Jahren suchen Unternehmer in spe bei DUB.de Ihr eigenes Unternehmen. Bieten Sie finanzstarken Interessenten ein neues Zuhause unter Ihrem Dach.

  • Alles im Fluss

    Istanbul steht auf der Liste der beliebtesten Spots für Städtetrips ganz oben. Mit einem privaten Guide kann man die Stadt abseits der Touristenströme entdecken.

  • Welches Preisschild trägt ein Lebenswerk?

    Über Jahre hat Kirsten Schubert im Unternehmen ihres Vaters mitgearbeitet. Bis er unerwartet starb. Statt trauern zu können, musste sie die Firma verkaufen. Ein Erfahrungsbericht.

  • Anstand zahlt sich aus
    Anstand zahlt sich aus

    Der Gründer des Club of Hamburg, Frank Breckwoldt, erklärt, warum sich Wertschätzung und Verbindlichkeit gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und Kunden lohnen.

  • Unternehmer per System

    Mit Franchising kann der Traum von der unternehmerischen Selbstständigkeit schnell wahr werden. Richtig angepackt, können beide Seiten profitieren.

  • Deckung oben halten

    Abischerung ist oft nicht das Erste, an das Entrepreneure denken. Doch die Altersvorsorge, die Deckung betrieblicher Risiken zählen.

  • Bester Agrarunternehmer zum „Landwirt des Jahres“ gekürt

    Bei der „Nacht der Landwirtschaft“ wurden zum zweiten Mal die begehrten „CeresAwards“ für innovative Ideen und verantwortungsvolles Wirtschaften verliehen.

  • Mach dein Ding!

    So manch erfahrener Konzernmanager liebäugelt mit einem Chefsessel im Mittelstand. Und viele Unternehmer suchen dringend einen Nachfolger. So kommen beide zusammen.

  • Digital-Know-how für alle

    Wie externe Beiräte dabei helfen, Unternehmen einen Weg durch die digitale Revolution zu weisen.

  • Print ist nicht tot

    Mindshare-Chef Christof Baron erklärt, warum gedruckte Medien im Zeitalter der Digitalisierung unterschätzt werden und Inhalte so wichtig sind wie der Kanal.

  • Erfolgreiches Franchising in fünf Schritten

    Franchise erleichtert den Weg in die Selbstständigkeit. Die Systeme sind allerdings bei weitem kein Selbstläufer. Diese fünf Tipps sollten angehende Franchise-Nehmer beachten.

  • Werbe lieber ungewöhnlich

    Für einen wirksamen Mix aus klassischen und digitalen Instrumenten gehört vor allem Mut zum Wagnis. Experten und Unternehmer verraten, wie Sie ihrer Firma Gehör verschaffen.

  • Glamour + Camping = Clamping

    Komfort-Camping führt längst kein Nischendasein mehr. Das liegt nicht zuletzt an den weltweit entstehenden Glamping-Angeboten, die Natur, Abenteuer und Fünf-Sterne-Niveau miteinander kombinieren.

  • Sophia Saller
    Sport-Stipendiatin des Jahres 2015

    Und die Gewinnerin ist ... Sophia Saller! Die U23-Weltmeisterin im Triathlon und Mathematikstudentin in Oxford wurde zur „Sport-Stipendiatin des Jahres“ 2015 gekürt.

  • Ohne Moos nichts los

    Wie bekomme ich einen Gründerkredit? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Cash per Klick
    Cash per Klick

    Fintechs sind auf dem Vormarsch. Die Online-Vermittler bringen Kredite flexibler und oft günstiger an die Kunden als Banken. Die Finanzwelt steht vor einem großen digitalen Wandel.

  • Freund oder Feind?

    Seit 129 Jahren steht Daimler für Mobilität. Geht es nach Apple und Google, hat die Ära der Automobilbauer nun ein Ende. Ein Gespräch mit Vorstandschef Dieter Zetsche.

  • Nichtstun ist das neue Arbeiten

    Entrepreneure kennen keinen Feierabend. Dabei ist Nichtstun viel effizienter, sagen Fachleute. Eine Anleitung zum produktiven Müßiggang.

  • Mythos Cholesterin

    Wann ist Cholesterin gut? Wann ist es schlecht? Was sollte man bei der Ernährung beachten? Eine Fachärztin steht Rede und Antwort.

  • Reisetipp: Basel

    Basel ist die Kulturhauptstadt der Schweiz. Kunst- und Architekturhighlights säumen das Rheinufer. Heute steht Basel für Lebensqualität. Ein kleiner Reiseführer.

  • „Zweifel zermürbten mich“

    Niemand spricht gern über sie: Verunsicherung wird besonders Chefs schnell als Schwäche ausgelegt. Wie Unternehmer mit Zweifeln an sich selbst umgehen und wieder Kraft schöpfen können - ein Erfahrungsbericht.

  • Putten mal anders

    Strikte Kleiderordnung und gediegenes Clubhaus waren gestern. Viele Golfspieler wollen mehr. Sie suchen nach unterhaltsamer Atmosphäre auf dem Platz. Zwei Turnierveranstalter aus dem Norden bieten genau das.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick