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Teil 3: „Datenschutz ‚made in Germany’ hat einen hervorragenden Ruf“

Inwieweit ist das in der deutschen Kultur verankerte Sicherheitsdenken ein Hindernis für die schnelle Entwicklung disruptiver Geschäftsmodelle? 

Reichenbach: Ich glaube, dass es kein Hindernis ist, im Gegenteil, wir haben da einen Vorteil. Je weiter die Digitalisierung alle Lebensbereiche durchdringt, umso wichtiger werden Sicherheitsfragen. Den Vorteil, den wir da haben, sollten wir nutzen und nicht niederreden. Sicherheit und Datenschutz „made in Germany“ haben weltweit einen hervorragenden Ruf und ich bin mir sicher, dass die Nachfrage danach mit fortschreitender Digitalisierung eher steigen als zurückgehen wird.

Warum haben wir in Deutschland keinen Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg? 

Reichenbach: Weil wir in Deutschland keine milliardenschweren Environments haben, die wie in den USA durch private Investoren und erhebliche staatliche Nachfrage aufgebaut wurden und in denen Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg überhaupt erst entstehen konnten.

Unterlaufen digitale Branchenriesen wie Google und Facebook die offizielle Politik?

Reichenbach: Die Gefahr besteht. Immer mehr Bürger spüren, dass die demokratischen Institutionen ihren Gestaltungsanspruch gegenüber der Wirtschaft zunehmend aufgegeben haben, und wenden sich autoritären Strukturen zu. Wir müssen ihr Vertrauen in demokratisch legitimierte Politik zurückgewinnen und unseren Gestaltungsanspruch durchsetzen.

Die US-Wahlen haben die Relevanz sozialer Netzwerke für den Ausgang einer Wahl gezeigt: Kurze, schnelle Polemik mobilisiert Massen. Wie verändert das die Politik?

Reichenbach: Wir dürfen uns dem nicht kampflos hingeben, weil dies das Ende eines jeden demokratischen Gestaltungsanspruchs bedeuten würde und Politik nur noch zum abhängigen Vektor von geschürten Emotionen würde. Die Menschheitsgeschichte zeigt, dass dies nie gut ausgegangen ist. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass die Ursachen dafür viel tiefer liegen, wie ich bereits erläutert habe. Wir müssen nicht nur die Symptome, sondern die Ursachen bekämpfen.

Wie hat die Digitalisierung Ihren ganz persönlichen Alltag in Beruf und Freizeit verändert? Gibt es digitale Produkte oder auf digitalen Prozessen basierende Dienstleistungen, die Sie besonders faszinieren?

Reichenbach: Auf meinen beruflichen Alltag hat Digitalisierung natürlich immense Auswirkungen. Das bringt Vorteile, die aber oft auch von sogenannten Zeitfressern wieder zunichtegemacht werden. Trotzdem ist heute, ich nehme etwa das Beispiel Urlaubsplanung oder Aufenthalt im Ausland, vieles einfacher geworden. Besonders faszinierend finde ich Entwicklungen in der Dritten Welt, wo man mit hilfe von Digitalisierung und mobiler Kommunikation fehlende Infrastrukturen oder Möglichkeiten zu ersetzen sucht und dabei auch riesige qualitative Schritte macht. Und dies oft vorbei an den großen Konzernen und Plattformen mit Open Sources, Commons und eher kollektivistisch organisierten Strukturen.

Teil 1: „Nicht prioritär die Deregulierung vorantreiben“

Teil 2: „Selbstbewusste Politik betreiben"

Teil 3: „Datenschutz ‚made in Germany’ hat einen hervorragenden Ruf“

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