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Teil 2: „Selbstbewusste Politik betreiben“

Soziale Medien haben die öffentliche Wahrnehmung von Personen in Politik und Wirtschaft drastisch verändert. Welche Herausforderungen bringt diese Entwicklung mit sich?

Reichenbach: Dies ist eine Herausforderung, die an die Grundfesten unserer Demokratie geht. Ich nenne nur die Stichworte kontrafaktisches Zeitalter, Meinungsbubble, Algorithmen basierte Radikalisierung oder Social Bots. Diese Auseinandersetzung können wir mit den klassischen Mitteln politischer Kommunikation allein nicht mehr gewinnen. Hier muss viel mehr in die Entwicklung von technischen Gegenmitteln investiert werden, und wir können die Plattformanbieter dabei auch nicht aus der Verantwortung entlassen. Dabei müssen wir gleichzeitig peinlich darauf achten, dass wir das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht in seinem Grundrechtskern verletzen oder Zensurtechniken etablieren. Bezüglich der Mechanismen, die da wirken und möglicher Abhilfe haben wir noch erheblichen Forschungsbedarf. Und natürlich müssen wir dafür sorgen, dass der Umgang mit der digitalen Welt, Fragen von Sicherheit und Datenschutz in den Schulen in allen Fachcurricula verankert werden. In der universitären Ausbildung und in der Berufsausbildung müssen wir uns noch mehr darauf konzentrieren, für die Zukunft auch ausreichend Fachkräfte zur Verfügung zu stellen, um den Bedarf der digitalen Wirtschaft abdecken zu können.

Was kann der Bildungssektor leisten, um vor allem ältere Bürger dabei zu unterstützen, sich auf digitale Anforderungen einzustellen?

Reichenbach: Da sind zunächst die Medien gefordert, die Öffentlichkeit noch breiter zu informieren und aufzuklären. Und natürlich sind da auch die Erwachsenenbildungsinstitutionen wie zum Beispiel die Volkshochschulen gefordert.

Sind die deutschen Hochschulen entsprechend gerüstet um Studenten adäquat auszubilden und damit dazu beizutragen, dass hiesige Unternehmen den Anschluss an die Digitalisierung nicht versäumen?

Reichenbach: Ich glaube, im Prinzip ja. Wenn ich allerdings die deutschen Hochschulen etwa mit denen in den USA vergleiche, so liegt es weniger an der Exzellenz, die durchaus vorhanden ist, als vielmehr an der viel geringeren Kapitalausstattung, dass wir nicht immer in der ersten Liga mitspielen. Hier gibt es noch erheblichen Nachholbedarf.

Arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft in ausreichendem Maße zusammen?

Reichenbach: Ja, es gibt gute Ansätze. Ich warne allerdings davor, die Grundlagenforschung im Gegenzug zu vernachlässigen. Auch in die nicht direkt anwendungsbezogene Forschung müssen wir stärker investieren. Denn am Markt wird nur derjenige erfolgreich sein, der Lösungen für die Probleme von morgen und nicht für die von gestern anbietet.

Sollte der Staat Unternehmen bei der digitalen Transformation mit Förderungen unterstützen?

Reichenbach: Gegenüber allgemeinen Förderkulissen bin ich skeptisch, weil sie oft in wirkungslosen Gießkannen- oder Mitnahmeeffekten verpuffen. Allerdings bin ich ein großer Anhänger davon, eine eigene Industriepolitik zu betreiben und dabei auch selbstbewusst aufzutreten.

Teil 1: „Nicht prioritär die Deregulierung vorantreiben“

Teil 2: „Selbstbewusste Politik betreiben“

Teil 3: „Datenschutz ‚made in Germany’ hat einen hervorragenden Ruf“

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