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Teil 2: „Weiterqualifizierung muss zum Normalfall werden“

Sind die deutschen Hochschulen entsprechend gerüstet um Studierende adäquat auszubilden, damit sie dazu beitragen, dass hiesige Unternehmen den Anschluss an die Digitalisierung nicht versäumen?

Raatz: Auch an unseren Hochschulen und Universitäten muss sehr viel getan werden. Die neuen technischen Möglichkeiten sind vielerorts noch nicht in der Lehre angekommen. Das liegt auch an der fehlenden Anerkennung für didaktische Erfahrung mit neuen Lernkonzepten. Das größte Problem ist aber, dass nach wie vor viel zu viele Studierende in MINT-Fächern ihr Studium abbrechen. Bessere Betreuungsrelationen können hier Abhilfe schaffen. Dafür müssen wir aber die finanzielle Grundausstattung unserer Hochschulen entschieden verbessern. Das ist ein wichtiges Vorhaben für die nächste Legislaturperiode.

Was kann die Bildungspolitik leisten, um ältere Bürger bei der Einstellung auf digitale Anforderungen zu unterstützen?

Raatz: Die Öffnung der akademischen Bildung für Menschen mit Ausbildung und Berufserfahrung war ein wichtiger Schritt. Lebenslanges Lernen sollte als Versprechen und Weiterbildungschance, nicht als Strafe gesehen werden. Weiterqualifizierung muss zum Normalfall werden. Dann meistern wir auch die gesellschaftspolitischen Herausforderungen.

Arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft gut zusammen?

Raatz: Im Moment nicht in ausreichendem Maße. Viel zu lange wurde der Austausch zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft vernachlässigt. Das betrifft nicht nur Ergebnisse, die zukünftig schneller zur Anwendung kommen müssen. Auch die Forscher selbst sollten meiner Meinung nach mehr Möglichkeiten erhalten, zeitweise in Unternehmen und Behörden zu arbeiten, und umgekehrt.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland lebt von seinen Innovationen. Wird die Erforschung digitaler Zukunftsthemen vom Staat ausreichend finanziell unterstützt?

Raatz: Staat und Wirtschaft investieren inzwischen ganze 3 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung. Allein in diesem Jahr beläuft sich der Bundeshaushalt für Bildung und Forschung auf die Rekordsumme von 17,5 Milliarden Euro. Aktuell nehmen wir also viel Geld in die Hand. Wir müssen aber besser werden, auch wirklich in die Erforschung der richtigen und von der Bevölkerung akzeptierten Zukunftstechnologien zu investieren.

Teil 1: „Begeisterung wecken“

Teil 2: „Weiterqualifizierung muss zum Normalfall werden“

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