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„Begeisterung wecken“

Die Bildungsexpertin Simone Raatz fordert mehr digitales Engagement von Staat, Hochschulen und Unternehmen.


 

Dr. Simone Raatz sitzt für die SPD im Bundestag und ist stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (Foto: Anke Jacob)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Smartphone gesteuerte Häuser und Autos für Fortgeschrittene, E-Commerce, Fitness-Apps und Social Media für jedermann – Digitalisierung verändert Arbeitswelt und Lebensgewohnheiten zunehmend. Wie empfinden Sie diese Umbrüche?

Dr. Simone Raatz: Die Digitalisierung eröffnet uns genau dann riesige Chance, wenn wir sie geschickt gestalten und die Zivilgesellschaft beteiligen. Erst kürzlich habe ich mich mit dem Konzept vernetzter Dörfer, der Smart Villages, beschäftigt. Die neue Technik hilft hier nicht nur bei Klimaschutz und Energiewende, sondern kann auch die ländliche Gemeinschaft wiederbeleben. Gesundheitsversorgung oder Einkaufsmöglichkeiten sind hier dringende Themen, für die die Digitalisierung Lösungen aufzeigen kann. Damit dabei niemand zurückbleibt, muss der Breitbandausbau in den Regionen ohne schnelles Internet dringend erfolgen.

Laut Bitkom fehlen hierzulande 51.000 IT-Spezialisten. Droht uns der Bildungsnotstand?

Raatz: Der Zahl stehen laut Bundesagentur für Arbeit etwa 27.000 arbeitssuchende Informatiker gegenüber. Hier dürfen sich Unternehmen nicht zurücklehnen oder ausschließlich ins Ausland orientieren. Es braucht flächendeckend attraktive Arbeitsbedingungen. Auch Politik und Hochschulen stehen vor Herausforderungen. Wir müssen endlich die dramatischen Abbrecherquoten in technischen Fächern in den Griff bekommen – insbesondere im IT-Bereich.

Was machen Taxi- und Lkw-Fahrer, wenn autonomes Fahren Standard wird? Was wird aus Krankenpflegern, wenn Roboter ihre Aufgaben übernehmen? Was wird aus Postboten, wenn die Auslieferung mithilfe autonomer Autos oder Drohnen funktioniert? Ist unser Bildungssystem auf die Veränderung von Berufsbildern vorbereitet?

Raatz: In den letzten Jahren wurden viele Bildungs- und Studienpläne umgestellt. Heute geht es viel mehr als früher um die Kompetenz, erlernte Fähigkeiten selbstständig anzuwenden und weiterzuentwickeln. Die kommende Generation ist damit auf dem richtigen Weg. Für die heute Beschäftigten, deren Jobs durch die Digitalisierung eventuell obsolet werden, braucht es aber ein neues Verständnis von Arbeitsbiografie. Weiterbildung muss selbstverständlicher Bestandteil des Berufslebens werden. Denn es ist unrealistisch, dass zukünftig noch viele Menschen 45 Jahre oder länger den gleichen Beruf mit den gleichen Anforderungen ausführen werden.

Wie ist die Situation an unseren Schulen?

Raatz: Dort gibt es ganz klar Nachholbedarf. Wo lernen die Kinder denn wirklich Programmiersprachen in Schulen? Auf die Digitalisierung vorbereiten heißt, Begeisterung sowie Verständnis für Technik früh zu wecken und langfristig zu fördern.

Teil 1: „Begeisterung wecken“

Teil 2: „Weiterqualifizierung muss zum Normalfall werden“

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