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Hamburg, 30.06.2017

Teil 2: „Die Chancen-Diskussion darf nicht zu kurz kommen“

Die Unternehmensberatung Forrester fand heraus: Viele Unternehmen wissen nicht, welche Probleme sie mit KI-Anwendungen lösen sollen. Wo und wie kommt KI bei Daimler zum Einsatz?
Zetsche:
Künstliche Intelligenz wird in fast alle Bereiche Einzug halten. In der Produktion testen wir zum Beispiel Anlagen, die Probleme selbst erkennen und auch selbstständig lernen, sie zu beheben. Im Service arbeiten wir an intelligenten Bots, die Kunden ganz konkret bei Fragen rund um ihr Fahrzeug weiterhelfen. Und für autonomes Fahren ist KI ein ganz entscheidender Wegbereiter. Schon heute wechseln unsere Serienautos eigenständig die Spur oder parken selbstständig ein. Im nächsten Schritt werden intelligente Autos untereinander kommunizieren, sich gegenseitig warnen, aus kritischen Situationen voneinander lernen oder sich auf freie Parkplätze hinweisen. Damit ermöglicht KI völlig neue Formen von Mobilität.

MEIN TIPP: Ich kann nur dazu raten, jede Möglichkeit zum Austausch mit Menschen zu nutzen, die eine andere Perspektive auf die Dinge haben. Für mich sind das zum Beispiel meine Kinder.

Wer sollte entscheiden dürfen, mit welchen Daten die lernenden Maschinen gefüttert werden und welche Ergebnisse daraus generiert werden?
Zetsche:
Ganz klar: Der Dateneigner entscheidet. Unsere Kunden müssen die Hoheit darüber haben, ob sie durch die Weitergabe ihrer Daten einen Mehrwert von uns bekommen möchten – oder eben nicht. Ich glaube aber, hier ist auch Aufklärung vonnöten. Die gerade in Deutschland oft emotional geführte Datenschutz-Debatte ist zweifelsohne wichtig. Unsere Gesetze gehören zu den schärfsten weltweit – und das kann auch ein Wettbewerbsvorteil für die deutsche Wirtschaft sein. Trotzdem kommt mir in der Risiko-Debatte zuweilen die Chancen-Diskussion zu kurz.

Halten Sie eine „starke KI“ – also Computer mit eigenem Bewusstsein – für realistisch? Wo liegt die ethisch-moralische Grenze für den KI-Einsatz?
Zetsche:
Ob und wann das realistisch ist, darüber diskutiert derzeit die Weltspitze der KI-Forschung. Da ich zu diesem Kreis nicht gehöre, will ich mir auch kein Urteil erlauben. Aber wo die ethisch-moralische Grenze liegt, das steht für mich nicht zur Diskussion: Der Mensch muss die Kontrolle über die von ihm entwickelten Systeme behalten. Und das ist womöglich bald leichter gesagt als getan.

Was tun Sie persönlich, um mit den Herausforderungen der Zukunft Schritt zu halten?
Zetsche:
Ich habe das große Privileg, bei Daimler mit über 280.000 Kolleginnen und Kollegen arbeiten zu dürfen. Darunter sind viele Experten, die auf ihren Themengebieten Weltklasse sind.

Zur Person

Nach dem Studium der Elektrotechnik startet Dieter Zetsche 1976 im Forschungsbereich von Daimler. Seit 1998 ist er Vorstandsmitglied, seit 2006 Vorstandsvorsitzender des Konzerns

 

Teil 1: Die Revolution kommt tatsächlich

Teil 2: Die Chancen-Diskussion darf nicht zu kurz kommen

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