Hamburg, 31.01.2017

"Weniger Bürokratie für Start-ups und kleine Gründer"

Die Bundesregierung macht in diesem Jahr große Schritte in Richtung Bürokratieabbau. Nachdem bereits 2016 das erste Bürokratieentlastungsgesetz (BEG) in Kraft trat und einige Regeln für Existenzgründer lockerte, wird das BEG II noch einen draufsetzen.

Joachim D. Heinrich ist Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Partner bei der Sozietät LKC Czarske v. Gronau Berz

Das BEG II liegt seit Sommer 2016 als Kabinettsbeschluss vor. Im Februar soll es im Bundestag verabschiedet werden und rückwirkend zum 1. Januar 2017 gelten. Joachim D. Heinrich von der Steuerberatersozietät LKC Kemper Czarske v. Gronau Berz in Grünwald bei München über die wichtigsten neuen Regelungen aus dem Gesetzentwurf.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie beraten ihre Kunden unter anderem dabei, was sie bei der Unternehmensgründung beachten müssen – und was nicht. Im Februar tritt voraussichtlich ein Gesetz in Kraft, das Gründer bei der Bürokratie entlasten soll. Welche Unternehmen profitieren davon?
Joachim D. Heinrich:
Profitieren vom neuen BEG II werden in erster Linie Start-ups, kleine Einzelunternehmer und Freiberufler. Es ist ja kein Geheimnis, dass diese Gruppen mehr von ihrer Kraft und Kreativität lieber ins eigene Geschäft investieren möchten. Heißt konkret: Sachen produzieren, Dinge verkaufen, Nachwuchs ausbilden oder Ideen umsetzen. Doch sie verlieren sehr viel Zeit mit schnöder Bürokratie, etwa mit Lohnsteueranmeldungen, Sozialversicherungsabgaben, Kleinstbetragsrechnungen und Aufbewahrungspflichten. Das ist öde, aufwendig und letztlich auch kostenintensiv.

Welche Änderungen soll das BEG II für diese kleinen Unternehmen und Start-ups konkret mit sich bringen?
Heinrich:
Die Regeländerung betrifft unter anderem das Thema Lohnsteueranmeldung. Eigentlich muss die zu zahlende Lohnsteuer dem Finanzamt monatlich gemeldet werden. Bisher galt bereits: Zwischen 1.080 Euro und 4.000 Euro muss nur alle drei Monate gemeldet werden. Während nun der niedrigere Wert bleibt, bis zu dem sogar eine jährliche Meldung reicht, wird der obere Grenzwert auf 5.000 Euro angehoben. Das bedeutet, dass künftig mehr Firmen nur vier Mal statt bisher zwölf Mal im Jahr wegen der Lohnsteuer mit dem Finanzamt in Kontakt treten müssen.

Inwieweit sind auch andere Unternehmerpflichten betroffen?
Heinrich:
Auch die Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge wird leichter. Hier gilt künftig das sogenannte „vereinfachte Verfahren“: Beiträge, deren tatsächlicher Wert für den laufenden Monat noch nicht bekannt ist, können anhand des Wertes aus dem Vormonat vorläufig berechnet werden. Bisher musste hier aufwendig geschätzt werden. Was bleibt, ist allerdings, dass die Differenz bei Mehr- oder Minderzahlungen im Folgemonat ausgeglichen wird. Auch das Archiv ist betroffen: Einerseits müssen Lieferscheine künftig nicht mehr aufbewahrt werden, sofern sie nicht als Buchungsbelege dienen. Der Schwellenwert für die Kleinbetragsrechnungen, bei denen ein Mindestmaß an Angaben reicht, um die Vorsteuer abzuziehen, wird von 150 auf 200 Euro erhöht.

Gibt es neben den Änderungen für IT- und Dienstleistungsbetriebe auch Regelungen, die ausschließlich Handwerker betreffen?
Heinrich:
Ja, auch Handwerker können künftig schneller und einfacher kommunizieren. Vor allem aber papierlos. Nach Vorgaben des BEG II können künftig in der Handwerksrolle auch Websites und E-Mail-Kontakte gespeichert werden. Das war bisher nicht möglich, weshalb die Handwerkskammern ihre Mitglieder etwa per Rundschreiben auf Papier informieren mussten.

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