Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Richtig vererben

Seit 2015 findet die neue EU-Erbrechtsverordnung Anwendung. Was dies in der Praxis bedeutet und was es zu beachten gilt, erläutert der Rechtsanwalt Dr. Jürgen Reiß.

Die neue EU-Erbrechtsverordnung, die seit August 2015 gilt, wirft Fragen auf. Der auf das deutsche und internationale Erbrecht spezialisierte Rechtsanwalt und Buchautor Dr. Jürgen Reiß gibt Antworten.

DUB Unternehmer: Herr Dr. Reiß, welche Änderungen bringt das neue EU-Erbrechts-Gesetz?

Dr. Reiß: Bislang gab es keine einheitliche europäische Regelung dafür, welches nationale Recht in grenzüberschreitenden Erbfällen galt. Künftig gilt bei Erbschaften das Erbrecht des Landes, in dem der Verstorbene zum Zeitpunkt des Todes seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hatte. Welche Staatsangehörigkeit er hatte oder wo sein Nachlass belegt ist, spielt keinerlei Rolle mehr.

Wer ist betroffen?

Betroffen ist im Prinzip jeder, der sich über einen längeren Zeitraum im Ausland aufhält. Neben Auswandererfamilien oder Senioren,  die zum Beispiel ihren Lebensabend in Italien oder Spanien verbringen, können auch deutsche inhabergeführte Unternehmen und Arbeitnehmer, die ins Ausland entsendet werden, betroffen sein.

Was bedeutet das?

Ein Beispiel: Ein Grundstückbesitzer in Frankreich besitzt weiteres Vermögen in seiner Heimatstadt Frankfurt. Er lebt über die Hälfte des Jahres in Mailand. Dort verstirbt er. Beerbt würde er nach italienischem Erbrecht.

Welche Risiken sehen Sie?

Es könnte sein, dass das Erbe anders aufgeteilt wird, als es der Erblasser geplant oder gewollt hat. Das im deutschen Erbrecht geltende Pflichtteilsrecht und die gesetzlichen Erbquoten sind in den anderen europäischen Ländern zum Teil anders ausgestaltet. Auch die Beteiligung des Ehegatten am Erbe kann anders geregelt sein.

Was müssen Unternehmer beachten?

Auf Unternehmer können Schwierigkeiten bei  der Übertragung des Unternehmens zukommen. Dies ist der Fall, wenn das deutsche
Gesellschaftsrecht auf ein ausländisches Erbrecht trifft. In Italien gibt es, anders als in Deutschland, ein Noterbrecht. Dort könnten Pflichtteilsberechtigte ihren Anteil an der Gesellschaft geltend machen und nicht wie in Deutschland nur einen monetären Ausgleichsanspruch erhalten.  

Ändert die Erbrechtsverordnung auch die Erbschaftsteuer?

Nein, die Verordnung ist auf Steuersachen nicht anwendbar. Hier gilt weiterhin die bisherige Gesetzeslage.

Wie schützt man sich vor unliebsamen (Erb-)Folgen?

Jeder, der verhindern möchte, dass sein Vermögen nach einem ihm unbekannten und unter Umständen nachteiligen Recht vererbt wird, sollte eine Rechtswahl zugunsten des eigenen Heimatrechtes treffen. Diese Wahl muss zwingend in Testamentsform erfolgen.

Bestehende Testamente sollten, sofern ein Auslandsbezug besteht, auf die inhaltliche Gültigkeit hin überprüft werden. Für Gesellschafter ist es sinnvoll, ein Testament zu errichten, das mit den im Gesellschaftsvertrag festgehaltenen Nachfolgeregelungen im Einklang steht. Wer hingegen nichts unternimmt, dessen letzter Wille kann unerfüllt bleiben. Darüber hinaus haben Erben womöglich das Nachsehen.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Erst Praktikum, dann Nachfolger

    Warum der Chef in spe bei seinem neuen Unternehmen erstmal eine Hospitanz absolvieren sollte.

  • Pflichtteilsrechte – die Büchse der Pandora

    Verstirbt ein Unternehmer, müssen häufig Kredite aufgenommen werden, um Erben auszuzahlen. Doch es geht auch anders.

  • Mehr als nur ein Spiel

    Zocken, daddeln – ist doch Kinderkram? Weit gefehlt. Video spielen ist zum Milliardenmarkt avanciert. So wollen Unternehmen und Vereine auf den neuen Goldesel aufsatteln.

  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

  • Den Quick Fix gibt es nicht

    Industrie 4.0. Der Trend ist da, die Umsetzung lahmt: Das Potenzial der vierten industriellen Revolution wird hierzulande nicht ausgeschöpft. Zwei Experten verraten, was dafür nötig ist.

  • Von Mäusen und Gazellen

    „Growth Guy“ Verne Harnish, Gründer der Entrepreneurs’ Organization, Autor und Coach, verrät, warum Unternehmer einsam sind und wann das beste Timing für Firmenausbau oder -verkauf ist.

  • Keine Angst vor dem blauen Brief

    Wenn ein Familienunternehmen einen neuen Chef bekommt, werden Mitarbeiter selten gekündigt. Im Gegenteil.

  • Passende Partner

    Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

  • Franchise: Bedeutung und Nutzen des System-Handbuchs

    Lesen Sie mehr über die „Betriebsanleitung“ für die Führung des Franchisebetriebes.

  • Ehrgeiz und Leidenschaft

    Judith Williams. Die frühere Opernsängerin, heutige Unternehmerin und TV-Moderatorin über Rezepte für ein erfolgreiches Leben.

  • Digitale Potenziale

    Deutschland ist reif für ein digitales Gesundheitswesen. Deshalb unterstützt Die Techniker Existenzgründer, Talente und Visionäre.

  • Der Amazon-Plan

    Das entschlüsselte Erfolgsgeheimnis des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

  • So digital tickt Berlin

    Alles #Neuland? Die Redaktion des DUB UNTERNEHMER-Magazins hat sechs deutsche Spitzenpolitiker nach ihrer Vision der digitalen Zukunft befragt.

  • Die vier wichtigsten „Deal Breaker“

    Deal Breaker können Übernahmen in letzter Minute scheitern lassen. Das sind die häufigsten.

  • Bilanzbombe Pensionen

    In vielen Firmen klaffen riesige Pensionslücken – ein ernstes Problem, vor allem beim Unternehmensverkauf.

  • Auf die (Franchise-)Größe kommt es an

    Einsteiger in der Franchise-Branche haben es schwer. Aber der Aufwand zahlt sich aus.

  • Unternehmensverkauf: Worauf bei Earn-Out-Klauseln achten?

    Was Unternehmensverkäufer und -käufer über variable Preiskomponenten wissen müssen.

  • Die fünf wichtigsten Trends der CeBIT

    2017 werden auf der CeBIT wieder die großen Trends der IT-Branche gezeigt. Ganz oben auf der Tagesordnung: künstliche Intelligenz.

  • Disruption meets Design

    Produktdesigner stehen vor einem Paradigmenwechsel. Die analoge und digitale Welt verschmelzen zunehmend miteinander. Was sich hinter der „new holistic experience“ verbirgt.

  • Wie ein Franchisenehmer seine Mitarbeiter für sich werben lässt

    Employer Branding – Ein Unternehmer aus Hannover zeigt, dass solche Kampagnen sinnvoll sein können.

  • Die Mär vom Gründerland Deutschland

    Beim Jahrestreffen der deutschen Franchise-Experten (9. bis 10. Mai in Berlin) diskutiert die Branche mit der Politik kontroverse Themen.

  • Wenn die Chefin nicht mehr will

    So planen Inhaberinnen die Unternehmensnachfolge.

  • Energiemanagementsysteme lohnen sich

    Die Firma Kaiser+Kraft hat ein Energiemanagementsystem eingeführt. Geschäftsführer Andreas Krüger über die Vor- und Nachteile.

  • Sorgfältige Vorbereitung

    Wenn Unternehmen in überschaubarer Zeit verkauft werden sollen, ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend für den Verkaufserfolg.

  • Berater finden leicht gemacht

    Die Beraterbörse von DUB.de hilft Ihnen, den richtigen Unternehmensberater für Ihr Projekt zu finden.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • Wie Franchisesysteme neue Partner finden

    Neue Partner zu finden, ist für Franchisesysteme momentan besonders schwer. So klappt’s trotzdem.

  • Fremdwort Disruption

    Der Begriff ist in aller Munde. Viele Chefs wissen aber nicht, wie sie mit innovativen Unternehmen umgehen sollen.

Dieser Artikel ist im DUB UNTERNEHMER-Newsletter erschienen. Der Newsletter erscheint alle zwei Monate - kostenlos und unverbindlich.

Bestellen Sie hier gratis den
DUB UNTERNEHMER-Newsletter

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick