Mahnung für Maas

Insolvenzverwalter fordern eigenes Gesetz für Firmen-Restrukturierung. Justizminister muss Vorgaben aus Brüssel umsetzen. Fokus soll auf sanierungsfähigen Unternehmen liegen.


Bei Deutschlands Insolvenzverwaltern ist Betriebsamkeit ausgebrochen. Sie fordern eine schnelle Antwort auf den Vorstoß der Europäischen Kommission, das Insolvenzrecht der Mitgliedstaaten vereinheitlichen zu wollen. "Deutschland muss selbstbewusst sagen, wie es die erwartete EU-Richtlinie in deutsches Recht umsetzen will", mahnt Lucas Flöther, Sprecher des Gravenbrucher Kreises, in dem die führenden Insolvenzverwalter zusammengeschlossen sind.

Nationale Unterschiede im Umgang mit Firmenpleiten gelten als ein Hemmnis für grenzüberschreitende Kapitalanlagen und Finanzierungen. Darum nimmt Brüssel bei der geplanten Kapitalmarktunion auch das Insolvenzrecht ins Visier. Demnach sollen vor allem vorinsolvenzliche Sanierungsverfahren gestärkt werden - das deutsche System setzt bislang aber auf das eigentliche Insolvenzverfahren, das auch Sanierungsmöglichkeiten vorsieht, etwa den "Schutzschirm". Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bremst darum bislang. So warnte er, "eine Sanierungskultur" lasse sich nicht einseitig vom Gesetzgeber verordnen, "schon gar nicht vom europäischen".

Doch die Insolvenzverwalter sehen das anders. Sie drängen auf ein schnelles Konzept, wie das deutsche Insolvenzrecht weiterentwickelt werden kann - schon allein, um zu starke Vorgaben aus Brüssel im Keim zu ersticken. "Wir haben in Deutschland eines der besten Insolvenzrechte, und das sollte auch so bleiben", sagt Flöther. "Aus diesem Grund sollte die Entwicklung nicht ignoriert oder abgewartet, sondern vielmehr aktiv mitgestaltet werden."

Auch der Verband der Insolvenzverwalter (VID) ist aktiv geworden und hat ein Positionspapier mit Grundsätzen verfasst. "Wir begrüßen alle Überlegungen, die eine Sanierung von Unternehmen durch geeignete gesetzliche Maßnahmen unterstützen", sagt VID-Vorsitzender Christoph Niering. Deshalb sei der von der EU-Kommission entwickelte "Impuls" aufgegriffen worden. "Es geht uns um ein transparentes und rechtlich gesichertes Verfahren, das auch die Interessen von Arbeitnehmern und Kleingläubigern angemessen berücksichtigt", betont Niering. Doch die Materie ist komplex. Denn wird in Deutschland ein komplett gerichtsloses Verfahren eingeführt, dann beißt sich das mit verfassungsrechtlichen Grundsätzen. "Es kann nur in Eigentumsrechte von Gläubigern eingegriffen werden, wenn das zugunsten eines in der Krise steckenden Unternehmens geschieht und die Gläubiger unter dem Strich nicht schlechtergestellt werden als bei einer Zerschlagung", erklärt Flöther, der selbst rund 30 Unternehmen pro Jahr verwaltet. Darum müsse alsozumindest an ein definiertes "Krisenmerkmal" angeknüpft werden. "Das kann aus unserer Sicht nur die drohende Zahlungsunfähigkeit sein, sofern sich diese vom Eröffnungsgrund der Überschuldung absetzt", sagt Flöther.

Der Sprecher des Gravenbrucher Kreises schlägt darum vor, das deutsche Schutzschirmverfahren zu einem abgrenzbaren vorinsolvenzlichen Verfahren auszubauen, um mögliche EU-Vorgaben zu erfüllen. "Künftig könnte es statt einer Insolvenzordnung eine Restrukturierungs- und Insolvenzordnung geben", schlägt Flöther vor. Unternehmen mit Krisenanzeichen hätten dann die Möglichkeit, frühzeitig in ein Sanierungsverfahren zu gehen, das zumindest nicht so stark gerichtslastig und mit dem Stigma der Insolvenz versehen ist.

Zu ähnlichen Vorschlägen kamen auch die Experten, die jüngst auf dem Deutschen Insolvenzrechtstag über die vorinsolvenzliche Sanierung diskutierten. "Wir brauchen ein separates außergerichtliches Reorganisationsverfahren", erklärte etwa Heinz Vallender, Direktor des Instituts für Internationales und Europäisches Insolvenzrecht an der Universität Köln. "Für ein attraktives Insolvenzrecht müssen wir uns in Deutschland auf dieses Verfahren einlassen", meinte Frank Girotto, Insolvenzexperte von PwC.

Für Wirbel könnte nun ein neuer Zwischenbericht der EU-Kommission sorgen. Er offenbart, dass Brüssel - anders als im ursprünglichen Aktionsplan vorgesehen - die Harmonisierung ausweiten will, etwa auch auf die Insolvenzanfechtung. Damit wäre ein wesentlicher Kernbereich des deutschen Insolvenzrechts erfasst. Die Entwicklung sollte nicht ignoriert oder abgewartet werden.


© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Mit Franchise um die ganze Welt

    Viele Geschäftsideen, die in Deutschland großen Erfolg haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland. Nach Deutschland kamen sie via Franchise und bieten für Gründer viele Möglichkeiten.

  • Unternehmensnachfolge - die richtigen Werte zählen

    Unternehmensnachfolge Beratung braucht Empathie - nicht nur Branchenexpertise und Unternehmertum werden gesucht, sondern auch die richtige Vision fürs Unternehmen.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Unternehmensnachfolge per Management-Buy-Out

    Ein Management-Buy-Out bietet für alle Parteien eine Chance, ihre Ziele zu erreichen - ob Unternehmer, Führungskraft oder Vermögensinhaber

  • Entdeckt euch!

    Pascal Finette sucht und findet die Antworten auf die Frage „What’s next?“. Der Dozent der Singularity University stellt sich dem redaktionellen Kreuzfeuer in Hamburg. Das Ergebnis: ein Weckruf.

  • Angriff aufs Irrationale

    Welche Mechanismen machen Google, Amazon und Co. so erfolgreich? In seinem Buch „The Four“ wagt Marketingprofessor Scott Galloway einen Erklärungsversuch.

  • „Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

    Vor Kurzem stieg Daimler beim Uber-Konkurrenten Taxify ein. Riina Leminsky, von der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia, erklärt, weshalb deutsche Unternehmen in Estlands Start-ups investieren sollten.

  • “Refugien der Mechanik”

    Viele Freunde edler mechanischer Uhren lieben auch historische Fahrzeuge. Wilhelm Schmid fördert mit seiner Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne den legendären Oldtimer-Wettbewerb „Concorso d’Eleganza Villa ...

  • Nachfolgeberater Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

  • Frauen im Franchise
    Mehr Möglichkeiten für Frauen im Franchise

    Eine Umfrage des Deutschen Franchise-Verbands zeigt: Unter den Führungskräften in den Systemen gibt es relativ wenige Frauen. Das dürfte sich in den nächsten Jahren aber ändern.

  • Town und Country Haus
    Town & Country im Interview

    Town and Country Franchise Leiter Benjamin Dawo erläutert den Erfolg des Geschäftsmodells und spricht über Franchise-Partner, Neugründung und Nachfolge beim Bau Franchise.

  • Unternehmerische Kompetenz

    Reine Bauchentscheidungen sollten bei der Unternehmensnachfolge vermieden werden. Hier ist unternehmerische Kompetenz gefragt, die sich in vier Ebenen gliedern lässt.

  • Die Regeln des Spiels

    Die Franchise-Branche hat ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Tom Portesy, CEO des Franchise-Expo-Veranstalters MFV Expositions, erklärt, was in der Branche zählt.

  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Autoreninterview: Außer Kontrolle?

    Frank Schätzing über die Folgen der Künstlichen Intelligenz für Mensch und Gesellschaft. Der Romanautor tritt für ein neues menschliches Selbstbild ein.

  • Haustüren Franchise Expandiert in Deutschland
    Haustüren Franchise auf Expansionskurs

    Pirnar sucht engagierte Verkaufstalente als Franchisenehmer für seine neuen Standorte in Deutschland. Der Produzent ist am 27.-29. September 2018 auf der Franchise-Expo in Frankfurt anzutreffen.

  • Motivation zur Selbstständigkeit
    Gründen 2018 - neue Studie zur Motivation

    Unterscheidet sich der Gründungswunsch nach Altersgruppe? Und was sind die wichtigsten Motivationen und Hindernisse auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Hier erfahren Sie mehr.

  • Franchise im Handwerk

    Die Rahmenbedingungen für Franchise im Handwerk sind gut. Durch Gesetzesänderungen sind viele Franchisesysteme im Handwerk auch für Berufs- oder Quereinsteiger offen.

  • Verkaufsmotiv beim Firmenverkauf

    Die objektive Beurteilung Ihres Verkaufsmotivs ist spielentscheidend für den Verkauf Ihrer Firma.

  • Elon Musk
    Zwischen Genie und Wahnsinn

    Hyperloop und Marsmissionen revolutionieren Mobilität. Eines muss man ihm lassen: Elon Musk hat visionäre Ideen – und den Mut, sie zu verwirklichen.

  • Sommer im Glas

    Die Vielfalt bei Weinen scheint unermesslich. Und die Qualität steigt stetig. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin befragte ausgewählte Weinhändler nach ihrem Geheimtipp für die warme Jahreszeit.

  • Nachfolgeberatung für Familienunternehmen und KMUs
    Berater gesucht - gefunden

    Eine gute Nachfolgeberatung kann bei Unternehmensverkäufen helfen. Wie aber finden Unternehmen den richtigen Fachmann?

  • Immer weniger Nachfolger in Sicht

    Die deutsche Wirtschaft brummt, die Grundlage für Gründerwachstum ist gelegt. Tatsächlich sinkt die Zahl der Gründer, damit sind auch weniger potentielle Unternehmensnachfolger auf dem Markt.

  • Franchise boomt in Deutschland

    Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main - mit mind. 125 Marken.

  • Revolution in der Storage-Branche

    JAMES-Box will die Storage-Branche revolutionieren. Geschäftsführer Marcus Rey plant nach einem gelungenen Start die Expansion und sucht dafür Investoren.

  • Daimler kooperiert mit Taxify
    Daimler kauft sich bei Uber-Konkurrent ein

    Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler beteiligt sich nach exklusiven Informationen des DUB UNTERNEHMER-Magazins an dem estnischen Mobilitätsanbieter Taxify.

  • Industrie 4.0
    Spezial Industrie 4.0: Schrittmacher der Industrie

    Voll automatisierte Fertigung, Cobots, Digitale Zwillinge –Experten von Kuka, Linde und KPMG erklären die Metamorphose der Industrie im Interview.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Mit Franchise um die ganze Welt

    Viele Geschäftsideen, die in Deutschland großen Erfolg haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland. Nach Deutschland kamen sie via Franchise und bieten für Gründer viele Möglichkeiten.

  • Unternehmensnachfolge - die richtigen Werte zählen

    Unternehmensnachfolge Beratung braucht Empathie - nicht nur Branchenexpertise und Unternehmertum werden gesucht, sondern auch die richtige Vision fürs Unternehmen.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Unternehmensnachfolge per Management-Buy-Out

    Ein Management-Buy-Out bietet für alle Parteien eine Chance, ihre Ziele zu erreichen - ob Unternehmer, Führungskraft oder Vermögensinhaber

  • Entdeckt euch!

    Pascal Finette sucht und findet die Antworten auf die Frage „What’s next?“. Der Dozent der Singularity University stellt sich dem redaktionellen Kreuzfeuer in Hamburg. Das Ergebnis: ein Weckruf.

  • „Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

    Vor Kurzem stieg Daimler beim Uber-Konkurrenten Taxify ein. Riina Leminsky, von der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia, erklärt, weshalb deutsche Unternehmen in Estlands Start-ups investieren sollten.

  • Nachfolgeberater Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

  • Frauen im Franchise
    Mehr Möglichkeiten für Frauen im Franchise

    Eine Umfrage des Deutschen Franchise-Verbands zeigt: Unter den Führungskräften in den Systemen gibt es relativ wenige Frauen. Das dürfte sich in den nächsten Jahren aber ändern.

  • Town und Country Haus
    Town & Country im Interview

    Town and Country Franchise Leiter Benjamin Dawo erläutert den Erfolg des Geschäftsmodells und spricht über Franchise-Partner, Neugründung und Nachfolge beim Bau Franchise.