Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Vorbildliche Führung 

Trainer-Legende und Sky-Experte Ottmar Hitzfeld erklärt auf dem zweiten DUB UNTERNEHMER-Dinner in Kooperation mit dem Netzwerk EO, wie er Teams erfolgreich führt und wie er lernen musste, Druck zu managen.

Was haben Fußballmannschaften und Unternehmen gemeinsam? Beide müssen richtig geführt werden, um erfolgreich zu sein. Zu den erfolgreichsten Fußballtrainern aller Zeiten zählt Ottmar Hitzfeld. Grund genug, den Coach der Schweizer Nationalmannschaft und Fußballexperten beim Pay-TVSender Sky zum zweiten Hamburger Unternehmer-Dinner, veranstaltet vom DUB UNTERNEHMERMagazin und dem Netzwerk Entrepreneurs’ Organization (EO), einzuladen, um ihm sein Erfolgsrezept zu entlocken. Herausgeber Jens de Buhr und Chefredakteur Thomas Eilrich nahmen vor knapp 100 geladenen Gästen im Business Club Hamburg den Ball auf.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie waren mit unterschiedlichen Teams, in unterschiedlichen Umfeldern erfolgreich – und das stets auf Anhieb. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsrezept?

Ottmar Hitzfeld: Für mich war es immer enorm wichtig, ein echtes Vertrauensverhältnis zu meinen Mitarbeitern aufzubauen und einen respektvollen, ehrlichen Umgang miteinander zu pflegen. Setze ich einen Spieler auf die Ersatzbank, dann vertröste ich ihn nicht halbherzig, sondern erkläre ihm, warum und wann er seine Chance bekommen kann. Im didaktischen Bereich investiere ich viel Zeit in Überlegungen, wie ich Spielern meine Strategie vermitteln kann. Ich versuche mich in ihre Lage hineinzuversetzen. Und vor allem muss ich selbst Vorbild sein: Alles, was ich von meinen Mitarbeitern in Sachen Disziplin und positiver Denkweise verlange, muss ich selbst auch vorleben.

Bestrafen Sie diejenigen, die sich nicht entsprechend verhalten?

Hitzfeld: Bei den Bayern etwa habe ich Geldstrafen eingeführt. Ich war gerade ein Vierteljahr in München, als ein Spieler einen Autounfall und dabei Alkohol im Blut hatte. Ich fand, dass er als Fußballprofi damit ein schlechtes Vorbild ist, und habe ihm eine Geldstrafe von 20.000 D-Mark auferlegt. Erst dachte ich, der Spieler wäre beleidigt. Doch das Gegenteil war der Fall. Die Spieler haben ein großes Gerechtigkeitsempfinden, und die Strafe wurde akzeptiert.

Wie gelingt es Ihnen, aus den besten Spielern die beste Elf zu formen?

Hitzfeld: Entscheidend ist nicht, dass die besten Spieler auf dem Platz sind, sondern, dass die beste Mannschaft spielt. In einem Team habe ich verschiedene Leistungsträger: Stars, Individualisten, Künstler. Aber ich benötige auch Spieler, die die Drecksarbeit erledigen. Ich brauche Teammitglieder, die gut verteidigen können, die Zweikämpfe im Mittelfeld gewinnen, damit nachher der Star freie Fahrt nach vorn hat. Da gilt es, die richtige Mischung finden.

Bei einem Klub wie dem FC Bayern München tummeln sich traditionell die Stars. Wie werden Individualisten zu einer schlagkräftigen Einheit?

Hitzfeld: Gerade bei einem Top-Klub muss man immer wieder versuchen, die Mannschaft zusammenzukitten und eine Solidarität innerhalb des Teams zu schaffen. Man hat die Top-Stars, aber auch Spieler die oft auf der Bank sitzen. Das erzeugt Konfliktpotenzial. Der Trainer muss daher immer wieder mit allen sprechen und davon überzeugen, dass jedes Teammitglied wichtig für den Erfolg des Ganzen ist.

Haben Sie aus diesem Grund als erster Trainer die Rotation eingeführt?

Hitzfeld: Ich habe im Wechsel immer drei bis vier Spieler draußen gelassen, damit ich jedem Spieler das Gefühl geben konnte, zur Mannschaft zu gehören. So habe ich eine neue Teamkultur aufgebaut. Wenn ich immer mit denselben elf Leuten antrete, habe ich schnell eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Am Anfang gab es natürlich Widerstände. Da ist es wichtig, keine Angriffsfläche zu bieten, das heißt, nicht zu verlieren.

Und was war bei einer Niederlage? Haben Sie das Rotationsprinzip dann geändert?

Hitzfeld: Nein, dann habe ich die Mannschaft beim nächsten Spiel in derselben Konstellation antreten lassen. So hatte das Team die Chance, sich zu rehabilitieren. Und ich habe ihnen gezeigt: Ich vertraue euch, glaube dass ihr gewinnen könnt. Mit Vertrauen habe ich in meiner Karriere viel erreicht. Das bedeutet auch, dass ich mich in der Öffentlichkeit mit Kritik an den Spielern zurückhalte. Kritik wird nur innerhalb der eigenen vier Wände, das heißt in der Kabine, geäußert. Dort bin ich oft sehr kritisch – gerade gegenüber den Führungsspielern. Das ist wichtig für die Autorität. Wenn ich nur auf die schwächeren oder mittelmäßigen eingehe, verliere ich meine Glaubwürdigkeit. Die Team-Leader können ein Spiel entscheiden. Straucheln sie, muss ich hart zu ihnen sein, denn der Erfolg ist von ihnen abhängig. Ein Trainer muss sich seine Glaubwürdigkeit so immer wieder neu erarbeiten.

Wie haben die gut bezahlten Star-Akteure diesen Teamgedanken aufgenommen?

Hitzfeld: Gerade die Leistungsträger habe ich bewusst immer wieder in die Verantwortung genommen. Sie waren nicht nur die besten Spieler, sondern haben auch am meisten Geld verdient, sprich Führungskräfte. Mit diesen Stars habe ich immer wieder Einzelgespräche geführt, um sie zu überzeugen, dass sie eine Vorbildfunktion haben – und zwar nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb. Das ist wie in einem normalen Unternehmen: Die Führungskräfte marschieren voran und müssen Vorbilder sein.

Weiter auf Seite 2

Das interessiert andere Leser

  • Nachfolgetypen

    Wer ein Unternehmen aufbaut, wünscht sich meistens, dass das Lebenswerk von einem Familienmitglied weiterentwickelt wird. Lesen Sie, welche Faktoren die Nachfolge begünstigen.

  • Self-Storage Startups mit neuen Lagerraum-Lösungen

    Der Arbeitsplatz von heute gewährt freie Platzwahl in Coworking-Spaces. Doch die neue Flexibilität hat Ihren Preis: mangelnder Stauraum für Papiere und Akten. Die Shareing Economy bietet Lösungen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Israels Innovationen

    Israel ist eine der größten Innovationsschmieden der Welt. Der Erfolg der Startup-Nation hat System, der Staat investiert massiv in Forschung und Entwicklung.

  • Allen gerecht werden

    Die Ökonomin Kate Raworth fordert ein fixes Umdenken der Wirtschaft und plädiert für ein Gleichgewicht zwischen Kapitalismus, sozialer Gerechtigkeit und Ökologie.

  • Meer und mehr Gründergeist

    Die Suche nach Erfolg im digitalen Zeitalter führt nach Israel ins Silicon Wadi – wo die Menschen mit Begabung, Bildung und Begeisterung kritische Umstände in Stärken verwandeln.

  • Du kommst hier nicht rein!

    Kryptotrojaner, DDos-Attacken, Phishing – Cyberkriminelle verfügen über ein großes Waffenarsenal. Höchste Zeit für entsprechende Abwehrstrategien.

  • Nachfolge im Franchise

    Eine Unternehmensnachfolge im Franchising weist generell deutlich weniger Minenfelder auf als die Gründung eines neuen Unternehmens. Wie es geht und worauf zu achten ist erfahren Sie hier.

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

  • Was einen »Leitwolf« und einen kleinen und mittelständischen Unternehmer verbindet

    Die Unternehmergeneration, die heute mit dem Problem einer Unternehmensnachfolge konfrontiert wird, ist ein Produkt ihrer Zeit und der Gesellschaft.

  • Bürgschaftsbanken fördern massiv Nachfolge im Mittelstand

    Deutschland hat ein Nachfolgeproblem. Im Mittelstand fehlen bis Ende 2019 rund 240.000 neue Inhaber für kleine und mittlere Unternehmen.

  • Franchise oder Startup?

    Die Vor- und Nachteile beider Modelle im Check. Ein Leitfaden für alle, die sich selbstständig machen wollen.

  • Israels Gründergeist

    Shai Agassi ist so etwas wie der Bill Gates des Silicon Wadis. Mit seiner ersten Gründung fuhr Agassi erstmal gegen die Wand. In Israel aber gehören Rückschläge zum Geschäft.

  • Darf's etwas teurer sein?

    Professionelles Pricing, Omnichannel im Vertrieb, Customization: Dr. Georg Tacke, CEO der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners über Vertriebs- und Marketingtrends 2018.

  • NEU auf DUB.de: Top-Platzierung in den Suchergebnissen

    Steigern Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Anzeige. Positionieren Sie sich vor den Basis-Inseraten und erhöhen Sie durch die besondere Darstellung Ihre Inseratsaufrufe.

  • Einfach loslassen

    Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die verspätete Unternehmensnachfolge gelingt.

  • Das Lebenswerk sichern

    Welche Rolle die Emotionen bei der Unternehmensübergabe spielen.

  • Die Meister des Franchise

    Die Vor- und Nachteile von Master-Franchise-Lizenzen.

  • DUB setzt Oettingers digitalen Bildungsgutschein um

    Der Politik einen Schritt voraus: Hamburger Verleger Jens de Buhr füllt die Forderung des EU-Kommissars Günther Oettinger nach Gutscheinen zur digitalen Weiterbildung mit Leben.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick