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Visionäre im Visier - Teil 2

Am Rande des Untergangs

Doch nicht nur in Hamburg fesseln Visionäre die Zuhörer. Bei den TED Talks 2016 im kanadischen Vancouver begeisterten mehr als 100 Redner über einen Zeitraum von fünf Tagen das Publikum – darunter auch Hinrichs. „Besonders Al Gore hat dabei einen bleibenden Eindruck hinterlassen“, so der Unternehmer. „Wer seine Präsentation empirischer Fakten rund um den Klimawandel erlebt hat, versteht, dass der CO2-Ausstoß der Menschheit uns an den Rand des Abgrunds führt.“ So werden beispielsweise täglich 110 Millionen Tonnen treibhauseffektverstärkende Gase an die Atmosphäre abgegeben, mahnt Gore. Als Hauptschuldigen identifiziert er fossile Brennstoffe, die immer noch 85 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs abdecken würden. Die Konsequenzen sind fatal.

Die Verteilung zwischen kalten und heißen Tagen hat sich stark in Richtung heißer Tage verschoben: 14 der 15 heißesten Jahre seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnung wurden nach 2001 festgestellt. Die Verteilung zwischen kalten und heißen Tagen hat sich stark in Richtung heißer Tage verschoben: 14 der 15 heißesten Jahre seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnung wurden nach 2001 festgestellt. 2015 war das heißeste Jahr, das je gemessen wurde. Die erhöhte Tempratur wirke sich auf das gesamte Ökosystem aus. Dabei würden jedoch 93 Prozent der von der Menschheit verursachten globalen Erwärmung von den Ozeanen aufgenommen. Die Auswirkung: immer mehr und immer stärkere Taifune; heftigere Regenfälle, die ganze Landstriche überfluten; aber auch länger anhaltende Dürreperioden, die Ernten vernichten und Hungersnöte nach sich ziehen.

Gores Botschaft ist klar: „We must change.“ Und in der Tat bestehe Hoffnung: Beispielsweise sei der Anteil regenerativer Energien am Energiemix in den letzten zehn Jahren rapide gestiegen. Auch die Kapazität von Batterien und Akkus wachse zusehends, während ihre Kosten zurückgingen. Der frühere US-Vizepräsident ist sich daher sicher: „Wir bewältigen diese Krise.“

Hightech unter glühend heisser Sonne

Thomas Eilrich zog es rund 3.000 Kilometer weiter gen Süden nach Austin, Texas. Dort besuchte er die South by Southwest (SXSW), eine der wichtigsten Veranstaltungen des Jahres der Tech- und Start-up-Branche. Das unterstreicht die diesjährige Anwesenheit von Barack Obama, der als erster US-Präsident an der Veranstaltung teilnahm und sich der kontroversen Diskussion um die nationalen Sicherheitsinteressen im Konflikt mit dem Recht auf Freiheit und Privatsphäre stellte. Wenn auch nur die Losgewinner unter den SXSW-Gästen die Gelegenheit hatten, den Präsidenten live zu erleben – Obamas Präsenz hat Eindruck hinterlassen. Inspiriert hat Eilrich jedoch ein anderer kluger Kopf, der in Texas gesprochen hat: Scott Belsky. Der hierzulande eher Insidern vertraute Unternehmer, Autor und General Partner beim Venture-Capitalist Benchmark hat eine Historie als Kreateur. Er verantwortete Adobes neue Strategie im Bereich mobiler Produkte, war Mitgründer der Kreativen-Plattform Behance und leitete diese bis zum Kauf durch Adobe. Sein Vortrag „Insights on building great digital products“ stellt auf die „user experience“ ab und eine Welt, in der die Benutzeroberfläche entscheidender ist als die Technologie dahinter.

Entsprechend spiele das Design beim Kreieren digitaler Produkte die entscheidende Rolle. Eine seiner Kernthesen ist, dass beim Produktdesign unbedingt beachtet werden müsse, wozu Menschen tendieren. „Produkte sind für Menschen gemacht. Und wir“, so Belsky provokant, „sind vor allem faul, selbstverliebt und egoistisch.“ Diese wesentlichen Triebe müssten bereits in den ersten 15 Sekunden des Produktkontakts adressiert werden. Übersetzt heißt das: Das Produkt muss idealerweise intuitiv sein, über Belohnungen wie Likes eine Beziehung zum Nutzer aufbauen und so wirken, als sei es nur auf die Bedürfnisse des Users zugeschnitten. Ein weiterer Tipp: nur nicht zu viele Optionen einbauen. Das verwirre nur. Und: Innovationen sind gut, aber bitte mit einem den Usern vertrauten Kern. Denn, so Belskys Apell, „ihr macht Produkte für Menschen, also bleibt dabei so menschlich, wie es nur geht.“

Visionäre im Visier - Teil 1
Visionäre im Visier - Teil 2

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