Versicherungen als Qualitätsmerkmal

Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) handhaben den Versicherungsschutz eher lax. Besonders Startups und jüngere Unternehmen sparen bei Policen, wie die jährliche KMU-Studie der Gothaer Versicherung erbrachte. Damit gehen die Unternehmer hohe Risiken ein.

Stempel: Gerade junge Unternehmen sollten ihren Versicherungsschutz im Blick behalten.

Für kleine und mittelständische Firmen gehören Versicherungen nicht unbedingt zu den wichtigsten Themen, wie die Studie zeigt. Zum dritten Mal ließ der Versicherer 1009 Betriebe zu deren Versicherungsschutz und Gefahreneinschätzung befragen. Fast die Hälfte der KMU sichert sich mit lediglich drei Policen ab. Von den ab 2006 gegründeten Betrieben verfügen sogar zwei Drittel (68 Prozent) über lediglich drei Policen. An erster Stelle steht dabei mit 87 Prozent die Betriebshaftpflichtversicherung – zu Recht, wie Felix Schollmeier, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Finanzchef24, feststellt: „Die Haftpflichtversicherung ist unerlässlich, da in Deutschland grundsätzlich jedes Unternehmen für Schäden an anderen Personen oder an fremdem Eigentum unbegrenzt mit dem gesamten Vermögen haftet.“ An zweiter Stelle steht laut KMU-Studie mit 64 Prozent die betriebliche Gebäude-Versicherung. An dritter Stelle rangiert die Elektronikversicherung mit 37 Prozent.

Ein Richtwert für die Summe, die Unternehmer für die Absicherung aufbringen sollten, sei von vielen Faktoren abhängig, sagt Thomas Leicht: „Die im Unternehmen vorhandenen Werte wie Gebäude und Geräte haben unmittelbar Einfluss auf die Höhe der Prämie.”

Große Angst vor Vandalismus

Die Geschäftsinhaltsversicherung steht mit 32 Prozent auf Platz vier – erstaunlich, da die Gefahr von zerstörtem Inventar durch Einbrecher, die mit dieser Police abgesichert wird, als die größte wahrgenommen wird: 53 Prozent der befragten Unternehmen sehen darin die größte Bedrohung für sich. „Einbruch-Diebstahl und Vandalismus stellen tatsächlich die häufigsten Schadensursachen dar und verursachen die größten Schäden“, sagt Thomas Leicht, Vorstandsvorsitzenden der Gothaer Allgemeine Versicherung. Daneben sei zudem die Schadenhäufigkeit von Leitungswasser als Ursache auffällig. Schollmeier kommentiert: „Je nachdem, wie viele Betriebsmittel man einsetzt, muss auch eine Inhaltsversicherung oder Eigenschadenversicherung abgeschlossen werden. Typischerweise ist das für Betriebe sinnvoll, die Inventar, Waren, Werkzeuge und Einrichtung gegen Schäden wie Feuer, Diebstahl, Sturm und Wasser schützen.“

Vorbeugende Maßnahmen unerlässlich

Nicht nur die Policen, auch vorbeugende Maßnahmen hinsichtlich der Einbruchgefahr fehlen: „Gerade im Hinblick auf das Vandalismus-Risiko ziehen Unternehmen, die in isolierter Lage angesiedelt sind, die Installation einer hochwertigen Einbruchmeldeanlage zu wenig in Betracht.“ Fehlt eine solche Anlage, können Einbrecher, sobald sie die mechanische Sicherung überwunden haben, sich über einen längeren Zeitraum unbemerkt im Gebäude aufhalten. „Das spielt im Hinblick auf mögliche Beschädigungen von Innentüren, Schränken oder Bürocontainern eine bedeutende Rolle. Des Weiteren nehmen Risiko reduzierende Maßnahmen zu Brandschutz und Sicherungstechnik Einfluss auf die Prämienkalkulation“, so Leicht.

Ein weiterer Punkt in der Umfrage unter KMU galt dem Bereich, der aus Sicht der Unternehmen der wertvollste ist und wo das Unternehmen die größten Verluste erleiden würde. Für die meisten Unternehmen (31 Prozent) ist dies das Computersystem inklusive Daten. Auch dies findet sich nicht in den Policen wieder: Eine Cyberpolice haben gerade einmal sieben Prozent der befragten Unternehmen abgeschlossen.

Unterversicherung vermeiden

Generell sei es wichtig für Unternehmen, ihren Versicherungsschutz regelmäßig zu überprüfen, um eine Unterversicherung zu vermeiden. Leicht sagt: „Ziel sollte es sein, durch die regelmäßige Überprüfung der im Unternehmen vorhandenen Werte die Versicherungssumme aktuell zu halten.“

Gründerrabatte mitnehmen

Die KMU-Studie zeigt, dass vor allem jüngere Unternehmen, die 2006 oder später gegründet worden sind, vergleichsweise wenige Policen besitzen. Schollmeier empfiehlt jedoch Unternehmern, sich grundsätzlich lieber früher als später zu versichern, da im Schadensfall keine Police rückwirkend abgeschlossen werden kann. Zudem seien die Prämien gerade in den ersten Jahren sehr niedrig, weil viele Versicherungen bei Abschluss in den ersten sechs bis zwölf Monaten nach Gründung einen attraktiven Gründernachlass gewähren. Sein Tipp: „Da die Prämienberechnung oft auf Umsatz, Lohnsumme und Mitarbeiter basiert, sollten Startups bei der Risikoanalyse zukünftige Werte nicht allzu offensiv schätzen. Dies wirkt sich nämlich direkt auf die zu zahlende Prämie aus.“ Außerdem sei eine aktive Versicherungspolice auch als Qualitätsmerkmal zu sehen. Davon können insbesondere Startups bei der Kundengewinnung profitieren.

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