bAV-Spezial: Interview mit Ralf Berndt

„Schnell handeln“

Auch die aktuellen Bestrebungen der Bundesregierung werden die gesetzliche Rente nicht auf Dauer sichern, betont Stuttgarter-Vorstand Ralf Berndt. Er mahnt deshalb insbesondere Jüngere, schnell zu handeln.

Ralf Berndt: Seit 2002 gehört er dem Vorstand der Stuttgarter Versicherungsgruppe an und verantwortet die Bereiche Vertrieb und Marketing.

Ralf Berndt: Seit 2002 gehört er dem Vorstand der Stuttgarter Versicherungsgruppe an und verantwortet die Bereiche Vertrieb und Marketing (Foto: Thomas Berndt)

 

Einen Sportwagen? Den will jeder haben, doch eigentlich braucht ihn keiner. Bei der privaten Altersvorsorge, betont Stuttgarter-Vorstand Ralf Berndt, ist das genau andersherum: Jeder braucht sie, aber niemand möchte sich mit dem Thema beschäf­tigen. Insbesondere Jüngere tun sich – mit Blick auf die gute Wirtschaftslage und die niedrigen Arbeits­losenzahlen – damit schwer. Dabei ist die Gleichung einfach: Je früher man mit dem Sparen anfängt, desto leichter ist es, das Auskommen im Alter zu sichern.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Die Rentenkommission der Bundesregierung hat die Sicherung der gesetzlichen Rente für die Jahre nach 2025 auf der Agenda. Für wie aussichtsreich halten Sie die Bestrebungen, etwa zur doppelten Haltelinie?

Ralf Berndt: Bei der doppelten Haltelinie geht es darum, das Sinken des Rentenniveaus zu verhindern und gleichzeitig die Höhe der Beiträge zu begrenzen. Die SPD hat dies zwar für die Zeit bis 2025 durchgesetzt, aber gegen den Rat vieler renommierter Wissen­schaftler. Danach wird uns nämlich die Problematik des demografischen Wandels wieder einholen. Das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Renten­empfängern wird dann in eine noch stärkere Schieflage geraten sein.

Mit welchen Folgen?

Berndt: Darf an Beiträgen, Rentenniveau und Renteneintrittsalter nicht gerüttelt werden, müssten langfristig erheblich mehr Steuermittel in die gesetzliche Rentenversicherung fließen. Das würde sicher auch Abstriche an anderer Stelle bedeuten – unabhängig davon, ob dies ein Bundeshaushalt in Zukunft überhaupt leisten kann. Ich bin da eher skeptisch. Die Stabilisierung der gesetzlichen Rente im Sinne einer Existenzsicherung ist wichtig. Sie sollte aber durch eine ebenso starke kapitalgedeckte private und betrieb­liche Altersvorsorge ergänzt werden.

Angesichts der Niedrigzinsphase gelten klassische Produkte zur privaten Altersvorsorge als „old fashioned“. Das Auf und Ab an den Börsen schreckt aber viele ab. Wie sieht ein guter Kompromiss aus?

Berndt: Fakt ist: Die gesetzliche Rentenversicherung wird nicht ausreichen, um den gewohnten Lebens­standard im Alter zu halten. Moderne, kapitalmarktnahe Produkte, bei denen man das Verhältnis zwischen Sicherheit und Chance kundenindividuell wählen kann, sind heute der richtige Ansatz. Bei Produkten wie unserer Hybridrente „performance-safe“ ist eine Ände­rung zwischen sicherer und chancen­reicherer Anlage jederzeit möglich, sodass man auch eine Anpassung an die jeweilige Marktsituation vornehmen kann.

Die betriebliche Altersversorgung, kurz bAV, hat bei mittelständischen Unternehmen noch keine starke Marktdurchdringung. Wie kann man das ändern?

Berndt: Der Gesetzgeber sollte die Regelungen der bAV vereinfachen, um den Verwaltungsaufwand für Arbeitgeber zu reduzieren. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben oft keine eigenen Mitarbeiter für die Verwaltung der bAV. Die neue Pflicht für Arbeitgeber, die Sozialversicherungsersparnis weiterzugeben, ist ein wichtiger Schritt, um die bAV weiter nach vorne zu bringen. Das gilt auch für die zusätzlichen Förderungen für Geringverdiener und für die generelle Erhöhung der bAV-Förderung. Außer­dem können wir davon ausgehen, dass die Bedeutung und damit auch die Verbreitung der bAV in den nächsten Jahren deutlich zunehmen wird. Vor dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel beobachten wir schon heute, dass Arbeitgeber verstärkt mit dem Angebot einer bAV um neue Mitarbeiter werben und versuchen, vorhandene Mitarbeiter stärker zu binden.

Teil 1: „Schnell handeln“

Teil 2: Gesetzliche Rente nur Existenzsicherung

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