bAV-Spezial: Interview mit Dr. Henriette Meissner

Digitalisierung ermöglicht einfachere Umsetzung einer Betriebsrente

Wie sich Firmen mit Vorsorgekonzepten Vorteile im „War for Talent“ verschaffen, erklärt Henriette Meissner, Expertin für betriebliche Altersversorgung bei der Stuttgarter.

Gut gefördert: Henriette ­Meissner von der Stuttgarter weiß, wie Firmen von der Förderung von Betriebsrenten profitieren können.

Gut gefördert: Henriette ­Meissner von der Stuttgarter weiß, wie Firmen von der Förderung von Betriebsrenten profitieren können (Foto: PR)

Betriebliche Altersversorgung (bAV) muss für den Mittelstand nicht teuer sein, betont Henriette Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management. Die bAV-Expertin über Gesetzesänderungen und neue Fördermöglichkeiten.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Ist 2018 das Jahr der betrieblichen Altersversorgung?

Henriette Meissner: Das Betriebsrentenstärkungsgesetz bietet hervorragende Ansätze, damit Beschäftigte besser vorsorgen und vom Arbeitgeber versorgt werden können. Richtig umgesetzt, ist es eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Jedes Unternehmen muss sich mit der Frage beschäftigen, wie es Fachkräfte gewinnen und binden kann. Dazu gehört auch eine attraktive Betriebsrente, die voll im Trend liegt. Die große Frage ist allerdings, wie die Unternehmer von diesen neuen Chancen erfahren.

Ist die bAV tatsächlich ein probates Mittel im „War for Talent“?

Meissner: Ja, die Betriebsrente spielt immer eine Rolle für die Mitarbeitergewinnung und -bindung. Das belegt etwa die Studie „bAV zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ von Deloitte aus dem Jahr 2017. Ich kann zum Beispiel aus unserem eigenen Unternehmen berichten, dass mir immer wieder gespiegelt wird, wie positiv es neue Mitarbeiter finden, dass wir eine großzügige Altersversorgung anbieten. Die meisten wissen ja doch sehr genau, dass die gesetzliche Versorgung nicht mehr ausreicht.

Viele Unternehmen scheuen bislang die Einführung einer bAV aufgrund des administrativen Aufwands. Reduziert sich dieser durch die Digitalisierung?

Meissner: In der Tat bietet die Digitalisierung gute Unterstützung, zum Beispiel durch Arbeitgeberportale. Damit kann die Personalseite die unternehmenseigenen Betriebsrenten sehr gut administrieren.

Welche zusätzlichen Anreize wurden für Mittel­ständler durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz geschaffen, eine bAV anzubieten?

Meissner: Aus unserer Sicht ist hier vor allem die doppelte Förderung für vom Arbeitgeber finanzierte Betriebsrenten zu nennen. Wird der Arbeitgeber von sich aus tätig, dann hat dieser durch die neue Förderung für Geringverdiener plus der steuerlichen Abzugsfähigkeit als Betriebsausgabenabzug eine Förderquote von bis zu 51 Prozent für seine Betriebsrente. Da machen Sozialleistungen Spaß.

Mit vier anderen Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit hat sich die Stuttgarter zum Bündnis „Das Rentenwerk“ zusammengeschlossen, um als Bindeglied zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften im Rahmen der bAV Tarifrenten nach dem Sozialpartner­modell anzubieten. Warum die Zusammenarbeit?

Meissner: Das Sozialpartnermodell wird aufgrund von Flächentarifverträgen entweder in ganzen Branchen oder größeren Firmen per Haustarifvertrag zur Anwendung kommen. Um Skaleneffekte realisieren zu können, haben wir uns zusammengeschlossen. Die beteiligten Versicherer sind im Lager der Versicherungsvereine angesiedelt und damit seit Jahrzehnten quasi-genossenschaftlich nur ihren Mitgliedern verpflichtet. Das sorgt für Stabilität. Und so ein Modell muss zwei bis drei Generationen stabil bleiben können.

Teil 1: Digitalisierung ermöglicht einfachere Umsetzung einer Betriebsrente

Teil 2: Betriebsrente als Vorteil im „War of Talents“

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