Spezial Female Leadership: „Im entscheidenden Moment präsent sein“

Dem inneren Kompass folgen

Nur vier börsennotierte Unternehmen in Deutschland werden von einer Frau geführt. Sonja Wärntges, CEO des Immobilienkonzerns DIC Asset, zählt zu ihnen. Im Interview gibt sie Einblicke in ihre Karriere und den Wandel der Branche.

Sonja Wärntges leitet seit 2017 die DIC Asset AG als Vorstandsvorsitzende.
Sonja Wärntges
leitet seit 2017 die DIC Asset AG als Vorstandsvorsitzende. (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Weibliche CEOs lassen sich an einer Hand abzählen. Wie lässt sich das ändern?

Sonja Wärntges: Unternehmen suchen nach Persönlichkeiten, die alles mitbringen, was nötig ist, um das Unternehmen in diesem Moment bestmöglich zu führen. Für unseren Aufsichtsrat spielt vorbehaltlos der Erfolg eine Rolle. Ich bin sicher, alle Unternehmen können ebenso gut von einer Frau geführt werden wie von einem Mann. Da ein Großteil der Kandidaten für eine Führungsposition aus den Unternehmen selbst rekrutiert wird, heißt es für die Frauen auch, im entscheidenden Moment präsent zu sein und unter Beweis zu stellen, dass sie sich etwas zutrauen.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?

Wärntges: Strategie und deren Umsetzung zu verantworten. Und zu erleben, wie damit gute Ergebnisse erzielt werden. Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, wachsen zu sehen und sie zu fördern. Und natürlich, immer wieder andere hochkarätige Persönlichkeiten kennenzulernen, von denen ich lernen kann.

Die Frauenquote bei Aufsichtsräten wirkt. Wäre dies auch auf Vorstandsebene ein möglicher Hebel?

Wärntges: Aus unternehmerischer Perspektive bin ich bezüglich mehr Regulatorik eher zurückhaltend und bevorzuge daher das Instrument der Eigenverantwortung. Ich bin aber überzeugt, mit mehr Unterschiedlichkeit im Top-Management – Alt und Jung, Männer und Frauen, verschiedene Nationen und Kulturen – kann ein Unternehmen nur gewinnen. Voraussetzung ist, dies zu wollen und umzusetzen. Dafür muss man bereit sein, neue Wege zu gehen. Und das erfordert starke Persönlichkeiten, die sich damit auseinandersetzen. Es werden zwar immer mehr, aber wir brauchen dennoch ein wenig Geduld.

Inwieweit wird die Digitalisierung den Immobilien- und Gebäudesektor verändern?

Wärntges: Digitalisierung und Online-Kauf verändern innerstädtisches Leben, Stadtlogistik und die Art zu arbeiten. Dem Einzelhandel setzt das zu, Shoppingmalls verlieren an Anziehungskraft. Gleichzeitig nimmt der Lieferverkehr rasant zu. Es wächst der Bedarf an engmaschigen Logistikhubs als Verteilebene unterhalb von Megagüterzentren im Umland der Städte. Neue Arbeitsmodelle und Bürobedarfe entwickeln sich. Die Urbanität der Innenstädte leidet. Notwendig ist es, kluge Wege zu finden, wie Wohnen, öffentliches Leben und zukunftsgerichtete Büro-, Gewerbe-, Verkehrs- und Versorgungskonzepte städtebaulich attraktiv verbunden werden können. Gebäude müssen diesen geänderten Lebensmodellen Rechnung tragen.

Was hat Sie in Ihrer Karriere und auch in Ihrer persönlichen Entwicklung am meisten vorangebracht?

Wärntges: Der wirkungsvollste Antrieb ist meiner Meinung nach die Begeisterung für das, was man tut. Das ist kein pauschaler Erfolgsgarant, aber wenn der innere Kompass stimmt, stärkt es die Ausdauer und Beharrlichkeit. Ich habe mir immer anspruchsvolle Menschen gesucht, die mich fordern, aus der Komfortzone herauszutreten und Neues zu lernen. Diesen Persönlichkeiten bin ich sehr dankbar, auch wenn es nicht immer ein angenehmer Prozess ist. Ich selbst war lange Mentorin für weibliche Nachwuchsführungskräfte. Das hat mir Spaß gemacht. Dies kann aber nur ein Baustein in der persönlichen Entwicklung sein.