Spezial Female Leadership: „Eingefahrene Muster überwinden”

Diversität als zentraler Erfolgsfaktor

Welche Mechanismen bei der Suche nach passenden Talenten greifen und warum Mädchen Naturwissenschaften studieren sollten, erklärt Dr. Melanie Maas-Brunner, President Nutrition & Health beim Chemieunternehmen BASF.

Dr. Melanie Maas-Brunner ist President Nutrition and Health bei BASF
Dr. Melanie Maas-Brunner
ist President Nutrition and Health bei BASF (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie sind seit mehr als 20 Jahren bei BASF tätig. Worin lag Ihre bislang größte berufliche Herausforderung?

Dr. Melanie Maas-Brunner: Die größte berufliche He­rausforderung für mich ist immer diejenige, die ­als Nächstes ansteht. Mein Arbeitgeber hat mir immer Vertrauen geschenkt und mich in Positionen geführt, in denen ich mich weiterentwickeln konnte. Ich bin beispielsweise in der Forschung eingestiegen – und nach drei Jahren in einen Produktionsbetrieb gewechselt. Da musste ich mich komplett umstellen.

Sie haben eine Zeit lang in Hongkong gearbeitet. Welche Herangehensweise haben Sie mitgenommen?

Maas-Brunner: In Asien reichen 80 Prozent oft schon beim Entwickeln neuer Lösungen aus. Damit geht ein Unternehmer zu Kunden, hört ihnen zu und verbessert dann sein Produkt. Das versuche ich in meinem Arbeitsalltag zu fördern, beispielsweise indem wir Kunden schon früh mit unseren Forschern zusammenbringen. BASF will kundenzentrierter werden. Da kann die asiatische Herangehensweise uns weiterbringen.

Die Chemieindustrie gilt immer noch als männerdominiert. Was halten Sie von Frauenquoten und formalisierten Auswahlprozessen?

Maas-Brunner: Von einer gesetzlich vorgegebenen Frauenquote halte ich nichts. Aber: Vielfältige Teams sind erfolgreicher. Wir arbeiten daran, weibliche Talente noch stärker einzubeziehen, und werden das aus eigener Kraft schaffen. Gleichzeitig dürfen wir den Begriff Vielfalt nicht darauf reduzieren, wie viele Männer und Frauen in einem Team arbeiten. Merkmale wie Alter, ethnische Herkunft und berufliche Ausbildung zählen ebenfalls. Für mich ist wichtig, dass wir Stellen mit den besten Kandidaten besetzen und da- bei auch die persönliche Entwicklung der Mitarbeiter unterstützen. Formalisierte Auswahlprozesse sind da hilfreich. Meine Erfahrung ist, dass wir mit divers besetzten Bewerbungsgesprächen bessere Kandidaten finden. Und Listen von Bewerbern, die nach Gesichtspunkten der Vielfältigkeit zusammengesetzt sind, unterstützen dabei, eingefahrene Muster beim Besetzen von Stellen zu überwinden.

Sie selbst sind promovierte Chemikerin. Wie lassen sich mehr Mädchen für MINT-Berufe begeistern?

Maas-Brunner: Ich glaube, dass in der Bildung ein ganz wichtiger Schlüssel dafür liegt. Deshalb konzentrieren wir uns beim Bildungsengagement und mit den Aktivitäten der von uns mitgegründeten Wissensfabrik auf MINT-Fächer. Meine persönliche Botschaft an Schülerinnen ist: Studiert Naturwissenschaften! Wo sonst kann ich so viel lernen über die Zusammenhänge, die unsere Welt bewegen?

Inwieweit erfasst die Digitalisierung auch eine so traditionelle Industriebranche wie die Chemie?

Maas-Brunner: Unser Vorstandsvorsitzender Martin Brudermüller gibt hier eine klare Richtung vor: Unser Weg ist digital. Das beginnt bei unseren Produktionsprozessen, geht über unsere Lieferkette und reicht bis hin zu Geschäftsmodellen und der Art, wie wir zusammenarbeiten. In meinem Bereich etwa haben wir gerade im letzten Jahr eine einzigartige Kombination pflanzlicher Peptide für Sporternährung auf den Markt gebracht, die wir mithilfe von Künstlicher Intelligenz identifiziert haben. Aus diesem Grund suchen wir auch fortlaufend nach Talenten mit digitalen Kenntnissen.