Spezial Female Leadership: „Vom Entscheider zum Ermöglicher werden”

Digital Leader mit zukunftsfähigem Mindset

Als Vorstand Operations bewegt Anke Giesen den Flughafenbetreiber Fraport. Die Förderung von Frauen ist für sie eine Herzensangelegenheit. Giesen ist sich sicher: Mehr Diversität steigert den Unternehmenserfolg.

Anke Giesen ist Vorstand Operations bei Fraport und bewegt den Flughafenbetreiber hin zu mehr Diversität
Anke Giesen ist Vorstand Operations bei Fraport und bewegt den Flughafenbetreiber hin zu mehr Diversität (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Wie unterscheidet sich Digital Leadership von herkömmlicher Führungsverantwortung?

Anke Giesen: Die Digitalisierung verändert grundlegend die Art und Weise, wie wir arbeiten. Ein Unternehmen wie Fraport kommt zwar auch in Zeiten der Digitalisierung nicht ganz ohne Hierarchien und ein gewisses Maß an Komplexität aus. Aber dies darf uns nicht daran hindern, schnell, flexibel und effizient zusammenzuarbeiten. Die Digitalisierung bietet hierfür die richtigen Plattformen und Tools. Noch wichtiger sind aber das richtige Mindset, die Haltung und die Unternehmenskultur. Es ist die Aufgabe von Digital Leaders, dies vorzuleben. Wir Führungskräfte müssen uns vom Entscheider hin zum Ermöglicher entwickeln. Die Menschen in der Organisation brauchen weniger hierarchische Führung und mehr Freiraum für Ideen und Innovationen.

Welche Kompetenzen sind heute besonders gefragt?

Giesen: Entscheidend sind für mich Offenheit und Mut. Dazu gehört die Bereitschaft, sich mit neuen Arbeitsweisen auseinanderzusetzen. Auch eine direkte Kommunikation auf Augenhöhe schließe ich mit ein. Sie ist essenziell für die erfolgreiche Zusammenarbeit, insbesondere wenn Digitalisierung bestehende Arbeitsstrukturen verändert. Besonders wichtig ist mir die ständige Selbstreflexion und Bereitschaft zur Weiterentwicklung und Veränderung. Ohne den Willen, Bestehendes infrage zu stellen, gibt es keinen Raum für Innovationen.

Inwieweit wird die digitale Transformation zu mehr Diversität in Unternehmen und mehr Frauen in Führungspositionen führen?

Giesen: Mit solchen Prognosen tue ich mich schwer. Aber umgekehrt wird definitiv ein Schuh daraus: Je diverser ein Unternehmen aufgestellt ist, desto besser wird es in der Lage sein, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Je unterschiedlicher die Menschen in einem Team sind, desto vielfältiger sind ihre Qualifikationen, Kompetenzen und Ideen. Genau davon leben Kreativität und Innovation als Grundvoraussetzungen für den digitalen Wandel. Das gilt für uns als Flughafenbetreiber in einer so internationalen Branche wie dem Luftverkehr erst recht.

Was halten Sie von formalisierten Auswahlprozessen und Frauenquoten?

Giesen: Die Förderung von Frauen ist für mich eine Herzensangelegenheit. Feste Quoten halte ich aber für einen falschen Ansatz. Stattdessen müssen wir weiter an den Rahmenbedingungen für Frauen und Mütter innerhalb und außerhalb unseres Unternehmens arbeiten. Gemischte Teams sind einfach leistungsfähiger. Wir müssen daher die soziale und kulturelle Vielfalt in Unternehmen weiter fördern.

Was haben Sie in Ihren Positionen hinsichtlich Ihres Umgangs mit eigenen Fehlern gelernt?

Giesen: Jeder Mensch macht Fehler. Wichtig ist, dass man sich Fehler auch eingesteht und daraus lernt. Dafür braucht man im Team eine offene und vertrauliche Atmosphäre, die unmittelbares Feedback ermöglicht. Jeder sollte in seinem Umfeld vertraute Menschen haben, die ihm auch mal den Spiegel vorhalten. Das hilft, um sich zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Was ist Ihr Tipp für Frauen mit Führungsambitionen?

Giesen: Egal ob Mann oder Frau – mein Tipp ist derselbe: Vertrauen Sie in Ihre Fähigkeiten. Zögern Sie nicht, sich neuen He­rausforderungen zu stellen. Bleiben Sie selbstreflektiert, um stetig an Ihrer eigenen Entwicklung zu arbeiten.