bKV Roundtable: „Gesundheit wird zur Chefsache“

Ein entscheidener Faktor im War for Talents

Beim Wettstreit um die besten Köpfe bekommt die betriebliche Krankenversicherung (bKV) auch im Mittelstand immer größere Bedeutung. Fünf Experten diskutierten mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin über die Perspektiven.

Die Diskussionsrunde: Sabrina van de Bürie, AXA; Rainer Ebenkamp, Gothaer; Frank Nobis, IVFP; Marc Simons, SIMONS & KOLLEGEN; und Robert Gladis, Hallesche
Die Diskussionsrunde:
Sabrina van de Bürie, AXA; Rainer Ebenkamp, Gothaer; Frank Nobis, IVFP; Marc Simons, SIMONS & KOLLEGEN; und Robert Gladis, Hallesche (Foto: Frank Erpinar)

Rund 7.700 Unternehmen hatten Ende 2018 für ihre Mitarbeiter eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) im Programm. Das hat der Verband der Privaten Krankenversicherung ermittelt. Angesichts der mehr als drei Millionen mittelständischen Firmen hierzulande eine noch bescheidene Dimension. Dabei bietet eine bKV eine Menge Vorteile: Mit einem Gruppenvertrag sichert der Arbeitgeber seiner Belegschaft ohne Wartezeit einen erweiterten Schutz und Absicherungsbausteine auf Privatpatienten-Niveau. Im Wettbewerb um die besten Köpfe kann die bKV so zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor werden. Grund genug für das DUB UNTERNEHMER-Magazin, das Thema gemeinsam mit fünf Experten zu beleu

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Die bKV gilt als Win-win-Lösung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Noch wird sie insbesondere im Mittelstand aber vergleichsweise wenig genutzt. Was ist der Hintergrund?

Rainer Ebenkamp: Zunächst einmal zeigen die Marktzahlen, dass sich in den zurückliegenden drei Jahren die Zahl der Unternehmen mit einer bKV mehr als verdoppelt hat. Klar ist aber auch: Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt es noch viel Aufklärungsbedarf. Eine aktuelle Studie der Gothaer belegt, dass 38 Prozent der KMU keinerlei Kenntnisse in puncto betriebliche Krankenversicherung haben.

Frank Nobis: Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass der Versicherungsvertrieb das Thema noch nicht richtig entdeckt hat. In einer Umfrage unseres Instituts gab kürzlich nicht mal ein Drittel der Makler an, dass sie die bKV im Beratungsprogramm haben. Dabei liegt der Nutzen doch klar auf der Hand. Ich gebe mal ein Beispiel: Wir haben in unserem Institut im Dezember 2012 eine bKV eingeführt, im März 2013 zog sich einer unserer Consultants beim Skifahren eine komplizierte Schulterverletzung zu. Er konnte sofort optimal therapiert werden und hat die Leistung der Zusatzversicherung damit in Verbindung gebracht. So ist es kein Wunder, dass die bKV bei unseren Mitarbeitern einen hohen Stellenwert genießt. Dieses Nutzenargument muss meines Erachtens noch viel stärker an die Vermittler herangetragen werden.

Sabrina van de Bürie: Da stimme ich zu. Ich denke aber auch, dass die Sensibilität für das Thema bkV bei den Unternehmen in der kommenden Zeit stark zunehmen wird. Wenn immer mehr Firmen eine bKV-Lösung einführen und sich so als attraktiver Arbeitgeber positionieren, werden andere allein schon unter Wettbewerbsgesichtspunkten nachziehen. Oder, anders gesagt: Wer als Unternehmer Fachkräfte finden und an sich binden möchte, wird sich zukünftig zwangsläufig mit bKV-Angeboten beschäftigen.

Robert Gladis: Und wir reden hierzulande ja nicht nur über einen Mangel an Fachkräften, sondern generell über einen eklatanten Arbeitskräftemangel. Im Zuge dessen wird der Mensch für den Unternehmenserfolg flächendeckend zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Das Allerwichtigste ist dabei die Gesundheit der Mitarbeiter, die durch eine betriebliche Krankenversicherung unmittelbar gestärkt und verbessert wird. Damit ist die bKV das wirkungsvollste Instrument, das es überhaupt in Unternehmen geben kann.

Marc Simons: Richtig. Im Gegensatz zur betrieblichen Altersversorgung hat die bKV den Vorteil der schnellen Erlebbarkeit. Und diese Erlebbarkeit stellen wir in der Ansprache der Unternehmen ganz nach vorn. So können die Mitarbeiter direkt spüren: Hier tut der Chef wirklich etwas für mich.

Lohnt sich denn eine bKV für jede Firma?

van de Bürie: Ja, die bKV lohnt sich grundsätzlich für alle Unternehmen - nicht zuletzt, weil nahezu jedes Unternehmen mit dem demografischen Wandel konfrontiert ist. Es geht auch darum, eine alternde Belegschaft insbesondere durch gute Vorsorgeleistungen gesund zu halten. Werden Krankheiten früher erkannt, können sie besser behandelt werden und dementsprechend auch Krankheitskosten vermieden oder zumindest reduziert werden. Auch dem Risiko von Arbeitsunfähigkeiten wird so wirksam gegengesteuert.

Gladis: Und wir sollten eins nicht außer Acht lassen: Letztendlich stehen auch die Konzerne und größeren Unternehmen mit dem Klein- und Mittelstand im Wettbewerb um die gleichen Köpfe. Während große Unternehmen und Konzerne in unserer Wahrnehmung umfangreiche Benefits und Programme für das Betriebliche Gesundheitsmanagement implementiert haben, ist die bKV die Chance für kleine und mittelständische Firmen, hier gleichziehen zu können.

Simons: Wir führen zudem jetzt Verbandslösungen ein. Das heißt, wir bieten zum Beispiel über Kreis-Handwerkerschaften eine bKV an, um so die Streuung oder Durchdringungsquote in den kleinen Betrieben deutlich zu steigern. Denn eine gute bKV-Lösung ist für diese Zielgruppe genauso wichtig wie für den großen Mittelständler mit 500 Mitarbeitern.

Teil 1: Ein entscheidener Faktor im War for Talents

Teil 2: Amazon, Google & Co. als Platzhirsche der bKV?

Teil 3: bKV mehr als nur ein Steuervorteil

Teil 4: Die bKV gewinnt immer mehr an Bedeutung