Spezial Female Leadership: „Sagen Sie Ja zu neuen Chancen“

Ich bin kein Freund der Frauenquote

Maria Moraeus Hanssen ist seit Anfang 2018 Vorstandsvorsitzende der DEA Deutsche Erdoel AG. Die Norwegerin fordert Diversität in Unternehmen – und das weit über die Geschlechterfrage hinaus.

Maria Moraeus Hanssen ist seit Anfang 2018 ist sie Vorstandsvorsitzende bei DEA
Maria Moraeus Hanssen
geboren in Oslo, studierte unter anderem Petroleum Economics and Management in Paris. Sie bekleidete führende Positionen etwa bei Statoil oder Engie, vormals GDF Suez. Seit Anfang 2018 ist sie Vorstandsvorsitzende bei DEA
(Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was unterscheidet Deutschland von Norwegen hinsichtlich Diversität in Unternehmen?

Maria Moraeus Hanssen: Ich glaube, der größte Unterschied sind die unterschiedlichen sozialen und kulturellen Erwartungen. Norwegen gehört zu den Ländern mit der höchsten Geschlechtergerechtigkeit. Das ist positiv für alle: für Frauen mit Karriereambitionen sowie für Männer, die ihren Schwerpunkt auf das Familienleben legen. Außerdem gibt es Unterschiede bei den kulturellen und sozialen Erwartungen daran, wie Eltern ihre Freizeit mit ihren Kindern verbringen und wie eine gute Work-Life-Balance aussieht. Dies zu vereinbaren mit einer Führungsposition, die lange Arbeitstage und häufige Dienstreisen mit sich bringt, kann sehr herausfordernd sein.

Was ist Ihr Tipp für Frauen mit Führungsambitionen?

Hanssen: Sag „ja!“ zu neuen Chancen und Herausforderungen. Ich habe immer ja gesagt und mich erst anschließend  mit den praktischen und privaten Aspekten auseinandergesetzt. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich heute dort bin wo ich bin.

Was halten Sie von formalisierten Auswahlprozessen, insbesondere der Frauenquote?

Hanssen: Ich bin kein Freund von Quoten. Trotzdem glaube ich an die Wirkung permanenter und transparenter Veröffentlichung von Vielfältigkeitskennzahlen. Es ist erwiesen, dass sich Vielfalt positiv auf das Business auswirkt, deshalb ist das ein Thema, das  jedes Unternehmen, jeder Geschäftsführer beachten sollte, wenn es um Stellenbesetzung geht. Generell gesagt halte ich es für einen Fehler, wenn Unternehmen oder ganze Branchen bei der Suche nach Fachkräften nicht aus dem gesamten Talente-Pool schöpfen, das zu 50 Prozent in weiblichen Gehirnen steckt.

Welche Entscheidung hat Ihren Karriereweg maßgeblich beeinflusst?

Hanssen: Es ist schwierig einen konkreten Schritt herauszugreifen. Als ich Manager einer Offshore-Anlage und verantwortlich für den Betrieb einer Offshore-Plattform in der Nordsee war, ist etwas, das mich geprägt hat.

Welche besonderen Eigenschaften haben Ihnen auf Ihrem Karriereweg in einer männerdominierten Branche weitergeholfen?

Hanssen: Wie bereits gesagt: Ja sagen, hart arbeiten und sich hineinvertiefen. Je mehr du dich engagiert, um den Job, die Firma und die Branche zu verstehen, umso interessanter wird der Job. Und wenn du generell interessiert und motiviert bist, kommst du auch mit Herausforderungen zurecht.

Was haben Sie im Laufe Ihres Berufslebens im Umgang mit Fehlern gelernt?

Hanssen: Fehler sind Chancen zum Lernen. Mein Rat: Legen Sie immer offen, wenn Sie etwas falsch gemacht haben, und kommunizieren Sie es klar. Dann konzentrieren Sie sich darauf, die Sache zu korrigieren. Ich glaube nicht, dass ich immer richtig entscheide. Wir treffen Entscheidungen – in der Hoffnung, dass es die richtigen sind.

Gerade bei Fusionen wie bei der von DEA mit Wintershall sind spezielle integrative Fähigkeiten gefragt. Sind Frauen da Ihrer Einschätzung nach besser vorbereitet?

Hanssen: An einer Sache wie die Integration von zwei Unternehmen und Organisationen zu arbeiten ist eine Teamleistung. Und es ist wie gesagt erwiesen, dass Teams in vielfältiger Zusammensetzung effektiver arbeiten. Ich sage immer: Ich stehe nicht für Vielfalt, weil ich als Frau in einer männerdominierten Branche arbeite. Aber ein gemischtes, ausbalanciertes und repräsentatives Team nicht nur hinsichtlich des Geschlechts, sondern auch der Nationalität, Kultur und sexueller Vorlieben ist mit einer größeren Wahrscheinlichkeit vielfältig.