Spezial Female Leadership: „Wer Konflikte aushält, kommt weiter“

Das Erfolgsgeheimnis von Jette Joop

Sie entwirft Mode, Schmuck, Besteck und Interieur. Ihre Produkte lizensiert sie für vermarktungsstarke Partner. Die Designerin Jette Joop über ihr Geschäft und Frauen in Führungspositionen – und was ihr selbst als Unternehmerin geholfen hat.


Jette Joop gründete 1996 die Jette GmbH, nachdem sie unter anderem bei Ralph Lauren gelernt hatte, den sie sehr bewundert
Jette Joop gründete 1996 die Jette GmbH, nachdem sie unter anderem bei Ralph Lauren gelernt hatte, den sie sehr bewundert. Ein Team aus langjährig Vertrauten unterstützt sie bei Plänen und Konflikten (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Frau Joop, wie kommt es, dass es immer noch so wenige Frauen in deutschen Vorständen gibt?

Jette Joop: Es sind wirklich wenige Frauen, durch unsere jährliche Weihnachtspost habe ich da einen ganz guten Eindruck. Vor 20 Jahren dachte ich noch, das würde sich bald ändern, aber bis heute hat sich wenig getan. Das finde ich sehr schade. Ich glaube, es liegt an der besonderen Art, wie Frauen kommunizieren: hart sein und Konflikte aushalten, das macht Männern einfach mehr Spaß, sie können auch besser einstecken und nehmen einen Schlagabtausch nicht persönlich. Frauen legen mehr Wert auf Harmonie, als Unternehmerin ist beides wichtig. Persönliche Likes und Dislikes muss man einfach rauslassen. Die Eigenschaften, die Frauen brauchen, um sich durchzusetzen, sind für sie privat und in der Familie manchmal kontraproduktiv. Das ist ziemlich ungerecht.

Wie haben Sie es denn geschafft? Sie haben doch auch Kinder.

Joop: Ich habe einfach ein tolles Team das mir mit Rat und Tat zur Seite steht. Denn es ist wie beim Marathon: In dem Moment, wenn alle Reserven aufgebraucht sind, dann muss noch mal ein Schub kommen. Meine Tochter ist 21 und mein Sohn wird im Sommer zehn, der sagt manchmal, wenn er mich abends noch arbeiten sieht: „Mama hat sehr viel Disziplin.“ Trotzdem drohen oft auch Widerstände. Das gehört dazu und da muss man durch.

Und das Team hilft Ihnen auch, wenn was schiefläuft?

Joop: Ja, das sind einige Anwälte, mit denen ich zum Teil schon seit über zwanzig Jahren arbeite, und eine Frau aus meinem direkten Umfeld – und natürlich meine Familie. Alle zusammen holen mich zurück auf den Teppich und unterstützen mich, wenn ich mich vergaloppiert habe. Wie zum Beispiel, als ich jemanden verklagen wollte, der das Logo leicht verändert für sich genutzt hat. Der Prozess wäre wohl nicht so gut ausgegangen, Markenrecht ist ein sehr komplexes Thema. Mein Team hat mich gefragt: Was wäre das Resultat aus dieser Klage? Ich hätte in einem Teilbereich gewonnen und in einem anderen vielleicht verloren. Also habe ich davon Abstand genommen.

Interessant, Sie haben also fast nur männliche Berater. Ist es in der Modebranche besonders hart als Frau erfolgreich zu sein?

Joop: Gutes Aussehen kann in der Modebranche schon eine Menge bringen. Manche glauben, dass das schon ausreicht. Hinter den Kulissen geht es aber unter Umständen härter zu als in anderen Branchen, das wird nur nicht für jeden sichtbar. Die Modebranche ist direkt mir dem Handel verbunden, und der befindet sich ständig im Wandel – etwa wenn über Instagram oder Facebook Sache direkt verkauft werden. Langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben ist harte Arbeit.

Sie arbeiten ausschließlich in Kooperationen, hat das Prinzip?

Joop: Ich schließe Lizenzverträge mit Unternehmen ab, die stark in der Produktion und im Vertrieb sind. Eine eigene Produktion auf die Beine zu stellen ist ungleich risikoreicher. Otto ist zum Beispiel ein toller Partner, mit dem ich vor zwölf Jahren ein Unterwäschekonzept entwickelt habe. Mit Otto arbeite ich schon sehr lange zusammen, wir wachsen gemeinsam immer weiter. Ich habe auch schon Kooperationen mit Unternehmen abgeschlossen, an denen Fonds beteiligt sind. In diesen Konstellationen kommt es oft zu Strategieänderungen. Langfristige Ziele gemeinsam zu etablieren, die über eine Zeitspanne von fünf Jahren hinausreichen, ist schwierig. Am liebsten arbeite ich mit inhabergeführten Unternehmen, da habe ich die größere Verlässlichkeit erlebt. Diese Unternehmen verfolgen langfristige Ziele, so dass man über längere Zeit gemeinsam etwas aufbauen kann. Mit Christ läuft das auch über viele Jahre klasse.

Teil 1: Der Erfolgsgeheimnis von Jette Joop

Teil 2: Was Jette Joop bereut