Titelthema

Warten auf die Alleskönner

Künstliche Intelligenz: Vieles erledigen Maschinen schon heute schneller und besser als Menschen. Das Potenzial dieser Technologie ist kaum absehbar. Intelligente Systeme können große Hilfen sein – werden sie richtig eingesetzt.

Kuenstliche Intelligenzen lernende Maschinen Roboter lernen menschliches denken und handelnSelbstlernende Machinen: Künstliche Intelligenzen imitieren menschliches Handeln und Denken (Foto: Fire Dept./Anika Dallmer)

Noch sind die Maschinen nicht perfekt. Noch ist der Mensch ihnen gegenüber im Vorteil – so bei der haptischen Wahrnehmung und der Fein-motorik, bei kreativen Aufgaben, in unvorhersehbaren Situationen und beim Übertragen von Wissen auf andere Bereiche. Noch. Darauf liegt die Betonung. Denn die Künstlichen Intelligenzen (KI) holen auf.

So zeigte zu Jahresbeginn eine Untersuchung der Universität Stanford, dass Computer genauso aufmerksam lesen wie Menschen. In einem Test zum Leseverständnis wurden Fragen zu 500 Wikipedia-Artikeln gestellt. Dabei erhielten die KI von Microsoft und dem chinesischen Internetkonzern Alibaba je 82 von 100 Punkten – so viele, wie der beste Mensch, der den Test jemals absolviert hat. Zum Vergleich: Beim ersten Test dieser Art Mitte 2016 holten die KI nur 51 Punkte.

Das ist zumindest ein Indiz dafür, dass sich die Technik rasant weiterentwickelt. Die exponentielle Entwicklung der Rechnerleistung ist ein weiteres. „Mit der Nutzung von KI sind wir heute sehr weit bei der Erkennung von Mustern und Anomalien sowie beim vorausschauenden Erkennen von Fehlerzuständen, dem Predictive Maintenance“, sagt Professor Martin Ruskowski, Forschungsbereichsleiter Innovative Fabriksysteme am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Große Fortschritte wurden auch bei der Spracherkennung und der künstlichen Erzeugung der menschlichen Stimme erzielt. Ruskowski nennt sie „eine Paradedisziplin der KI“. Von der technologischen Singularität – also der KI, die mit ihren intellektuellen Fähigkeiten mit dem Menschen mithalten oder ihn gar übertrumpfen kann – sind die Entwickler aber noch ein ganzes Stück entfernt. Googles Technik-Chef Ray Kurzweil geht davon aus, dass dies etwa ab 2045 technisch möglich sein könnte.

Roboter muss zum Daten-Training

KI ist die Fähigkeit von Maschinen, menschliches Denken und Handeln zu imitieren. Intelligente Computer und Roboter können Zusammenhänge verstehen, daraus Schlussfolgerungen ziehen und Entscheidungen vorschlagen oder sogar selbst treffen. Doch bevor eine KI dazu in der Lage ist, muss sie trainiert werden – und zwar mit Massen an Daten. „Die KI-Idee ist ja nicht neu. Man beschäftigt sich schon seit mehr als 60 Jahren damit“, sagt Arno Walter, CEO der comdirect Bank. Doch schnelle Fortschritte seien erst jetzt möglich. „Die Rechner haben ihre Leistungsfähigkeit Jahr für Jahr deutlich nach oben geschraubt. Das gilt auch für die Rechenmodelle. Damit können Unmengen von Daten verarbeitet werden – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Das kann kein Mensch mehr leisten.“ 


 

Mehr Mitarbeiter dank KI

Die KI wird den Menschen am Arbeitsplatz nicht komplett ersetzen. Das zeigen Studien von Accenture und Capgemini.
Aus der Accenture-Studie „Reworking the Revolution“, die zum Weltwirtschaftsforum in Davos präsentiert wurde, geht hervor: Unternehmen, die KI nutzen, können ihre Mitarbeiterzahl bis 2022 um zehn Prozent und ihre Umsätze um 38 Prozent steigern. Zu ähnlichen Ergebnissen kam zuvor eine Studie von Capgemini Consulting: 83 Prozent der Befragten berichteten, dass durch KI-Anwendungen bereits neue Jobs in ihren Firmen entstanden sind. Drei Viertel konnten infolge der KI-Einführung ihren Umsatz zudem um zehn Prozent erhöhen.


 

Teil 1: Warten auf die Alleskönner

Teil 2: Lernfähige Programme sind wahre Meister

Teil 3: Kunden bevorzugen den Rundum-Service

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